Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

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Rekonstruktion

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Auflagers der östlich an den Bogen an gearbeiteten Giebelfüllung sind die Reste eines
Klammerloches erkennbar. Der Keilstein HT 87 (Taf. 58, Abb. 138; Kat. T 2) ist etwa in
der Mitte der Bogenleibung gebrochen. Er ist nur 54,5 cm tief, seine Sehnenlänge beträgt
40 cm. Oberhalb der Bogenstirn sind geringe Reste der Giebelfüllung angearbeitet. Im
unteren Auflager ist ein Dübelloch erhalten, welches mit dem nördlichen Dübelloch des
Bogenanfängersteins HT 88 korrespondiert. Der Block HT 87 ist demnach der benach-
barte Keilstein des östlichen Bogenanfängers.
Der Bogenschlußstein ist in zwei Hälften zerbrochen, den Block HT 86 (Taf. 59, Abb.
141. 142; Kat. T 3) und den Block HT 125 (Taf. 59, Abb. 143). Beide Teile zusammen er-
geben die Leibungstiefe von 102 cm, die Sehnenlänge mißt 36 cm. Oberhalb der Archi-
volte ist ein Zwickel als Auflager für das Giebelgesims angearbeitet. Die Bogenstirn des
Steines HT 86 ist etwa zur Hälfte zerstört. Der Schlußstein hat — erwartungsgemäß —
keine Dübellöcher, aber ein Hebeloch sowie ein Klammerloch.
Die drei Keilsteine lassen sich zur östlichen Bogenhälfte zusammenfügen. Der Bogen
hat einen Radius von 72 cm, seine Stichhöhe beträgt aber nur 58 cm. Er ist jedoch nicht
als Korbbogen konstruiert, sondern als oberer Teil eines Halbkreisbogens.

VI Rekonstruktion
Zahlreiche Beobachtungen und Überlegungen, die im Rahmen der Baubeschreibung die
Zuordnung und Plazierung der einzelnen Bauglieder bestimmten, gaben gleichzeitig Auf-
schlüsse für die Rekonstruktion des Torbaues. Sie sollen im folgenden nochmals zusam-
menfassend dargestellt und durch Überlegungen ergänzt werden, welche über die einzel-
nen Steinschichten hinausgehen (A). Als Abschluß (B) dieses Kapitels soll die hier vor-
gelegte Rekonstruktion mit den älteren Rekonstruktionsvorschlägen verglichen werden.
A Zusammenfassung.
1 Untergeschoß. Die auf den vier Postamenten in situ stehenden Basen dokumentie-
ren die Ausbildung des Stützensystems (Plan 3, Taf. 7. 9—11). Die Mitte des Baues nah-
men Pfeiler ein, an die im Süden Halbsäulen angearbeitet waren; im Norden waren
getrennt gearbeitete Säulen angeschoben. Reste von beiden Stützen sind vorhanden (vgl.
o. III A). Da weder Pfeiler noch Säulen in voller Höhe erhalten sind, wurde die Säulen-
höhe mit 4,38 m aus Proportionsvergleichen mit einer vollständig wiederhergestellten
Obergeschoßsäule gewonnen. Eine Zuordnung der Säulen zu den Basen ist mittels der
Dübellöcher nicht möglich, da sie alle im Zentrum der Trommeln eingearbeitet sind. Die
Säulenfragmente differieren jedoch in ihrem unteren Durchmesser um 2,4 cm; auch die
unteren Durchmesser der Kapitelle weichen um 2,8 cm voneinander ab. Das Kapitell HT
10 mit dem größeren unteren Durchmesser gehört wegen seines Fundortes in Achse IV,
eine Außenachse. Folglich muß die dickere Säule HT 5 wohl gleichfalls einer Außenachse
zugewiesen werden18.
Drei der vier Untergeschoßkapitelle sind vorhanden (s. o. III B). Sie weisen in ihrem
oberen Auflager (Plan 7, Taf. 15—17) neben Hebelöchern Dübellöcher, Stemmlöcher und
Rißlinien für den Versatz eines in der Tiefe zweigeteilten Architravs auf. Daraus ergibt
sich, daß der durch die ganze Bautiefe durchbindende Kämpfer des Bogenanfänger-

Taf. 58, Abb. 138

Taf. 59,
Abb. 141. 142;
Taf. 59, Abb. 143

Plan 3,
Taf. 7. 9-11

Plan 7,
Taf. 15-17

Zur Frage einer Scheinperspektive vgl. o. Anm. 2.
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