Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
kes, treffen der von Nord nach Süd verlau-
fende Wilhelmitorwall und der kurze, west -
östlich ausgerichtete Gieselerwall zusam-
men. Eine heute verbreiterte und stark verän-
derte Brücke über den Umflutgraben am
Südende des Wilhelmitorwalles markiert die
Stelle des ehemaligen Wilhelmitores, mit
dem zusammen sie von P. J. Krähe im ersten
Viertel des 19. Jh. errichtet wurde. Noch um
1865 war der Bereich um Wilhelmi-Tor, Giese-
lerwall und südlichem Wilhelmitorwall bis hin
zu dem zur Altstadt hin grenzbildenden Neu-
stadtmühlengraben eine weitgehend unbe-
baute Park- und Promenadenzone. Die Be-
bauung mit großzügig gestalteten Wohnhäu-
sern und Villen setzte hier erst in den siebzi-
ger Jahren des 19. Jh. ein und war gegen
Ende der achtziger Jahre weitgehend abge-
schlossen. Von dieser gründerzeitlichen Be-
bauung haben sich in dem Areal um Giese-
lerwall, südlichem Wilhelmitorwall und der
ebenfalls erst in den siebziger Jahren des 19.
Jh. zwischen Oker und Wilhelmitorwall ange-
legten Ferdinandstraße einige heute von
Neubauten umgebene Einzelhäuser, aber
auch eine an dieser Stelle straßenbildprä-
gende Gruppe von vier Wohnhäusern erhal-
ten. Die Bautengruppe Wilhelmitorwall 23,24,
25,26 ist im gesamten westlichen Wallgebiet
die einzige Stelle, an der heute noch die hi-
storische Bausubstanz in ihrem einstigen
städtebaulichen Zusammenhang geschlos-
sen erhalten ist, wenn auch im Detail an den
einzelnen Bauten im Laufe der Zeit Verände-
rungen vorgenommen wurden.

Das bauhistorisch bedeutendste und zu-
gleich älteste Gebäude der Gruppe ist die
1873 auf dem Eckgrundstück an der nördli-
chen Einmündung der Ferdinandstraße er-
richtete Villa mit Nebengebäude, die für Con-
rad Wrede von dem Architekten Friedrich
Lilly entworfen wurde (Wilhelmitorwall 25).
Der zunächst als zweigeschossiger gelber
Ziegelbau über rechteckigem Grundriß auf-
geführte Hauptbau ist 1890/91 durch Anbau-
ten an der Südwestecke erweitert worden.
Die am italienischen Palastbau der Renais-
sance orientierten Gestaltungsmerkmale des
Ursprungsbaues wurden auch an der Ge-
bäudeerweiterung übernommen, die aus ei-
nem Wintergarten, einem markanten Turm-
belvedere und einer zweigeschossigen, anti-
kisierenden Portikusarchitektur besteht, die
über eine im Westen vorgelagerte „Garten-
halle“ mit dem noch zum ursprünglichen
Baubestand gehörenden Stallgebäudewest-
lich des Haupthauses verbunden ist. Entlang
der Grundstücksgrenze zum Wilhelmitorwall
schließt den großen Garten ein Laubengang
ab. Mit diesen nur nach der Südseite gerich-
teten Anbauten zeigt die Villenanlage heute
nach dieser Seite eine aufgelockerte und ge-
staffelte Front, wohingegen die Fassaden
zum Wilhelmitorwall und die an der Ferdi-
nandstraße mit Eingang, Zufahrt und Stallge-
bäude straff gegliedert und symmetrisch auf-
gebaut sind.
Bereits 1874 folgte die südlich anschließende,
für Louis Witting errichtete Villa, deren Garten

nach Westen gerichtet ist (Wilhelmitorwall
24). In ähnlich antikisierender Weise wie der
Nachbarbau gestaltet, liegt dieses, überT-för-
migem Grundriß aufgeführte Haus in der
Achse des Gieselerwalles, was seiner drei-
achsigen, bis zur Straßenfront vorgezogenen
und mit einem Dreieckgiebel abgeschlosse-
nen Fassade im Straßenbild eine besondere
Bedeutung zuweist. Ein relativ hoher Werk-
steinquadersockel, horizontale Gesimsbän-
der und in Werkstein gefaßte Fensteröffnun-
gen sind, in ihrer farblichen Absetzung zu
den ruhigen Flächen des gelben Ziegelmau-
erwerks, die wesentlichen Gestaltungsmittel
auch an diesem Bau. Während der Eingangs-
bereich an der Nordseite, eingefaßt von zwei
Pfeilern und einem wuchtigen Gebälk, wohl
noch dem ursprünglichen Zustand ent-
spricht, ist der eingeschossige Anbau in der
Südostecke des Hauses erst 1888 entstan-
den, nachdem sich hier vorher eine als „Blu-
menhaus“ bezeichnete, verglaste Veranda
befand.
Ein dreigeschossiges Mehrfamilienwohn-
haus von 1876 schließt die Gebäudegruppe
im Süden ab (Wilhelmitorwall 23). Es ist als
Putzbau mit massiven Aussenwänden und
Innenausbau in Holz errichtet. Der Entwurf
zeigt in jedem Stockwerk eine um einen Cor-
ridor herum gelegte 7-Zimmer-Wohnung mit
Küche. Das Treppenhaus, das ursprünglich
auch die Toiletten enthielt, liegt in der Mitte
der Gebäuderückseite und ist leicht ausge-
schert. Paarweise angeordnete Fenster, ein
flacher, zweiachsiger Eckrisalit mit Dreieck-


...

Gieselerwall 6, Villa, 1883, Architekt Maurermeister Röper

Ferdinandstr. 4, Wohnhaus, 1880/81, Architekt R. Zinkeisen


239
 
Annotationen