Gombert, Hermann
Der Freiburger Münsterschatz — Freiburg [u.a.], 1965

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DER BAROCKE MÜNSTERSCHATZ

Die schweren Wunden, die der Dreißigjährige Krieg der Stadt geschlagen hatte, konnten nur
langsam heilen. Mehrfach wechselnde Besatzung, Freund oder Feind, hatte gleichermaßen fürch-
terlich gehaust und vieles mutwillig zerstört. Wenige, die den Krieg überstanden, und jene, die
sich nun neu ansiedelten, brauchten Jahre, um den Schaden zu beheben. Noch am 17. Juni 1655
berichteten die Münsterpfleger den Landständen, daß „die ruin des ansehnlichen gebäus bei
unser lieben frauen münster immer mehr zunimbt“106. Um so erstaunlicher ist die Feier des
Festes der Stadtpatrone 1651. Sie zeugt von dem gesunden Lebenswillen der Bürger. Zweiund-
zwanzig Jahre später muß das Stadtleben wieder einigermaßen geordnet und ein gewisser Wohl-
stand eingekehrt sein. In der Fronleichnamsprozession 1673 wurde ein neues großes Silberbild
der Muttergottes mitgeführt — eine Stiftung der Corpus-Christi-Bruderschaft —, das der Frei-
burger Goldschmied Hans Jakob Rotpietz aus Silber getrieben hatte (Nr. 33). Die Bürger spen-
deten zur Anfertigung altes Silbergeschirr und Geld.

Vier Jahre darauf standen wiederum die Franzosen unter dem Befehl des Marschalls Crequi vor
Freiburg, das sie nach heftiger Belagerung einnahmen. Damals ließ Ludwig XIV. durch seinen
Festungsbaumeister Vauban die Vorstädte niederreißen und eine gewaltige Befestigungsanlage
um den inneren Stadtkern legen. Nach dem Abzug der Franzosen begann die Stadt sich wieder
zu regen. Im Münster wurden mehrere Barockaltäre aufgestellt und vor allem von dem Augs-
burger Goldschmied Johannes Zeckel eine große silbergetriebene und vergoldete Monstranz im
Jahre 1700 durch die Münsterpfleger angekauft, die bald darauf mit dem kostbarsten Schmuck
als Votivgabe behängt war (Nr. 34).

Vermutlich auf Anregung des eifrigen Münsterpflegers Johann Christoph Rieher, der ein be-
geisterter Liebhaber der Kunst seiner Zeit war, beauftragten die Pfleger 1710 den Goldschmied
Johannes Zeckel, ein silbergetriebenes Standbild des hl. Joseph zu fertigen. Die Idee, der der
Augsburger Meister vollendete Gestalt gab, stammt von den Freiburgern, die den Heiligen als
Beschützer der Stadt versinnbildlichen wollten. Die verhaltene Bewegtheit der schönen Barock-
figur gipfelt im gütigen Ausdruck des Gesichtes, das sich dem Bittenden zuneigt. Seine Linke
hält schützend einen von einem Adler gekrönten Schild, der in seinem Mittelfeld eine große
ovale Ansicht der Stadt Freiburg in Schmelzarbeit zeigt (Nr. 35).

Gemäß der Vorliebe der Barockzeit für eine prunkvolle, festliche Gestaltung des Gottesdienstes
wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts viel Silbergeschirr, silbergetriebenes Altargerät, Kruzifixe,
Leuchter, Kelche, Meßkännchengarnituren und dgl. mehr durch die Prokuratoren, so nannte
man jetzt den Schaffner oder Schreiber auf der Hütten, angekauft oder von Freiburgern gestiftet.
Das Bild „Unsrer Lieben Frau“ bekleidete man mit prachtvollen Gewändern - eine reiche
Garderobe war im Laufe der Jahre zustande gekommen. Dazu gehörten mehrere Kronen (Nr. 39)

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