Fliegende Blätter — 82.1885 (Nr. 2058-2083)

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11.

Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- Preis des Bandes (26 Nummern) M.G.70. Bei directem

Handlungen, sowie von allen Postämtern und M^ro. Bezüge per Kreuzband: für Deutschland und Oesterreich VYVTT

Zeitungs-Expeditionen angenommen. -Lw-1 ^.7.ü0, für die anderen Länder des Weltpostvereins^ 8.— OÖ,

Erscheinen wöchentlich ein Mal. Einzelne Nummer 30 ^.

(Alle Rechte für sämmtliche Artikel Vorbehalten.)

M a u c r b l ii m ch e n.

Paare schlug gleichförmig, wie das Wiegenlied des Meeres, an
mein Ohr, und die blitzenden Augen der Mädchen leuchteten
vor mir auf, wie der sprühende Gischt.

Hüte Dich vor den Fluthen des Tanzes! Sic sind trügerisch
und unergründlich wie das Meer!

Unwillkürlich hielt ich mich an meiner Marmorsäule fest,
als liefe ich allen Ernstes Gefahr, hinuntergespült zu werden in
das Parket des Saales. Gottlob, diese Gefahr bestand für
mich nicht. Unnahbar stand ich im Leben da — ein notorischer
Junggeselle. Weder die feurigen Blicke tanzlustiger Damen,
noch das Flehen bejammernswerther Freunde, die nach Tänzern
für ihre Schutzbefohlenen fahndeten, hatte jemals mein ver-
stocktes Gemüth zu erweichen vermocht. Ich war Eins mit
dem Marmor, an dem ich lehnte, und ohne Sorge durfte ich
der Weise des brandenden Tanzes lauschen und des Schim-
mers mich freuen in all den schönen Madchenaugen.

Da tönte hart neben mir eine Stimme: „Sie tanzen
überhaupt nicht mehr? Ach, wie schade!" Es klang
wie das letzte Stöhnen des zu Tode gehetzten Wildes.
Ich sah mich nach dem Sprecher um. Es war ein kleines,
wohlbeleibtes Männchen in vorgerückten Jahren, welches sich eben
von einem kühl lächelnden Ball-Dandy verabschiedete. Durch die
goldgefaßte Brille funkelte ein lauernder Blick nach mir. So
mustert wohl der Habicht seine Beute, bevor er blitzschnell darauf
niederschießt. Aber der blasirtc Ausdruck meines Gesichtes rettete
mich. Das Männchen zuckte die Achseln, und ein bitteres
Lächeln spielte um seinen Mund: eine Epistel an die moderne,
tanzscheue Jugend. Dann wandte er sich seufzend ab und
schob sich an den Sitzreihen der Balustrade entlang dem oberen
Thcilc des Saales zu. Ich sah ihm lächelnd nach. Nehmet euch
ein abschreckendes Beispiel an diesem unglückseligen Familien-


war zu Muthe, als sähe ich
von sicherem Felsenriffe hinab
in die tosende Brandung des
|d Meeres, die unermüdlich die

« "mMrönten Wogen heranrollt und ihre monotone Weise
^ ' Unb doch lehnte ich nur an einer der kühlen Marmor-
-Ieit, welche die Wände des Ballsaales zierten und sah dem
Treiben der Tanzenden zu.

Dag Geräusch der Stimmen und das fröhliche Lachen der

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Mauerblümchen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Schlittgen, Hermann
Entstehungsdatum (normiert)
1885
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
CC BY-SA 4.0 CC BY-SA 4.0
Creditline
Fliegende Blätter, 82.1885, Nr. 2068, S. 81 Universitätsbibliothek Heidelberg
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