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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0319
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19.Jh. in der Regel zu Gartenland umgewan-
delt, welches bis in die 2. Hälfte des 19.Jh.
hinein die Stadt zum größeren Teil in einer
geschlossenen Zone umgab. Diese Nutzung
konnte bis in die Gegenwart nur noch der brei-
te, der Stadtmauer vorgelagerte Grundstücks-
streifen zwischen Mauerstraße und Martins-
bach im Süden der Stadt bewahren.
Gemeinsam mit dem zugehörigen Stadtmauer-
abschnitt, dessen Gemäuer mehrfach von alten
Gartenpforten durchbrochen ist, vermag dieser
hier noch ein vergleichsweise intaktes Bild der
alten Uslarer Stadtbefestigung zu überliefern.
Ein besonders liebenswürdiges bauliches
Zeugnis der späteren Nutzung dieses ehemali-
gen Befestigungsstreifens zur Anlage von
Bürgergärten ist das in unmittelbarer Nachbar-
schaft der Stadtmauer errichtete Gartenhaus
vor dem Mühlentor, ein Fachwerkbau des
Klassizismus in der Gestalt eines Tempelchens
mit säulengetragener Vorhalle und vorgelegter
Treppenanlage (Alleestraße 2). Ein schlichteres
Gartenhaus dieser Zeit befindet sich weiter
östlich auf einem Gartengrundstück, das im 19.
Jh. dem Uslarer Kaufmann Jörn gehörte.
Ehemaliges Schloss Freudenthal
Die jüngere Entwicklung Uslars seit dem
Dreißigjährigen Krieg ist Ursache dafür, dass
das einstige geschichtliche und städtebauliche
Zentrum der Stadtanlage heute im Ortsbild
nicht mehr oder nur unvollkommen Gestalt
gewinnt. Mit dem Zugrundegehen des Schlos-
ses, dessen mächtiger Baukörper nur für eine
relativ kurze Zeitspanne und wohl auch nie
ganz fertig gestellt den großen Hauptplatz der
Stadt monumental zu schließen bestimmt war,
verlor die kleine Landstadt schon frühzeitig ihre
bedeutendste architektonische Zierde. Von
dem Renaissanceschloss, das Herzog Erich II.
ab 1559 nach dem Abbruch der alten
Wasserburg (1553) erbauen ließ, sind - am
ehemaligen Ganzen gemessen - nur beschei-
dene Reste übrig geblieben: die Mauern des
Sockelgeschosses vom West-, Nord- und
Südflügel und die eher wenigen Architektur-
details, die am Sockel und verstreut an ver-
schiedenen Gebäuden auf dem Gelände west-
lich des Graftplatzes noch anzutreffen sind und
mit Hilfe derer sich ein ungefähres Bild von der
ursprünglich geplanten und wenigstens zum
Teil ausgeführten Anlage rekonstruieren lässt.
Schloss Freudenthal war eine um einen dem
Quadrat sich nähernden Innenhof angeordnete
Vierflügelanlage mit polygonalen Ecktürmen,
ein Bau mit Seitenlängen von mehr als 80 m,
der - wäre er vollendet worden und erhalten
geblieben - in Anlage und Größe innerhalb des
deutschen Schlossbaues der Zeit und im
Besonderen unter den Schöpfungen der
Weserrenaissance eine beachtliche Stellung
eingenommen hätte.
Über die Einzelheiten seiner Gestalt gibt allein
der Merianstich von 1654 nähere, wenn auch
wohl keineswegs ganz zuverlässige Auskunft.
Die zweigeschossigen Flügel, die über einem in
Quadermauerwerk erbauten und wohl mit
durchweg überwölbten Kellerräumen verse-
henen Sockel aufstiegen, besaßen vermutlich



Plan des ehern. Amtshofes in Uslar mit Einzeichnung des Schloßsockels (rechts) und den Gebäuden des Amts-
hofes (links), um 1750. Nieders. Hauptstaatsarchiv Hannover, 22 o/ Uslar 18pm

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