Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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Ansicht der Stadt Uslar von Südwesten. Stich von Merian, hrsg. 1654

STADT USLAR

Der Landschaftsraum der weiten, im Norden,
Osten und Westen vom Solling umschlossenen
Senke, die sich als ein umfangreiches Acker-
baugebiet zwischen die ausgedehnten Waldun-
gen von Solling, Bramwald und Reinhardswald
legt, begünstigte die Entstehung einer bedeu-
tenderen Ansiedlung ebenso, wie der Verlauf
alter Fernwege, die sich im Uslarer Becken
kreuzen. Die frühe Entstehungsgeschichte des
Ortes, der sich hier unweit der Ahle und am
Schnittpunkt der alten und wichtigen west-
östlichen Heer- und Handelsstrasse, die von
der Weser bei Beverungen her in das Leinetal
führt, mit den Verbindungen zu den Zentren
des weiteren Umlandes ausbildete, liegt weit-
gehend im Dunkeln. Auszugehen ist von einer
Entwicklung aus mehreren Siedlungskernen, zu
denen vielleicht im 12.Jh. die Anlage einer
Wasserburg trat. Die früheste Erwähnung des
Ortes als “Husleri” in den “Traditiones Corbei-
enses”, den Schenkungsregistern des Klosters
Corvey, wird in den Anfang des 11.Jh. datiert.
Siedlung und Burg entwickelten sich früh zum
Hauptort des Uslarer Beckens. Ihr Gebiet war
im 11.Jh. Teil des bedeutenden Machtberei-
ches, den sich die Northeimer Grafen in dem
Raum zwischen Weser und Harz geschaffen
hatten. Mit dem Erbe der Northeimer Grafen

wird auch Uslar nach dem Tode des letzten
Northeimer Grafen Siegfried IV. von Boyneburg
in welfische Hand übergegangen sein. Da
andererseits Uslar und sein Gebiet bei der
Aufteilung des welfischen Besitzes nach dem
Sturz Heinrichs des Löwen 1180 nicht aufge-
führt wird, muss angenommen werden, dass es
bereits vor diesem Zeitpunkt unter den Einfluss
des Erzbischofs von Mainz gelangt war, zu
dessen Machtsphäre der Uslarer Raum in der
2. Hälfte des 12. bis in die Mitte des 13.Jh.
gehörte. Die Burg, die als eine Mainzer
Gründung entstanden sein mag, befand sich
damals im Besitz der Herren von Uslar, eines
Adelsgeschlechts, das schon in der Zeit der
Northeimer Grafen als Lehensinhaber des
Grafen Siegfried IV. von Boyneburg erscheint
und das in altsächsischer Zeit vielleicht seinen
Sitz auf dem Freienhof hatte, dessen Ringwall
sich in Resten nahe der Ahle südlich vor der
Stadt bei Steimke noch erhalten hat.
Als die Welfen nach der Begründung des
Herzogtums Braunschweig-Lüneburg (1235) in
ihren alten Machtbereichen in Südniedersach-
sen durch Erwerbungen und Rückerwerbungen
wieder Fuß zu fassen trachteten, stellte die
Gewinnung Uslars und seines Gebiets einen
wichtigen Schritt in der Ausdehnung ihres
Machtbereichs in den Solling hinein dar. 1263
gibt es schon einen herzoglichen Vogt in Uslar.

Mit der ersten Erbteilung des welfischen
Gesamtlehens nach dem Tode Herzog Ottos
des Kindes (1252) fiel Uslar an Herzog Albrecht
(den Langen) von Braunschweig-Lüneburg, der
sich 1269 durch den Erzbischof von Mainz mit
den Anrechten auf die Stadt belehnen ließ und
zu gleicher Zeit den gesamten Solling schritt-
weise seiner Herrschaft einzuverleiben bemüht
war. 1270 veranlasste der Herzog schließlich
die Ritter von Uslar, ihre Burg an ihn abzutreten
und gegen die beiden Burgen Alten- und
Neuengleichen bei Göttingen einzutauschen,
sodass nunmehr die Braunschweiger Herzöge
die alleinigen Herren Uslars waren.
Damals wird die eigentliche Entwicklung Uslars
als Folge des besonderen Interesses des
Landesherren ihren Anfang genommen haben.
Stadtrechte dürfte Uslar zu dieser Zeit bereits
besessen haben, hatte sie spätestens aber
1269, als der Ort von Herzog Albrecht das
Göttinger Stadtrecht erhielt. Später, wohl erst
im 14.Jh. entstand Uslars Mauerbefestigung,
die an die Wasserburg im Westen ange-
schlossen war und eine östlich der Burg plan-
mäßig angelegte Stadt umfasste, deren Kern
der große, ursprünglich von Bebauung freie
Dreiecksmarkt im Westen war und deren
städtebauliches Hauptmotiv die vom Markt
zum östlichen Stadttor verlaufende Lange
Straße darstellt, der die wenigen, annähernd

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