Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

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Reparaturen und spätantike Veränderungen

Zerstörungen verursacht hatte. So wurden die Wohneinheiten 6 und 7 des Hanghauses II
Plan i, Nr. 45 (Plan 1, Nr. 45) zerstört, die südlich an die Grabbauten des Embolos anschließen; weiters
dürften bei dieser Gelegenheit der Lesesaal der Celsusbibliothek und das südlich der
Bibliothek gelegene Peristylhaus eingestürzt sein6. Auch der Hadrianstempel, der im 4.
Jh. restauriert und mit seinem Fries7 ausgestattet wurde, könnte dem Beben des Jahres
262 zum Opfer gefallen sein. Es ist deshalb zu vermuten, daß auch das fragile Hadrianstor
das Schicksal der benachbarten Bauten teilte und durch dieses Erdbeben zerstört wurde.
Für den Zeitpunkt des Wiederaufbaus gibt es aus den Bauteilen nur geringe Hin-
weise. Als Parallelen für die spätantiken Ersatzstücke wurden Bauteile der justiniani-
schen Johannesbasilika genannt. Ähnlich vereinfachte Formen kommen aber auch schon
früher vor. Wie aus dem am benachbarten ,Oktogon4 inschriftlich publizierten, auf 370/1
n. Chr. datierten Brief der Kaiser Valentian, Valens und Gratian an Eutropius8 hervor-
geht, hat die Stadt zu diesem Zeitpunkt eine weitgehende Restaurierung erlebt; bei dieser
Gelegenheit könnte auch das Hadrianstor wieder instandgesetzt worden sein.

Plan 2. 3. 13,
Taf. 7. 9-11,
Abb. 6. 7. 10. 11.
15. 21

III Die Brunnenbecken in den seitlichen Durchgängen (Plan 2.3. 13, Taf. 7. 9—11, Abb.
6. 7. 10. 11. 15. 21). In der Baubeschreibung (o. S. 32ff.) wurde bereits ausführlich darge-
legt, daß die seitlichen Interkolumnien in der Spätantike mit Schrankenplatten ver-
schlossen und so in Brunnenbecken umgewandelt worden waren.

A Veränderungen an den Stylobaten und Postamenten. Im westlichen Durchgang
wurden zwischen den Postamenten HT 1 und HT 2 an der Südseite Schrankenpfeiler mit
Abb. 7 einer Grundfläche von 18x18 cm aufgestellt (vgl. Abb. 7). Um einen fugenlosen Anschluß
der Pfeiler an die Postamentschäfte herzustellen, wurden die vorspringenden Teile der
Abb. 21 Fuß- und Kopfprofile in einem 18 cm breiten Streifen entfernt (Abb. 21). Aufschnürungen
zeigen, daß zwischen diesen Pfeilern eine 15 cm dicke Platte verbaut war, die seitlich mit
einem Falz an die Pfeiler anschloß. Pfeiler und Platte waren mit den Stylobatblöcken ver-
dübelt. In einer vermutlich späteren Bauphase wurde südlich der Schrankenplatte eine
zweite, jedoch nur 5—6 cm starke Platte versetzt und mit drei Flachdübeln im Stylobat ver-
ankert. Für die Nordwand wurde im Stylobat eine 5 cm breite und 3 cm tiefe Nut einge-
Abb. 7 meißelt (Abb. 7); sie setzt sich als Ausnehmung im Fuß- und Kopfprofil des Postamentes
Abb. 21 HT 1 fort (Abb. 21). Ein Abdruck einer ca. 5 cm breiten Schrankenplatte zeichnet sich im
Norden der Westseite an Sockel HT 2 ab.
Die Aufschnürungen und Abdrücke der Beckenwände weisen Reste einer Mörtel-
abdichtung auf. An der Nordseite der Stylobatblöcke sind vier kleine Rinnen mit Gefälle
nach außen eingetieft. Die westlichste dicht neben Sockel HT 1 beginnt im Beckeninne-
ren, sie diente als Abfluß. Der Sinn der übrigen drei Rinnen bleibt unklar.
Das Wasser floß durch Bleirohre in das Becken. Für deren Verlegung wurde die
Taf. 7 Plinthe und der obere Basistorus an der Südseite von HT 1 grob abgeschlagen (Taf. 7,
Abb. 19. 21 Abb. 19. 21). In den Bruchflächen sind Löcher für die Klammern eingelassen, mit denen
die Rohre im Postament verankert waren. Südlich des Sockels HT 1 liegt unter dem Mar-
Pian 2 morpflaster der Straße ein Tonwasserrohr (s. Plan 2), welches das Bleirohr gespeist
haben dürfte. Eine weitere Wasserzufuhr ist am Postament HT 2 zu erkennen. Seine
Taf. 9 Nordseite weist an der Basis rohe Abarbeitungen mit Klammerlöchern auf (Taf. 9), die

6 S. Karwiese, a. 0. 126ff.; zur Celsusbibliothek s. Strocka, Gymnasium 88, 1981, 328f; Strocka-
Hueber, AW 6, 1975, H. 4, 7.
7 S. o. 1. Kap. Anm. 22.
8 H. Wankel, IvE I a Nr. 42 mit ausführlicher weiterer Lit.
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