Gombert, Hermann
Der Freiburger Münsterschatz — Freiburg [u.a.], 1965

Seite: 54
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hin. Der Inhalt besteht aus zwei kleinen barocken Silber-
ampeln und einigen porösen Steinen. Nach dem Bericht
des Kapuzinerpaters Raphael Schächtelin, der 1650 die
Reliquien des hl. Alexander von Rom nach Freiburg
brachte, sollen die Ampeln im Grab des Heiligen in der
Priscillakatakombe gefunden sein. Noch im 17. Jahr-
hundert schrieb man dem Öl, das in den Ampeln vor
den Reliquienschreinen brannte, die gleiche wundersame
Wirkung zu wie der Berührung der Reliquie2.

Die vertieften Flächen des kleinen hölzernen Schreins
waren ursprünglich mit durchbrochenen Reliefs ge-
füllt, die, aus einem Stück für sich geschnitzt und mit
einem schmalen Rahmen versehen, vor dem Gold des
Hintergrundes standen. Nur auf der Rückseite ist der
alte Zustand noch vorhanden. Zwei Medaillons, von
Rankenwerk begleitet, umgeben die Symbole der
Evangelisten Matthäus und Lukas. Auch sie waren ver-
goldet. Die beiden anderen Evangelisten fehlen auf der
Vorderseite. Der aufklappbare dachförmige Deckel
zeigt in seinen Giebelfeldern geschnitztes Rankenwerk.
Die vorstehenden Kanten des Kästchens sind rot gefaßt.
Diese Bemalung stammt aus dem 17. Jahrhundert, als
das gotische Schreinchen eine neue Verwendung fand.

1 MA., Anniversar 1, pag. 60; Flamm, Schatzverzeich-
nisse, a. a. O. S. 76.

2 Joh. Theob. Bley, Sanctuarium Friburgense, Newes
Heyligthumb der Statt Freyburg (1655) S. 61 ff.

6. SCHNEWLIN-KELCH

Freiburg Mitte 14. Jahrhundert (Abbildung 3)

Silber getrieben, gestanzt, graviert, punziert und vergoldet.
Höhe = 15 cm, unterer Durchmesser = 11,5 cm, oberer
Durchmesser = 10,3 cm

Ritter Johannes Schnewlin, zeitweilig Bürgermeister
der Stadt und Gründer der Freiburger Kartause, ordnete
in seinem letzten Willen vom 9. Oktober 1347 an: „Item
alles min silber in geschirre was des ist, da sol man zwen
Kelche zem erst von machen, von ztvelf pfunt pfenningen
friburger müntz, ane geverde an die zwuo pfruonda zem
Münster.“1 Die beiden Kelche, die aus seinem Silber-
geschirr nach seinem Tode anzufertigen waren, dienten
zur Ausstattung der zwei von ihm gestifteten Priester-
pfründen auf dem Annenaltar2. Leider ist nur noch der
eine erhalten. Es ist der älteste Kelch aus hochgotischer
Zeit.

Aus dem breiten Rundfuß, nur am unteren Stehrand
mit einem Perlstab besetzt, ist ein flacher Sechspaß ge-
trieben, der sich der weichen Form anschmiegt. Ge-
stanzte Medaillons mit Vierpässen zwischen horizon-
talen Perlstäben umziehen den runden Schaft. Den
sechsteiligen Nodus oder Knauf ziert getriebenes und
punziertes Maßwerkornament. Runde vorkragende
Zapfen, einst mit farbigen Emails gefüllt, von einem
Perlenkranz umzogen, tragen in Tiefschnittechnik das
Wappen des Stifters und die Inschrift: ,,DS KEL /
ICh.K / A. VOI / OhSD / EGRe Ss /“, d. h.: „Dieser
Kelich kam von Johannes dem Gresser.“ Die breite,
nach oben ausladende, im Umriß leicht geschwungene
Kuppa ist schmucklos3. Auf der Unterseite des Fußes
wurde später die Inschrift eingraviert: „ + B + GEBU-
RIN“. Diese bezieht sich wohl auf eine Übertragung
des Kelches auf die Joh.-Geburen-Pfründe im Münster.

1 H. Schreiber, Urkundenbuch der Stadt Freiburg i. Br.,
1. Bd„ 2. Abt. (1828) S. 369.

2 P. P. Albert, Urkunden und Regesten zur Geschichte
des Freiburger Münsters, in: Freiburger Münsterbl.
6. Jg. (1910) S. 32, Nr. 241, und S. 33, Nr. 246.

3 I. Schroth a. a. O. S. 39, Nr. 45.

7. KELCH MIT GEDREHTEM FUSS
Freiburg 1. Hälfte 15. Jahrhundert (Abbildung 4)

Silber getrieben, punziert, graviert, z. T. gegossen und ver-
goldet, blauer Grubenschmelz. Höhe = 18 cm, unterer
Durchmesser — 13,5 cm, oberer Durchmesser = 10,5 cm

Der Kelch bestrickt durch die lässige Eleganz seiner
Form und den Reiz seiner Oberflächengestaltung. Auf
rundem Stehrand wächst der zwölfpassige Fuß auf mit
einer leichten Drehung von rechts nach links. Den Ver-
tikalrand ziert ein einfaches Fünfpunktmuster. In den
Zwickeln sind gegossene Weinblätter angelötet. Acht-
blättrige Blüten füllen die Rundmedaillons der Paß-
felder. Die gleichen Blüten erscheinen im blauen Gru-
benschmelz des Schaftes und in den Zapfen des Knaufes.
Glattes, gezacktes Blattornament schmiegt sich über
die gedrehten Rippen des Fußes und steht über dem
punzierten Grund. Den Übergang vom Zwölfpaß zum
sechseckigen Schaft bildet ein Fries mit zwölf Maßwerk-
feldern vor schraffierter Fläche. Über dem oval ge-
triebenen Nodus mit den sechs Zapfen liegt oben und
unten eine ausgestanzte Blattkrause. Die vorspringen-

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