Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 1.1891

Page: 145
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Heinrich Schliemaim.

Vortrag, gehalten im historisch-philosophischen Verein zu Heidelberg1)
am 14. Januar 1891

von

F. von Dulin.

Hochgeehrte Anwesende! Der Gegenstand meines heutigen
Vortrags ist mir gegeben; gegeben durch den traurigen unerwarteteil
Tod Heinrich Schliemanns, Schon im März vorigen Jahres sagte er
mir auf der Burghöhe von Troja: „ich habe das Gefühl, dass ich alt
werde; ich will Alles daran setzen,-wenigstens Trojas Ausgrabung noch
zu Ende zu führen.“ Schon damals machten medizinische Genossen
unserer Gesellschaft ein bedenkliches Gesicht zu den Ohrenschmerzen,
über welche er klagte. Wie Alles hernach weiter gegangen, erlassen
Sie mir zu erzählen: Sie haben es ja überall gelesen. In seinen Troja-
sälen noch einige Umstellungen vorzunehmen, eilte er nach Berlin; seine
Liebe zu Troja war es, von ihm als Pflicht empfunden, die ihm viel-
leicht das Leben verkürzt hat: sie hatte ihn durch das Leben geleitet;
sie geleitete ihn in den Tod.

Nun ruht er seit zehn Tagen in seiner geliebten griechischen Erde.
Erst wenige Monate sind es her, dass eine erlesene Gesellschaft von
Deutschen und Griechen sich auf dem Kolonos vereinigte, um in weh-
mutsvoller Erinnerung Otfried Müllers zu gedenken, dessen noch so
vielversprechendem Leben auf seiner ersten Hellasfahrt vor nunmehr
fünfzig Jahren die Sonne Griechenlands ein vorschnelles Ziel setzte.

1) Schliemann war im Sommer 1888 längere Zeit mit seiner Familie in Heidel-
berg. Bei einem von Mitgliedern des historisch-philosophischen Vereins ihm zu
Ehren veranstalteten Festmahle im „Museum" gab Schliemann in längerer Rede die
im Text, Seite 148, berührte Erzählung seines Lebens. Durch die Erinnerung an
jenen Abend war es dem historisch-philosophischen Vereine besonders nahe gelegt,
das Gedächtnis des Verstorbenen zu feiern und dem bei dieser Gelegenheit gehal-
tenen Vortrage einen Platz in seinen Jahrbüchern einzuräumen. Die Redaktion.

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