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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0157
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gesichert. Als möglicher Urheber wird auch der
verschiedentlich in Göttingen tätige Baumeis-
ter O. Prael genannt.
Ehemaliges Rathaus
Das ehemalige Rathaus der Stadt, das unmit-
telbar östlich des Kirchenschiffs die Ecke zur
Kirchstraße einnimmt, ist der einzige bürger-
liche Profanbau aus der alten Geschichte
Moringens, der den großen Brand von 1734
einigermaßen unbeschädigt überstand, wenn-
gleich auch hier (zwischen 1749 und 1751)
Brandschäden am Fachwerkgerüst beseitigt
werden mussten (Kirchstraße 4). Der stattliche
zweigeschossige Bau, der seinen dreifach vor-
kragenden Hauptgiebel der Kirchstraße zuwen-
det, besitzt ein hohes, in Bruchsteinmauerwerk
ausgeführtes Erdgeschoss, das 1596/97 ver-
mutlich unter Verwendung eines Vorgänger-
baues errichtet wurde. Über dem schmuck-
losen Erdgeschoss folgt ein wohl etwas jünge-
res Obergeschoss in Fachwerk, dessen Ge-
schossvorkragungen an Konsolen, Balkenköp-
fen, Schwellen und Füllhölzern sehr reich im
Sinne der Renaissance gegliedert und orna-
mentiert sind. Eine ehemals zum Kirchhof wei-
sende Laube mit Freitreppe an der Westseite
wurde beim Neubau des Kirchenschiffs von St.
Marien im 19.Jh. entfernt. Bis 1862 diente das
Haus seinem ursprünglichen Zweck, um
schließlich 1868 in private Hände überzugehen.
Auch die südliche Randbebauung des ehemali-
gen Kirchhofs gehörte zu den im Jahr 1734
vom Feuer verschonten Bereichen der Stadt.
Aus der Zeile zumeist kleiner zweigeschossiger
Fachwerkwohnhäuser hebt sich hier das ehe-
malige Pfarrhaus An der Kirche 2, das noch aus
der Zeit vor dem Brande stammt, durch seinen
größeren Zuschnitt ab. Es ist ein zweigeschos-
siger Fachwerkbau mit der für die Zeit um 1700
typischen Geschossvorkragung über gerunde-
ten Balkenköpfen und Füllhölzern. Gegen 1760
wird das Nachbarhaus An der Kirche 4 ent-
standen sein, während die anschließende
Abfolge schmuckloser und bescheidener
Wohnhäuser An der Kirche 6-12 insgesamt
etwa der Zeit entstammen wird, in der auch das
kleine ehemalige Hospital am Ostende der Zeile
errichtet wurde, das als Erbauungsdatum die
Jahreszahl 1778 trägt (An der Kirche 12).
Vom Stadtbrand verschont blieb auch die
Situation um das 1836 abgebrochene
Mannentor im Süden der Stadt. Die Verengung
der Mannenstraße an ihrem Südende zeigt
noch heute an, wo die Neuanlage der
Barockzeit endete. Unter den hier aus der Zeit
vor dem Brand verbliebenen Häusern das
ansehnlichste ist das Wohnhaus Mannenstraße
2, das ursprünglich unmittelbar hinter dem
Stadttor lag, ein Haus aus dem 1. Viertel des
18.Jh. mit kräftiger Geschossvorkragung über
profilierten Balkenköpfen und Füllhölzern und
einer überdurchschnittlich reichen Abzimme-
rung des Fachwerkgerüsts durch K-Streben in
den Eckgefachen, Mannfiguren und Fußbän-
dern in der Brüstungszone. Ein einfacheres
Haus aus dem letzten Drittel des 17.Jh. ist
benachbart Mannenstraße 4.


Bahnofstraße la, ehern. Schäferei, Wirtschaftsgebäude von 1733


Ev. Liebfrauenkirche, Turm aus dem Ende 15. Jh., Schiff 1847-50, Entwurf wohl von F.A.L. Hellner

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