Hartlaub, Gustav Friedrich
Die Impressionisten in Frankreich — Wiesbaden, [circa 1953]

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BIOGRAPHIEN

FREDERIC BAZILLE

Frederic Bazille, geboren im Dezember 1841 in
Montpellier, wo er mit dem Medizinstudium be-
ginnt. Übersiedlung 1862 nach Paris, um weiter zu
studieren, nebenbei aber auch zu malen. Nach miß-
lungenem Examen finden wir ihn als Malschüler
im Atelier von Gleyre, zusammen mit Monet,
Renoir und Sisley, den ungefähr gleichaltrigen
Freunden und Gesinnungsgenossen. Mit seinem auch
nur bescheidenen Wechsel unterstützt er die not-
leidenden Kollegen; so erwirbt er von Monet das
Bild » Die Frauen im Garten« in Ratenzahlungen.
Mit diesem und Renoir teilt Bazille das Atelier.
Edouard Manet dient er als Modell für sein » Früh-
stück im Freien«. Die Freunde setzen große Hoff-
nungen auf ihn, dessen Landschaften und Figuren-
gruppen aus den sechziger Jahren teilweise gleich-
wertig neben den berühmten Frühwerken der
anderen stehen. Noch nicht dreißigjährig, fällt der
junge Maler am 28. November 1870 bei Beaune-
la-Rolande.

PIERRE BONNARD

Pierre Bonnard, geboren am 13. Oktober 1867 in
Fontenay-aux-Roses. Der Vater (aus der Daupliine
gebürtig) war Abteilungschef im Kriegsministerium;
die Mutter Elsässerin. Bonnard studierte Jura und
bildete sich gleichzeitig als Maler aus: kurz nur in
der Ecole des Beaux-Arts und der Ecole des arts
decoratifs bei Bouguereau und Robert-Fleury, dann
in der Academie Julian, wo er Maurice Denis, Ran-
son und Serusier traf, der 1892 zusammen mit Bon-
nard und Vuillard die Gruppe der sogenannten
» Nabis« (Propheten) bildete. Um 1895, so berichtet
Bonnard selbst, während der Ferien in der Daupliine,
fand er eines Tages, wie in einer plötzlichen Offen-
barung, seine persönliche künstlerische Synthese. Er
gab den bürgerlichen Beruf auf und widmete sich
ganz seiner Kunst. 1903 war Bonnard Mitbegründer

des Herbstsalons (mit Rouault und Marquet); 1904
stellte er im XX. Salon des Independants aus. Er
machte Studienreisen in die Niederlande, nach Spa-
nien und Algier, auch in Deutschland (Aufträge
Lichtwarks in Hamburg). Im Sommer malte Bon-
nard meist im Atelier auf dem Montmartre, in
Montval oder Vernouillet, im Winter an Orten der
Riviera und Provence. Bonnard schuf auch Wand-
dekorationen und illustrierte als Lithograph Bücher
antiker und moderner Autoren. Er starb achtzig-
jährig im Januar 1947 in Le Cannet.

EUGENE BOUDIN

Eugene Boudin, geboren am 12. Juli 1824 in Hon-
fleur (Normandie) als Sohn eines Seemannes. 1835
in Le Havre als Druckerlehrling, dann seit 1838 als
Gehilfe in einem Laden für Künstlerbedarfsartikel.
Millet soll ihn entdeckt und unterrichtet haben. 1847
arbeitete Boudin in Paris und kopierte im Louvre.
Studienreisen in Nordfrankreich und Belgien. Drei-
jähriges Stipendium des Stadtrates von Le Pia vre.
In Honfleur war der Maler Isabey sein Nachbar;
in Le Havre lernte Boudin Courbet kennen, der sein
großes Talent erkannte. 1860 verkaufte Boudin sein
Gemälde » Pardon de Sainte Anne « zu einem mini-
malen Preis an das Museum zu Le Havre. In Trou-
ville malte er zusammen mit Monet und Jongkind,
von dem er entscheidende Einflüsse empfing. Nach
seiner Heirat kehrte er nach Paris zurück. Mit Por-
träts in den modischen Badeorten suchte er Geld
zu verdienen. Eine öffentliche Versteigerung seiner
Bilder 1868 brachte bessere Preise. Während des
Krieges 1870/71 ging Boudin nach Brüssel, wo er
u. a. Diaz begegnete. 1874 stellte er in ihrer ersten
Sonderausstellung mit den Impressionisten in Paris
aus. Nach dem Tode seiner Frau 1889 reiste Boudin
jahrelang in Italien (Venedig), Frankreich und Hol-
land. Verschiedene Auszeichnungen (Kreuz der
Ehrenlegion). Er starb vierundsiebzigj ährig (Som-
mer 1898) in seiner Villa in Deauville.

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