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giebel im Süden, sowie Putzfugenschnitt
und Rundbogenfenster mit Bogenbegleit-
profil im Erdgeschoß, sind die wesentlichen,
noch an klassizistischen Vorbildern orientier-
ten Gestaltungsmerkmale. Die symmetrische
Struktur der Fassade ist heute durch das
Fehlen des nach Dachbeschädigungen im
Zweiten Weltkriege nicht wiederhergestellten
nördlichen Dreieckgiebels gestört. Die Nord-
flanke des Hauses liegt ebenfalls in der
Flucht des Gieselerwalles und ist hier durch
einen loggienartigen, ehemals offenen und
von korinthischen Säulen flankierten Vorbau,
der ursprünglich als Blumenzimmer fun-
gierte, besonders betont. Der Entwurf für die-
ses frühe, gründerzeitliche Mietshaus
stammt von Julius Gill.
Den nördlichen Abschluß der Bautengruppe
bildet jenseits der Einmündung der Ferdi-
nandstraße ein dreigeschossiges Wohnhaus
von 1881, das im Erdgeschoß modern verän-
dert wurde (1956), im übrigen aber noch viel
Originalsubstanz aufweist (Wilhelmitorwall
26). Ein kräftiger Mittelrisalit mit Zwerchhaus
und Dreieckgiebel zentriert die zum Wilhelmi-
torwall gerichtete Fassade des gelben Ziegel-
baues. Gegliedert ist das Gebäude allseitig
durch aufgeputzte Eckquader und Fenster-
einfassungen in schlichter, spätklassizisti-
scher Form. Vorder- und Rückseite des
Baues zeigen ein Traufengesims mit kräfti-
gen Volutenkonsolen, wohingegen das aus-
gebaute Satteldach an den Giebelseiten nur
von einem schmalen Ortgangprofil begleitet
wird. Entworfen und errichtet wurde das Ge-

bäude von den Bauunternehmern Fröhlich
und Baum kauft.
An der in den siebziger Jahren des 19. Jh. an-
gelegten, vom Wilhelmitorwall abzweigenden
und in einer Schleife zu ihm zurückführen-
den Ferdinandstraße, liegen zwei Villenbau-
ten aus den Jahren 1880/81, die für den Ar-
chitekten R. Zinkeisen errichtet wurden, der
auch für beide Bauten die Entwürfe lieferte.
Ferdinandstraße 2, im Süden der Straßen-
schleife liegend, ist ein zweigeschossiger
Putzbau auf nahezu quadratischem Grund-
riß, dessen schlichte Formgebung, die sich in
der ausgeprägten Horizontalgliederung, der
dezenten Betonung der Fassadenmitte und
in dem breiten Kranzgesims mit Friesband
ausdrückt, an klassizistischen Bauten der er-
sten Jahrhunderthälfte orientiert ist.
Der zweite Bau, (Ferdinandstraße 4), liegt im
Westteil der Straße und wie Nr. 2 auf einem
Grundstück, das an die Okerumflut grenzt. Er
ist als nur eingeschossiger, traufständiger
Bau mit Kniestock errichtet, dem über den
beiden nördlichen Fensterachsen ein
Zwerchhaus aufgesetzt ist, an dessen dreitei-
liger, klassizistischer Fensterrahmung der
Mittelteil als Figurennische ausgebildet
wurde. Zierfriese in Form von Spiralbändern
und stilisiertem Blattwerk begleiten das
Drempelgesims und den Dachansatz. Der im
Norden liegende Eingang ist ausgeschert
und überdacht und der ursprünglich mit ei-
nem Satteldach gedeckte Wintergarten am
Südgiebel erhielt 1958, gleichzeitig mit dem
vollständigen Ausbau des Daches, einen Bal-

konaufsatz mit neuer, großer Türöffnung.
Erst im Jahre 1900 ist die bis dahin abge-
schieden gelegene und vom Durchgangsver-
kehr frei gehaltene Ferdinandstraße über
eine Brücke mit den westlich der Okerumflut
neu entstandenen Stadterweiterungsgebie-
ten verbunden worden. Der Brückenbau
wurde von Drenckhahn & Sudhop in einer Ei-
sen-und Betonkonstruktion in Form hängen-
der Parabelbögen mit zwei Durchlässen kon-
struiert. Der mit Kartusche und Rankenorna-
ment geschmückte und in Sandstein errich-
tete Mittelpfeiler trägt die Jahreszahl „1900“.
Ebenfalls aus Sandstein sind die Brüstungs-
pfeiler des Brückenoberbaues, die an den
Brückenenden schmiedeeiserne Laternen
tragen und in denen das noch im Original er-
haltene eiserne Brückengeländer verankert
ist.
Einziger, am Gieselerwall noch erhaltener hi-
storischer Bau ist Haus Nr.6, eine Villa aus
dem Jahre 1883, die von Maurermeister Rö-
per in gelben Ziegeln errichtet und mit rei-
chem bauplastischem Schmuck ausgestat-
tet wurde. Vielfach profilierte Gesimsbänder
und schwere, zum Teil vegetabil ornamen-
tierte Fensterumrahmungen geben dem Bau
ein plastisches Fassadenprofil, das am Dach-
ansatz in einer gedrängten Fülle von
Schmuckmotiven gipfelt: die Mezzaninzone
umläuft ein Friesband mit laufendem Hund,
über dem ein schweres Kranzgesims auf Vo-
lutenkonsolen weit vorkragt. Als oberer Ab-
schluß umläuft das Flachdach eine Baluster-

Ferdinandstraße/Brücke, 1900, Firma Drenckhahn & Sudhop


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