Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 17.1909

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Museum in Stuttgart — ist beschrieben C. I. L. XIII, S. 75. Ich gebe
zum Vergleich eine Abbildung dieses Stempels Taf. IV Fig. 6.
Die Cannstatter Fundstücke, Taf. III Fig. 1, 2, 3, 4, habe ich
dem Museum Stuttgart überwiesen.
Dürrmenz und Marbach. Zwei neugefundene römische Skulpturen.
Von F. ÜAUG-Stuttgart.
Im Laufe des Jahres 1909 wurden zwei römische Bildwerke ent-
deckt , welche für das Lapidarium erworben worden sind und eine
besondere Besprechung verdienen.
1. Auf dem Friedhof der alten St. Peterskirche bei Dürr-
menz ist im Juni von dem Totengräber das Fragment eines römischen
Reliefs aus Keupersandstein zutage gefördert worden. Dasselbe
war, wie wir es vielfach finden, zur Auskleidung eines germanischen
Grabs etwa im 5. Jahrhundert n. Chr. verwendet worden. Solche
..Plattengräber“ sind ja schon früher an der gleichen Stelle entdeckt
worden (Fundb. XIII, 14. XVI, 97). —-Oben, rechts und links, sowie hinten
verstümmelt, noch ca. 70 cm hoch, 60 cm breit und bis zu 23 cm dick,
zeigt das neugefundene Bruchstück (Lapid. No. 393) auf der Vorder-
seite einen Teil eines mit 2 Pferden bespannten Wagens. Er-
halten sind nur die Hinterbeine der nach rechts schreitenden Pferde,
das vordere Stück eines Rades und der hintere Teil der Deichsel. Diese
Stücke, in etwa 2A der natürlichen Größe dargestellt, genügen jedoch,
um zu erkennen, daß es sich um ein ansehnliches Grabdenkmal handelt.
Auf den Denkmälern dieser Art sind ja die Abbildungen eines von
Pferden gezogenen Wagens häufig; vergl. u. a. Bonner Jahrb. 108/9,
S. 68 ff. Sie sind ohne Zweifel Darstellungen der Reise vom Diesseits
ins Jenseits, ■ die auch unter dem Bild einer Schiffahrt veranschaulicht
oder (wie Haug-Sixt, No. 474) durch Geschöpfe des Meeres symboli-
siert wird. Aus Württemberg ist dies übrigens das erste Beispiel einer
solchen Wagenfahrt; denn das Relief von Beihingen (Haug-Sixt,
No. 320) ist wohl anders zu erklären. Zu einem Sarkophag kann das
neue Relief nicht gehört haben, sonst müßte die Hinterseite gleich-
mäßig zugehauen sein. Unverständlich ist uns vorerst das Stück
eines menschlichen Armes oder Fußes, welches sich von links her an
das rechte Hinterbein des Pferdes heranstreckt. Auffallen muß dabei
besonders, daß es ein linker Arm oder Fuß ist, während man einen
rechten erwarten sollte.
2. Das andere Denkmal, glücklicherweise fast vollständig erhalten,
ist die Statuette einer Minerva (s. Abb. 5). Der Stein war zu
Marbach in dem Haus No. 235 (untere Holdergasse) eingemauert und
wurde im November von Prof. v. Häberlin entdeckt, dann vom Kon-
servator aus der Mauer genommen und erworben (Lapid. No. 400).
Material Keupersandstein. Höhe noch 69 (ursprünglich ca. 70) cm,
Breite der Basis 26,5, Tiefe 15 cm. Die ganz von vorn dargestellte
Göttin trägt ein vom Hals bis zu den beschuhten Füßen herabfallendes,
mit Ärmeln versehenes Untergewand und ein etwas kürzeres, dünnes
Obergewand, das nur auf der rechten Schulter geheftet ist, die rechte
Körperseite und die Brust fast freiläßt und beinahe faltenlos sich an
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