Gombert, Hermann
Der Freiburger Münsterschatz — Freiburg [u.a.], 1965

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Sie waren zumeist aus geschliffenen Halbedelsteinen hergestellt, aus Granaten, Almandinen,
Korallen, Amethysten, Karneolen und Bergkristallen. Jeweils 10 kleine Perlen aus Steinen, die
zur Zählung des „Ave“ dienen, werden von einer großen silbernen Paternosterkugel unter-
brochen. Kreuze aus Silber, z. T. vergoldet, Heiligenzeichen wie Medaillen, kleinere Reliquiare
und auch goldene Münzen hingen daran. Manche Kreuze waren mit Edelsteinen besetzt oder
bestanden aus silbergefaßten Achaten und Kristallen. An fast allen war ein sogenannter „Bisam-
apfel“ aufgereiht, eine durchbrochene Silberkugel, die entweder stark duftende Kräuter oder
einen Bausch mit wohlriechenden Essenzen umschloß. Heute kennt man den Rosenkranz mit
fünf Gesätzen. Die damals im Münster verzeichneten sind unterschiedlich in ihrer Größe. Sie rei-
chen von 5 bis zu 25 Gesätzen. Es war Sitte, den Rosenkranz als Schmuck um den Hals zu tragen,
woher auch die Bezeichnung „Halsnuster“ rührt90. Heute weist die Schatzkammer nur noch
kümmerliche Reste dieser einstigen Pracht auf.

DAS SCHICKSAL DES MÜNSTERSCHATZES 1632-1648

Seine schwerste Einbuße erlitt der Münsterschatz im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges.
Von 1632 bis 1648 hatte die Stadt nach fünf Belagerungen und ständiger Besetzung eine Zeit
des größten Elends und der Bedrängnis bald durch schwedisch-französische, bald durch öster-
reichisch-bayerische Truppen durchzustehen. Hohe Kriegskontributionen, die nach jeder Er-
oberung zu zahlen waren, dauernde Einquartierung und die Beschlagnahme des zum Leben
Notwendigsten, unaufhörliche Plünderungen und rücksichtslose Gewaltmaßnahmen brachten
die Städter in grenzenlose Verarmung und Not. Von ihr blieb auch das Münster nicht verschont.
Die Zinspflichtigen zahlten keine Schulden; größere Stiftungen entfielen. Zudem sah sich die
Stadt mehrfach gezwungen, das Kapital der Münsterfabrik anzugreifen, ja sogar Kultgeräte,
Kleinodien und Edelsteine aus der Schatzkammer zu veräußern, um die fälligen Kriegssteuern
aufzubringen. Es war damals Sitte, daß der Feind zur Sicherung der auferlegten Kontributionen
sämtliche in der Stadt vorhandenen Glocken beschlagnahmte, die dann vom Besiegten auszu-
lösen waren. Diese „Glockengelder“ wurden in allen Kriegen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
von den Siegern erhoben. Der Stadt oblag die Einziehung der Pfandsumme. Da das Münster
immer sieben Glocken besaß, hatte es einen beträchtlichen Anteil an den Kriegskosten zu leisten.
Die Not war so groß, daß selbst der Gottesdienst im Münster eingeschränkt werden mußte,
da für den Unterhalt der Geistlichen keine Mittel aufzutreiben waren91.

Erschütternd sind die Berichte der damaligen Münsterschaffner, des Adam Gering (1623-1643)
und seines Nachfolgers Johann Theobald Bley, die mit bewundernswerter Tatkraft und großer

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