Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 17.1909

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Die römische Station auf dem Brandsteig (Schänzle) bei Rötenberg
OA. Oberndorf.
Von Professor Nägele-Tübingen.
(Mit 5 Abbildungen und i Karte.)
1. Die Grabungen von 1895 und 1899.
Allgemeines. Auf Veranlassung der Reichslimeskommission
wurde ich als damals mit der Untersuchung der Römerstraßen im Schwarz-
waldkreis beschäftigter Streckenkommissär von der Sammlung vaterlän-
discher Altertümer mit Grabungen auf dem Brandsteig, Gemeinde Röten-
berg, beauftragt.
Die Grabungen in der Zeit vom io.—12. und 17. Oktober 1895 be-
schränkten sich auf das außerhalb des Gemeindewaldes Parz. 1232 gelegene
freie Gelände: auf die 2 dem Brandsteigbauern Christian Schuler gehörigen
Ackerparz. 1181 und 1182 östlich des Feldwegs No. 33 und auf die eben
demselben gehörige Wiese Parz. 1183 westlich dieses Feldwegs. Was dabei
an Grundmauern festgestellt wurde, zeigt der größere Plan Abb. 6: die
Mauer a, b, c, d, e, f, den apsidenartigen Ausbau D und die Reste eines Grund-
gemäuers A. Außerdem war es keine sonderliche Mühe, im Gemeindewald
das Grundgemäuer des Gebäudes C festzustellen. Die geringe Mächtigkeit
der Ummauerung a, b, c, deren Dicke nur 70 cm beträgt, und das Fehlen
jeder Spur eines vorliegenden Grabens, auch von Toren oder Türmen zeigte
sofort, daß man es auf dem Schänzle nicht mit einer militärischen Befesti-
gung, etwa einem Kastell, zu tun habe, weswegen nach diesen Feststel-
lungen ein Weitergraben nicht unbedingt nötig erschien. Nun hatte sich
aber bei der Arbeit selbst und bei der Nachforschung nach den Berichten
früherer Grabungen ein umfangreiches Material ergeben, wozu sogar schein-
bar genaue Grundrisse vorlagen, so daß schon zur Herstellung eines rich-
tigen Planes noch eine Untersuchung der SW-Ecke und der Umgebung
des Brunnens, von dem sich die Deute heute noch Märchen erzählen, nötig
wurde. Diese Arbeiten wurden, wieder im Auftrag des Landeskonservato-
riums, am 16.—21. August und 5. September 1899 ausgeführt. Von Ge-
bäude B wurde noch festgestellt, was festzustellen war; der Brunnen E,
der in einem Sumpfe lag, wurde untersucht, ausgepumpt und gesäubert
und mit den alten Steinen neu gefaßt und mit neuen überdeckt. Vom
Gebäude C hielt sich auch diesmal die Forschung völlig fern, kam es doch
mehr auf den Grundriß der ganzen Niederlassung als auf eine Erschöpfung
des archäologischen Bestandes an. Überhaupt läßt sich für die im Ge-
meindewalde gelegenen Teile die Forschung jederzeit ergänzen, während
es nicht ganz leicht ist, in dem Privatbesitze, zumal in den Wiesen, die
Erlaubnis zum Graben zu erhalten.
Schon bei der ersten Grabung war der militärische Dirigent der Limes-
kommission, Generalleutnant v. Sarwey, zugegen gewesen. Zwischen den
beiden Grabungen war ich mit diesem und dem archäologischen Dirigenten
der Limeskommission, Prof. Dr. Hettner von Trier und Dr. Schumacher
von Karlsruhe, wieder an Ort und Stelle. HETTNER erklärte das Gebäude A
nach den Grundmauern für einen Tempel. Das Gebäude B kannte er nur
nach dem Grundriß der Grabungen von Alberti 1841 und 1842, den ich
damals kurz vorher erhalten hatte, und HETTNER sah darin einen 2. Tempel1.
Dieser Grundriß mußte aber genau geprüft und jene Annahme nach den
Ergebnissen von 1899 wieder aufgegeben werden.
Noch ist hervorzuheben, daß auch westlich der Grenze, 50 m ent-
fernt von der Ecke d, im Boden römische Mauerreste stecken. Sonst aber
1 Er hatte damals die Festschrift in Arbeit „Drei Tempelbezirke im
Triererlande“ (Trier, Lintz 1910), von denen jeder 2—3 Tempel umfaßt.
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