Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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Ansicht der Stadt Moringen von Osten. Stich von Merian, hrsg. 1654


Oberdorf an dessen Ostrand in der Zeit der
Northeimer Grafen hervorgegangen sein, die
vermutlich bis etwa zur Mitte des 12.Jh.
Komitatsrechte im Mooregau besaßen. Im
13. Jh. war die Burg in welfischem Besitz, im
14. Jh. hatten die Herren von Rosdorf, denen
auch die Burg in Hardegsen und zudem weite-
rer Eigenbesitz in Moringen gehörte, Lehens-
anteile an der Burg. Wie gleichzeitig in Hardeg-
sen zwang 1363 Herzog Ernst von Braun-
schweig die Inhaber der Burg, ihm deren Öff-
nung als Stützpunkt zuzugestehen. 1379
brachte Herzog Otto der Quade, wohl nicht
ohne entsprechenden Druck auf die Rosdorfer
auszuüben, deren Besitz in Hardegsen und
Moringen durch Kauf an sich. Anders, als dies
in Hardegsen der Fall war, das nach der Ver-
drängung der Herren von Rosdorf wiederholt
herzogliche Residenz wurde, war die Moringer
Burg stets Verwaltungssitz, diente den Herzö-
gen wiederholt als Stützpunkt für ihre mili-
tärischen Unternehmungen und war vielfach als
Lehen oder Pfand in fremdem Besitz. Seit dem
ausgehenden 16.Jh. blieb sie ausschließlich in
den Händen von Beamten des Landesherrn
und diente als Sitz der Verwaltung des Amtes
Moringen.
Über das Werden der Stadt, die sich im
Schutze dieser Burg entwickelte, sind aus ihren
Anfängen kaum gesicherte Nachrichten vor-
handen. Einiges spricht dafür, dass der Ort
bereits um die Mitte des 14.Jh. unter Herzog

Ernst Stadtrechte erhielt. Auf jeden Fall besitzt
Moringen nach der Besitzergreifung der Burg
durch Otto den Quaden Stadtrechte, die 1381
erstmals urkundlich belegt sind, und zwar
Stadtrechte nach Uslarer Vorbild. In der 2.
Hälfte des 14.Jh. bekam Moringen seine
Befestigung, mit der die eng bebaute Stadt
nördlich der Burg umschlossen wurde,
während das nur locker bebaute Oberdorf
außerhalb des Mauerringes blieb. Dieser erste
Befestigungsring schloss zunächst den Burg-
bereich aus, wie an Mauerresten an der
nördlichen Grundstücksgrenze des Burgvor-
werks noch erkennbar wird, während in der
Folge der Befestigungsring aus Mauer, Wall
und Graben das Vorwerk mit umfaßte und an
die Gräben der Wasserburg angebunden
wurde. Die Stadtmauer besaß Tore im Norden
(Büchentor), Süden (Mannentor) und Westen
(Oberes Tor) und wurde durch eine Anzahl von
Türmen gesichert. Der Verlauf dieses nicht
mehr erhaltenen Befestigungsgürtels zeichnet
sich im Stadtgrundriss im Nordosten nördlich
der Wasserstraße und im Osten östlich der
Mannenstraße noch deutlich im Zuschnitt der
Grundstücke ab, im Westen setzte sich die
Mauer nördlich der Bleichstraße fort, um dann
westlich am Vorwerk vorbei den Anschluss an
den Burggraben zu suchen.
Bis zum Ende des 16.Jh. entwickelte sich
Moringen zu einer Stadt, die es zu einem
gewissen Wohlstand brachte, eine Tatsache,

die in dem 1596/97 ausgeführten Neubau eines
ansehnlichen Rathauses ihren anschaulichen
Ausdruck fand. Diese günstige Entwicklung
endete jedoch mit dem Dreißigjährigen Krieg.
Zahllose Truppendurchzüge, Einquartierungen,
Plünderungen und hohe Kriegskontributionen,
die Moringen im Kriegsverlauf über sich erge-
hen lassen musste, führten zur vollständigen
Verelendung der ehemals wohlhabenden Stadt.
Für das bauliche Gesicht Moringens folgenrei-
cher als der Krieg und Grund dafür, dass die
ältere Stadtgeschichte im Ortsbild kaum noch
in Erscheinung tritt, waren die zahlreichen
Stadtbrände im 15. bis 18.Jh., unter denen der
verheerende Brand von 1734, dem 110 Wohn-
häuser und 159 Wirtschaftsgebäude zum Opfer
fielen, von entscheidender Bedeutung war. Die
nach diesem Brand eingeleitete planmäßige
Neuanlage Moringens unter Neuordnung des
Stadtgrundrisses hatte zum Ergebnis, dass das
Mittelalter als Bauepoche im Stadtbild heute
fast ausgelöscht ist. Vom Brand verschont
blieben 1734 nur das Vorwerk mit dem nördlich
anschließenden Stadtviertel und im Südosten
der Bereich um die Pfarrkirche mit den weiter
südöstlich dem Kirchhof benachbarten Grund-
stücken, Bereiche, die sich noch heute im
Stadtgrundriss durch ihren unregulierten Par-
zellenzuschnitt und abweichende Straßenfüh-
rung von der neu geplanten Nachbarschaft
absetzen. Hier finden sich auch die wenigen
baulichen Zeugnisse der älteren bürgerlichen
Architektur Moringens mit dem ehemaligen

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