Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

Page: 118
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118 Kunstgeschichtliche Bestimmung und Einordnung der Architekturornamentik

kam es in Ephesos beispielsweise am Mausoleum von Belevi, am Memmiusbau und später
am Bassus-Nymphäum und im Theatergymnasium vor.
Das Schema des Frieses aus Lotusblüten und Palmetten, die am Fuß durch Ranken
miteinander verbunden sind, läßt sich ebenfalls über augusteische Bauten aus dem Helle-
nismus herleiten. Ein ephesisches Beispiel hierfür ist das Mausoleum in Belevi248. Auch
dort wechseln Lotusblüten und geschlossene Palmetten ab. Die Basis des Ornamentes bil-
den S-Voluten mit großen scheibenförmigen Augen. Beim Zusammenstoß der Voluten
sind lanzettförmige Blätter angeordnet, die sich bei den Palmetten nach oben verbreitern,
und hinter denen die siebenteilige geschlossene Palmette hervorkommt. Die fünfteiligen
Lotusblüten wachsen aus einem Akanthuskelch hervor.
Auch am Monument für Augustus und seine Enkel249 kommen verwandte Formen in
sehr qualitätvoller Ausführung vor. Das Abschlußkyma ist mit einem Anthemienband
verziert. Lotusblüten, die offenen Palmetten ähneln, wechseln mit geschlossenen Palmet-
ten. Die Blüten haben Akanthuskelche, aus denen Ranken entsprießen, deren Voluten
die Palmetten tragen. Die Ornamente sind dort sehr dicht angeordnet.
Beim Mazaeus-Mithridatestor sind mehrfach Anthemienbänder verwendet. Beson-
ders hinzuweisen ist auf die Anthemienreihe am Deckprofil der Attika250. Sie ist bereits in
dem gleichen Schema wie der Fries des Torbaues ausgeführt, nur wechseln dort die
Lotusblüten mit offenen und geschlossenen Palmetten ab, die Reihe ist also dreiteilig.
Abb. 174 Mehrere Blöcke, die beim Memmiusbau (Abb. 174 ) 251 liegen, haben einen nahe ver-
wandten Fries. Er ist zusammen mit einem Dreifaszienarchitrav gearbeitet, der einen
breit angelegten Eierstab als Kopfprofil trägt. Der Fries setzt sich alternierend aus offe-
nen und geschlossenen Palmetten zusammen. Diese wachsen aus spitzen Deckblättern
hervor, seitlich rollt sich eine grobe Volute ein. Auch an diesem Fries sind die Blätter und
Ranken nur summarisch angegeben und nicht plastisch durchgearbeitet. Es liegt daher
die Vermutung nahe, daß dieser Fries ebenfalls in größerer Höhe verbaut war252.
Ein Vergleichsbeispiel aus flavischer Zeit ist ein Lotus-Palmettenfries, der beim Bas-
Abb. 175 sus-Nymphaeum (Abb. 175) liegt und nach seiner Ornamentik und Größe auch von die-
sem Brunnen stammen dürfte253. Der Fries hat gleichfalls ein S-Profil. Offene und
geschlossene Palmetten, die aus einem Dreieck hervorwachsen, wechseln, Lotusblüten
fehlen. Ebenso fehlen die verbindenden Ranken. Das geringe plastische Volumen der Pal-
metten entspricht ziemlich genau dem des Torbaues.
Ähnlichkeit hat auch das Anthemienband der Sima des Konsolengesimses des Domi-
tiansbrunnens254. Dort wechseln Lotusblüten mit geschlossenen Palmetten. Sie sind
durch S-Voluten miteinander verbunden.
An der Celsusbibliothek treten Anthemienbänder gleichen Schemas als Dekoration
Abb. 162 der Hohlkehle des Profils der Architravbekrönung (Abb. 162) auf. Die sehr schmalen

248 S. FiE VI Abb. 24. 26 b.
249 S. Alzinger, Aug.Architektur 20f. 115 Abb. 10 u. 165.
250 Alzinger, a. 0. 117 Abb. 167. 168; zum Bau s. o. 1. Kap. Anm. 24.
251 Zum Bau s. Alzinger-Bammer, FiE VII.
252 Strocka hat schon vor Jahren vermutet, daß dieser Fries zu einem Obergeschoß des Memmiusbaues
gehört. Outsci-iar stellte bei der Aufnahme von Kassettenplatten, die ebenfalls dem Memmiusbau zuzuordnen
sind, fest, daß sich aus den Bauteilen ein Obergeschoß rekonstruieren läßt. Die Ergebnisse werden in Kürze
vorliegen; für die Hinweise sei an dieser Stelle gedankt.
253 Da außerdem ein Rankenfries und ein Pfeifenfries vorhanden sind, erfordert dieser dritte Fries ein
drittes Geschoß; vgl. Fossel-Langmann, ÖJh 50, 1972—75, 310.
254 Abgebildet bei Bammer, ÖJh 52, 1978—80, Beibl. Abb. 4. 5.
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