Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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ÜBERBLICK ÜBER LANDSCHAFTSRAUM, GESCHICHTE,
SIEDLUNG UND BAUGESCHICHTE

Naturräumliche Gliederung und Siedlungsentwicklung
Im südlichen Teil Niedersachsens, eingebunden zwischen dem Oberwesertal im Westen
und den Harzvorbergen im Osten erstreckt sich der Landkreis Northeim, der mit einer
Gesamtfläche von 1267 km2 zu den mittelgroßen Kreisen in Niedersachsen zählt. Er
reicht im Norden und Nordwesten an die Landkreise Hildesheim und Holzminden, im
Osten an die Kreise Goslar und Osterode am Harz, im Süden an das Kreisgebiet
Göttingen und grenzt im Süden und Südwesten an den westfälischen Kreis Höxter bzw.
den hessischen Kreis Kassel.
Hervorgegangen aus dem ehemaligen Altkreis Northeim, mit dem er heute flächenmäßig
nur wenig gemeinsam hat, wurde das Gebiet bereits 1932 um den alten Landkreis Uslar
erweitert - eine Erweiterung, die annähernd zu einer Flächenverdoppelung führte. 1974
kamen der gesamte Altkreis Einbeck sowie 1977 die Gemeinden Bad Gandersheim und
Kreiensen aus dem aufgelösten Landkreis Gandersheim und die Gemeinde Kalefeld aus
dem Landkreis Osterode am Harz hinzu. Seitdem schließt das Kreisgebiet insgesamt
zwölf Einheitsgemeinden ein: Bad Gandersheim, Bodenfelde (Flecken), Dassel, Einbeck,
Hardegsen, Kalefeld, Katlenburg-Lindau, Kreiensen, Moringen, Nörten-Hardenberg
(Flecken), Northeim und Uslar. Hinzu kommt das Gemeindefreie Gebiet Solling, in dem
der größte Teil des Sollingwaldes verwaltungsmäßig zusammengefasst ist.
Die größten Teilflächen des Kreisgebietes nehmen die Gemeinden Einbeck (166 km2),
Northeim (146 km2), das Gemeindefreie Gebiet Solling (177 km2), Uslar (113 km2) und
Dassel (113 km2) ein. Insgesamt zählt der Kreis 151647 Einwohner (Stand: 31.03.2000);
davon entfallen auf Northeim 31774 (21%) und Einbeck 29014 (19,1%), was einer
Bevölkerungsdichte von ca. 119 Einwohnern je km2 entspricht.
Naturräumlich lässt sich das Kreisgebiet in drei übergeordnete Einheiten gliedern: in die
großflächige Buntsandsteinkuppel des Sollings im Westen, in den breiten, tief einge-
sunkenen Leinetalgraben, der seinen nördlichen Abschluss in der Einbeck-
Markoldendorfer Mulde findet, und in das rechtsleinische, bis an die Harzrandsenke
reichende Bergland im Osten. Die zum südniedersächsischen Bergland gehörenden
Höhenzüge sind von gegensätzlicher Art. Während nördlich der Linie Einbeck, Dassel,
Stadtoldendorf, Holzminden lang gestreckte Waldhöhen, rippenartige Bergkämme,
schmale schichtstufenartige Bergzüge vorherrschen, durchsetzt mit schmalen und brei-
ten muldenartigen Tälern, Senken und Becken, erscheint das Landschaftsbild südlich
der Linie durch weiträumige Bergformen, Hochebenen und weit gespannte, flache
Aufwölbungen weitaus ruhiger und klarer. Hervorgerufen wurde dieser naturräumliche
Gegensatz durch die verschiedenartige Lagerung der Gesteinsschichten. Waagerecht
gelagerte Schichten des Buntsandsteins, die nur schwach gewölbt sind und sich gleich-
bleibend über weite Strecken hinziehen, bestimmen den Aufbau des Sollings. Sie waren
der Abtragung nur wenig ausgesetzt und bilden horizontale, ruhige, gleichförmige
Oberflächen. Nördlich schließen die aus jüngeren Gesteinsschichten bestehenden
Gebirge an, die vielfach gefaltet und zerstückelt sind und somit der Abtragung stärkere
Angriffsflächen boten.
Vom Westen schiebt sich die mächtige, nach allen Seiten abgeflachte Buntsand-
steinkuppel des Sollings in das Kreisgebiet vor, ein großflächiges, zusammenhängendes
Waldbergland von insgesamt 500 km2 Fläche. Seine höchsten Erhebungen, die Große
Blöße mit 528 m und der Moosberg mit 509 m, treten nicht als Landmarken in
Erscheinung, sondern sind nur als flächenartige Buckel ausgebildet. Der Charakter
dieser Landschaft war im Laufe der Jahrhunderte einem steten Wandel unterworfen.
Überwogen zunächst die Eichenbestände, so wurden ihre Anteile in der Folgezeit durch
Buchenwaldungen zurückgedrängt. Die Glashütten, die Köhlerei der Uslarer Eisenhütte
und auch Flößerei verbrauchten große Mengen des Holzbestandes der herrschaftlichen
Forste, so dass die Sollingwälder Ende des 18.Jh. z.T. erhebliche Freiflächen aufwiesen.
Heute beträgt der Sollingwaldanteil des Kreisgebietes etwa 38 %.
In die Hochfläche schiebt sich keilartig nach Norden das Uslarer Becken, begrenzt im
Süden von Bramwald und Reinhardswald. Sein tiefster Punkt liegt mit 130 m ü. N. N.

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