Gombert, Hermann
Der Freiburger Münsterschatz — Freiburg [u.a.], 1965

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nischen Apsis in der Chorkapelle an der Wand befestigt. Die einzige Erklärung für seine Nicht-
erwähnung in den Inventaren ist die, daß es immer zum festen Bestand der Inneneinrichtung
des Münsters gehörte, wie die Altäre und die übrigen Heiligenfiguren. Sicher ist jedenfalls, daß
das Kreuz keine Stiftung des Herrn Böcklin von Böcklinsau ist, dessen Namen es heute trägt.

BEHÄNGE UND PARAMENTE

Von gleicher Hand, die den ersten Teil des Inventars von 1483 niederschrieb, stammen auch die
Eintragungen der „Tücher zu der gezird“75. Sie beginnen mit „ein ganz gulde tuch“, das an
den Kartagen das Heilige Grab im Frauenchörle schmückte. Das Heilige Grab, eines der ältesten,
gut erhaltenen Beispiele dieses um 1300 aufgekommenen Bildtypus, wurde um 1330 von einem
hervorragenden Meister der Freiburger Bauhütte geschaffen. In dieser Darstellung werden
gleich zwei Gedanken sinnbildlich ausgedrückt: der Erlösungstod Christi und seine Auferste-
hung. Hinter einer gotischen Architektur liegt auf einem Sarkophag die Gestalt des toten
Heilandes. Zwischen zwei Engeln zu Haupt und Füßen Christi stehen die drei Marien, die am
Ostermorgen zum Grabe kamen. Das Relief mit fünf schlafenden Wächtern ist in der Vorder-
wand der Tumba eingelassen76. Eine kreisförmige Vertiefung in der Brust des He'ilandes nahm
am Gründonnerstag das Allerheiligste auf, das in einem „silbre fcßli“ vom Münsterpfarrer dort
hineingegeben wurde. Anschließend bedeckte man entweder den liegenden Leichnam des
Herrn mit dem goldenen Tuch oder verhängte die ganze Architektur. Diese Sitte, das Aller-
heiligste am Gründonnerstag in der Figur des Heilandes zu versenken, stammt aus der Zeit
der Mystik, in der das Freiburger Grab entstanden ist. Während des Jahres wurde das „silbre
feßli . . . daz man alles braucht zum heligen grab uf den stillen freitag“, in der Schatzkammer
aufbewahrt77. Außer einem Ballen goldenen Tuches, später zu Levitenröcken verarbeitet,
werden sieben „heydniß werck thucher“, d. h. gewirkte Behänge genannt, die vom Adel
gestiftet waren. Über ihr Aussehen wird nichts gesagt, nur daß sie ihre Wappen zeigten. Als
Stifter werden genannt der Ritter Bernhart Schnebly, der einen Behang mit neun Bildern
schenkte, ein Herr von Digisheim, der Ritter Adam Loep und die Herren von Tuslingen. Drei
weitere Wirkteppiche dienten zur „dein gezird“, waren also nicht für den Schmuck des Fron-
altars an den hohen Festtagen vorgesehen. Auch lagen in der Kammer der Custorie u. a. „ein
rote sergen, hat Falckenstein und Munczingen zu schulten“, und „drei grosse tücher zur zird
im kor zu beiden siten“, d. h. an den Feiertagen hingen sie an den Chorwänden zu seiten des
Hochaltars. Zu diesem alten Bestand des 15. kamen zu Anfang des 16. Jahrhunderts mehrere
gewirkte Bildteppiche hinzu. So schenkte Herr Iryss 1513 zum Andenken an seine verstorbene

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