Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 13.1905(1906)

Page: 69
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wurden. Merkwürdig ist der Umstand, daß nur zwei ans Tageslicht
kamen, doch können weitere Säulen schon bald nach Zerstörung
der Villa weggeschafft worden sein. Ihrer Lage nach standen sie
entweder auf der südlichen Kellermauer oder, nachdem sie von ihrem
Postament herabstürzend sich überschlagen hatten, auf der nördlichen.
Dazu würde die Angabe Miller’s stimmen, der in der oben ange-
führten Beschreibung den Säulen ihren Standort auf der Nordwand
des Kellers dem Hofe zu, anweist.
Ueberhaupt ist die Aehnlichkeit, dieser Altshauser Villa mit der
unsrigen auffallend. Hier wie dort ist der Kellerraum von zwei Vor-
bauten flankiert, vom Hofe her führt der Eingang in denselben, gegen
Süden haben wir die Lichtschächte und an der Ostseite des Kellers
jene merkwürdigen Nischen. Bei ihrer geringen Höhe und Tiefe
können sie kaum zu Aufbewahrungszwecken gedient haben. Hier
wie dort- liegt die Annahme nahe, daß wir in diesem großen, sicher
vielbenützten Raum die aedicula Larum oder lararia haben, wo
die Hausgötter in kleinen Statuetten verehrt wurden. Beispiele
solcher Larennischen bietet Pompei mannigfach1. Und auch die
Lage unserer Nischen scheint auf sakrale Zwecke hinzuweisen: man
stellte die Götterbilder in der Regel an der Ostwand des Raumes
auf. Vitr. IV. 4,5: „signumque . . . spectet ad vespertinam caeli
regionem, uti qui adierint . . ., spectent ad partem caeli orientis ad
simulacrum . . . etc.“
Oberhalb dieses Kellers befand sich natürlich der Hauptraum,
das Atrium. Die Einfahrt in den Hof mußte, was auch aus der
ganzen Anlage hervorgeht, von Westen her erfolgen in der Richtung
des von Betzingen herkommenden Wegs. Die Gesamtmaße beider
Villen stimmen so ziemlich überein, hier 28 X 35,5 m, dort 27 X 37,5 m.
Ueber Zweck und Bedeutung dieser Bauten hat sich Millek
ebendort geäußert. Zum Teil mögen sie mit den Zweck von Post-
stationen erfüllt haben (man denke die Lage unserer Villa an der
Gabelung einer alten Verkehrsstraße). Sicher aber ist, daß unsere
Anlage mit aller Deutlichkeit die Bestimmung eines Bauernhofs zeigt:
Die im Vergleich zu den großen Hof- und Stallanbauten beschränkten
Wohnräume, die Mauerfortsätze für Speicher und Schober, alles das
weist auf rein landwirtschaftliche Zwecke hin. Der Kellerraum
speziell spielte eine große Rolle als Aufenthaltsort, die sorgfältige
Vermauerung und der dicke Mörtelbelag sorgten für eine stets gleich-
mäßige Temperatur, und wrenn hier die Lares über das Wohl und
Wehe des Hauses wachten, so diente dieser Raum zweifellos dem
Villicus und seiner Familia zu einem der meist benützten Wohnräume.
Nachtrag über ilie Keramik.
Soweit ich, bei der Ausgrabung selbst nicht beteiligt, das
Scherbenmaterial gesehen habe, wiegt die grobe hellgelbe, hellrote

1 Mau, Pompei S. 251 ff.: vergl. die Abh. S. 252, die eine ganz ähnliche
Nische in der Casa di Apolline zeigt.
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