Fliegende Blätter — 30.1859 (Nr. 705-730)

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Kein System- aber totaler Personenwechsel durch Verwechselung.

nun zwar ein Waise und hatte daher in seinem schlesischen
Heiinathsstädtchen keinen Tropfen Blutsverwandtschaft hinter
lassen, an dessenZnneignng er den Werthmesser des diesjährigen
Christfestes hätte legen können, aber das verschlug nichts. War
ihm doch, schon bevor er von seiner Stelle als städtischer Stacht -
wächter zum Militair abgehen mußte, die gänzliche Eroberung
der jungfräulichen Beste des Herzens der Köchin Louise nach kaum
dreitägiger Belagerung, durch einen glänzenden Hauptsturm
gelungen, ein Ereignis;, das bezüglich seiner Hoffnungen auf
Weihnachten nicht unterschätzt werden darf. Sollte die lieb-
entflammte Köchin, die im Mchrz, als er nach Potsdam mußte,
einen so thränenreichen Abschied von ihm genommen hatte, jetzt
seiner schon vergessen haben? Unmöglich!

Hatten sie doch beide in monatlichen Briefen, die !
als die feindseligsten Angriffe ans Orthographie und Syntax !
betrachtet werden konnten, den jungen Keim ihrer Liebe ge-
pflegt und gehegt, soviel dies; in der Macht naiver Wünsche
und haarsträubender Bethenerungen nur immer liegen kann.
Daß Louise aber nicht wissen sollte, wie einige Pfund Roll-
tabak, ein Jelängerjelieber von Wurst und ein solider Sem-
mel ihm ihre treue Liebe energischer verbürgen könnten, als
alle Symbole, die die Wissenschaft Amors — beiläufig gesagt
eines der frcquentirtesten Gebiete — je entdeckt und an- !
gewandt hat, dies zu glauben, durfte man dem Grenadier
schlechterdings nicht znmuthcn. Hatte er doch nie ein Hehl vor ;
ihr aus den Spiralen gemacht, die seinen Organismus beleb-
ten und konnte sie über seine Wünsche um so weniger im Un- '
klaren sein, als sie dieselben oft genug ans des Bürgermeisters !
Küche — sie wohnte bei diesem — zu einer Zeit befriedigt !
hatte, als der nicht ganz unergiebige Nachtwächterposten ihn
noch nicht auf die Speisekarte einer Kascrnen-Menage, die !
viel zu wünschen übrig läßt, beschränkte.

Weihnachten war gekommen. Weihnachten, dieser landes-
. übliche Prüfstein für die Dressur der Kinder, die Liebe der
! Liebhaber, der Liebhaberinnen, der Bräute und Bräutigame,
! der Aufopferungsfähigkeit der Gatten und Gattincn und cnd-
^ch der beliebteste Gradmesser der Liberalität, der das ganze
Jahr über vernachläßigten, jetzt krampfhaft geliebkosten Onkels
1 und Tanten. Wir finden es ganz in der Ordnung, daß auch
das Herz eines Grenadiers vom ersten Garde-Regiment zu Fuß
>u Potsdam beim Herannahen dieser vielbcwegten Zeit in Auf-
wallung gerathen konnte. Franz Klinge, der Grenadier, tvar

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"Kein System- aber totaler Personenwechsel durch Verwechselung"
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Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Staunen <Motiv>
Muff
Karikatur
Grenadier <Motiv>
Postsendung
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 30.1859, Nr. 727, S. 177 Universitätsbibliothek Heidelberg
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