Fliegende Blätter — 66.1877 (Nr. 1641-1666)

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Merkwürdige hist

General Blücher ging einst über den Marktplatz, als
ein dem Ansehen nach ganz schlichter Bürger auf ihn zuging
und mit einer tiefen Verbeugung dem großen Heerführer seine
Ehrfurcht zu erkennen gab. Blücher war überrascht, aber so-
gleich faßte er sich wieder: „Ei, ei!" sagte der freundliche Greis
und verschwand in der nächsten Straße.

Themistokles war im Stande, die geheimsten Gedanken
seiner Mitmenschen zu errathen. Einst begegnete ihm in einer
engen Straße einer seiner Feinde. Derselbe schwang einen
Prügel in seiner Rechten und stürzte mit Drohworten aus
Themistokles los. Dieser aber durchschaute sofort die Gedanken
des Feindes und rief: „Du willst mich schlagen!" Erstaunt
über solche Geistesschärfe ließ der Feind den Prügel sinken und
Themistokles hatte Zeit zu entfliehen.

Als Kaiser Karl der Fünfte eines Tages in Nürnberg
über den Marktplatz ging, begegnete ihm ein Bauer, den der
Kaiser vom Sehe» kannte. „Auch da?" sagte der Kaiser,
während der Bauer ehrerbietig den Hut abnahm. — „Freilich",
stammelte dieser; der Kaiser aber legte ihm die Hand ans die
Schulter und regierte noch mehrere Jahre.

„Wie kommt es, daß Du so zufrieden bist?" sagte ein
reicher Grieche zu Diogenes, als dieser eben vor seiner Tonne
saß und sich im Sonnenstrahle wärmte. „Nun ja!" antwortete
Diogenes ruhig und lächelte, während der reiche Grieche trotz
all seines Reichthums Leibweh hatte.

König Heinrich der Achte ließ bekanntlich seine Frauen
sehr gerne hinrichtcn. Darauf spielte einer seiner Edclleute
einmal gesprächsweise an und meinte, er wäre froh, daß er ein
Edelmann und keine Dame sei; da lachte Heinrich, reichte ihm
die Hand und sprach: „Warum hast Du das nicht früher ge-
sagt?" _

rische Anekdoten.

Sokrates war sehr weise. Eines Tages wollte er aus-
gehen, aber Xantippe hatte ihm die Sandalen versteckt. „So
gehe ich baarfuß!" sagte Sokrates und blieb daheim.

Der alte Dessauer hielt strenge Mannszucht. Eines Abends,
als er noch spät die Runde machte, traf er eine Schildwache,
welche schlief. Ein kräftiges Schütteln weckte den armen
Soldaten aus seinem Traum und bleich vor Schrecken starrte
derselbe den erzürnten General an. Er fürchtete schon, daß er
sechs Wochen scharfen Arrest erstehen müsse — eine Strafe, welche
bei solchen Vergehen damals üblich war. Aber wie sehr täuschte
er sich, denn der alte Dcssaucr ließ ihm zuerst noch fünfzig
Stockprügcl geben und schickte ihn dann erst in Arrest.

Als Kleopatra sich durch den Biß einer giftigen Schlange
das Leben genommen hatte, rief man ihren Leibarzt herbei,
welcher bei dem Anblick der Leiche vor Schrecken beinahe zu-
sammenbrach. Er war seiner Herrin treu ergeben und hegte
sogar, wie man sagte, im Stillen eine tiefe Liebe zu ihr. Kein
Wunder, daß ihn der Schmerz und die Ueberraschung ver-
stummen machte. Nach einiger Zeit aber kam er wieder zu sich
und sprach mit wissenschaftlichem Ernste: „Strychnin hätte
denselben Dienst gcthan." _ Miri9 & Sol)„.

Räthsrlhaftc Inschrift.

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Titel

Titel/Objekt
"Merkwürdige historische Anekdoten" "Räthselhafte Inschrift"
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Fliegende Blätter
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Universitätsbibliothek Heidelberg
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G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Bildbeschriftung: (1): "KL IO", "ROTTEK", "SYBEL" (2): ".R.I.P.", "Ao:70", "AMPUTA-UNDAS", "AURE.MILLE.VOCAVI"

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Werktitel/Werkverzeichnis

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München

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Fliegende Blätter, 66.1877, Nr. 1643 , S. 23 Universitätsbibliothek Heidelberg
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