Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 38,2.1845

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Nr. 39.

HEIDELBERGER

1845.

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Fulgentius von JLersch·

(Schluss.)
Mich wundert, dass er seiner Gewohnheit nach nicht auch für den Na-
men Propertius noch ein propitius oder properantius im Plautus finden konnte.
Mir fiel zufällig ein Citat aus Dracont. hexaem. 2. extr. in die Augen: non
catulastra gerit puerilia, und man könnte daraus die Genesis des Citats viel-
leicht ebenso glücklich herleiten. — Das Fragment des Crispinus soll aus ei-
ner Stelle des Apuleius und einer des Quadrigarius gebildet seyn. Allein das
genügt nicht! AVer sieht nicht, dass das Participium antistans aus Catull. 9, 2.
und die Zusammenstellung antistans Alcides aus dem Herculis antistare bei
Lucret. 5, 22. nachgebildet ist? -— Die Citate des Pammachius (ein "Name,
der bei Augustinus und Hieron. nicht selten vorkommt) und Pacuvius werden
aus vier bis fünf plautinischen Stücken glücklich zusammengerafft. Ich kann
noch einen Beitrag gehen mit einer Stelle der Nervolaria: scobina ego illam
actutum adraserim.
Den Tragiker Memos kann Herr L. nirgendsher deduciren. Vielmehr ist
uns ein Tragiker Memor (vergl. Ligus und Ligur, arbos und arbor) auch sonst-
ber bekannt, s. Dclrio Syntagma p. 29, und doch muss Herr L. seinem Tick
ein kleines Opfer bringen: suppetiae, sagt er, ist ein echt plautinisches Wort.
Kann seyn. Beim auctor de bello Afric. ist es noch viel beliebter. Stammt es
vielleicht aus diesem? — Nicht glücklich verfährt Herr L. mit der Herleitung
des Gavius Bassus in satiris, welcher Name und Titel aus der vita Persii und
Pers. 6, 1. entlehnt seyn sollen, indem sich Fulgentius wieder die Voraussetz-
ung erlaubt habe, der Freund des Satirikers habe ebenfalls Satiren hinterlassen,
und doch wüssten wir, dass Bassus ein lyrischer Dichter war. Das klingt nicht
übel, und Herr Jahn ad Pers. p. 213sq. stimmt ganz bei. Nur das Eine
will nicht zutreffen, dass jener Lyriker und Freund des Persius, Caesius Bassus
heisst und der Satiriker hier Gavius Bassus. Herr L. meint nun freilich, die
Identität dieser Namen schon in der Sprachphilosophie bewiesen zu haben.
Aber eines hat er dabei übersehen: Gavius Bassus war ein Zeitgenosse des
Kaisers Augustus; wenigstens finden wir ihn im Jahre 43 vor Chr. Geb. schon
in Argos (Gell. 3, 9. besonders §. 8.), und Caesius Bassus fand bei dem Aus-
bruche des Vesuv a. 79 nach Chr. seinen Tod. Somit fällt wenigstens dieses
weg, dass Fulgentius aus dem Lyriker soll einen Satiriker gemacht haben. Er
spricht von Gavius, von dessen Satiren und Poesien überhaupt wir einfach
gär nichts wissen. Eine Ahnung des Richtigen hatte Osann ad Cornut. p. 390.
^XXYIII. Jahrg. 4. Doppelheft, 39
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