Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — N.F. 3.1938

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A. WEIXLGÄRTNER / EIN SPÄTER GLOSSATOR DES VASARI

Dem am 1. Dezember 193S dahingegangenen Freunde
Julius v. Schlosser sei diese Skid ie, an der er viel-
leicht einigen Anleil genommen hülle, als ein wenn auch
dürfliges Siräußlein auf das frische Grab gelegt.

Um die vergangene Jahrhundertwende erstand ich von dem Leipziger Antiquar Karl W.
Hiersemann eine Bologneser Ausgabe der Vite des Vasari vom Jahre 1647. Die drei Bände des
offenbar in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Pergamentrücken und sogenanntem
Kamm-Marmor-Papier neugebundenen Exemplars sind recht gut erhalten und zeichnen sich
aus durch handschriftliche Bandbemerkungen und durch Handzeichnungen, diese wie jene mit
heute sepia- oder bisterbraun gewordener Tinte ausgeführt.

I. Beproduzierende Kupferstiche und Holzschnitte
(Ein Kapitel zum Nachschlagen, nicht zum Lesen)

Der Inhalt der großen Masse der „Postillen" sind Hinweise auf die von Stechern oder Holz-
schneidern hergestellten Blätter, die im Text genannte Kunstwerke wiedergeben.

So werden angeführt graphische Arbeiten (hier alphabetisch nach Stechern geordnet): von
Agostino Veneziano eine „sehr schöne Anatomie" nach Bosso Fiorentino (II, 214); von
Cherubino Alb er t i nach Polidoro da Caravaggio (II, 204); von Andrea Andreani nach
Polidoro da Caravaggio (II, 205) ein Holzschnitt in vier Farben nach Francesco1 Salviatis
"Psiche" (III, 83), nach Tizians „Trionfo della Fede" (III, 221),2 Holzschnitte in vier Farben
nach Giovanni da Bologna (2 Stücke der Passion, B. XII, 41 f., 19, und der Baub der Sabinerin-
nen, B. XII, 94 f., 4; III, 286); von Giulio Bonasone nach Andrea del Sartos „Madonna
del saeco" (II, 170), nach Baffaels „Hl. Cäcilie" (B. XV, 130 f., 74; III, 31), nach Michelangelos
»Jüngstem Gericht" (B. XV, 132 f., 80; III, 164), nach Tizians „Papst Paul III. (Farnese)";3
von Bonauera4 Anatomien nach Tizian (III, 231); von Domenico Campagnola5 nach
Tizians „Zinsgroschen" (Tietze, S. 68; III, 222), von demselben nach Tizians „Schäfer und
Schäferin in einer Landschaft" (B. XIII, 383 f., 9; III, 223), ein Holzschnitt nach Domenico
Campagnolas Zeichnung nach Tizians kleiner Landschaft „Bäume an einem Flußufer" (B. XIII,
386 f., 5; JJJ, 223); von Agostino Carracci nach Baldassare Peruzzis „Anbetung der
Könige" (B. XVIII, 42 f., 11; IL 146),6 nach Tintorettos „Großer Kreuzigung" in der Scuola
di S. Bocco (B. XVIII, 51 f., 23; III, 48), nach Tintorettos7 „Hl. Hieronymus" (B. XVIII, 77,

1 So Vasari; Bartsch, XII, 125, 26: Giuseppe Salviati.

2 Andreani hat den Zyklus nur wieder neu herausgegeben. Die jedenfalls vor 1517 entstandenen Holzschnitte
s'"d lange vor Andreanis Geburt gemacht worden. Vgl. Paul K r i s t e 11 c r, Kupferstich und Holzschnitt in vier
Jahrhunderten, Berlin 1905, S. 289.— Hans Tietze und E. Ti e t z e - Co n r a t, Tizian-Graphik. Ein Beitrag
zw Geschichte von Tizians Erfindungen. Die graphischen Künste, N. F., II, 1938, S. 8 ff. und S. 52 ff., das
Verzeichnis der graphischen Blätter nach Tizian, S. 68 ff., im folgenden zitiert mit T. und der Seitenzahl. —
dm Triumphzug Christi S. 70

3 Vasari nennt den Papst fälschlich Paul II. Weder Bartsch noch Passavant bekannt. Auch H. W. Singer,
Allgemeiner Bildniskatalog, Bd. IX (1933), Nr. 23200, kennt den Stich nicht.

4 Wahrscheinlich Francesco Bonaveri, der 1634 eine hl. Familie nach Vasari radiert hat.

5 Von Martino Rota nach einer Zeichnung Domenico Campagnolas?

6 Der Glossator nennt diesen Stich den ersten Agostinos. Bartsch zitiert bei diesem Blatt Malvasia, nach dem
Agostino es mit 21 Jahren gestochen habe.

7 Vasari schreibt das Bild Tizian zu, der Glossator ebenso wie Bartsch richtig Tintoretto.

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