Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 1.1891

Page: 238
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Die Handschriften des Graevins.

Von

A. C. Clark,

Queen’s College, Oxford.

Nach dem Tode des Johann Georg Graevins im Jahre 1703 wurde
von seinen Erben sofort ein Katalog seiner berühmten Bibliothek im
Druck veröffentlicht behufs einer zu veranstaltenden Versteigerung, deren
Termin aber noch bestimmt werden sollte: — ‘tempus . . . quo publice
distrahentur libri, cum nondum convenerit, ab Haeredibus per Epheme-
rides publicas significabitur’. Es fand jedoch kein öffentlicher Verkauf
statt, da die ganze Sammlung durch einen Privatvertrag an den Kur-
fürst Johann Wilhelm abgetreten wurde zu dem Preise von 6000 Reichs-
thalern.1) Dieser schenkte die gedruckten Werke der Heidelberger Uni-
versität, welche nach dem Raube der Bibliotheca Palatina durch Tilly
einer solchen Zuwendung sehr bedurfte. Dagegen behielt Johann Wil-
helm die 119 Handschriften zurück und ebenso die Widmungs-Exemplare
der Ausgaben ‘in usum Delphini’, welche Graevius von dem König von
Frankreich erhalten hatte. Diese Hss. und Ausgaben wurden in seiner
eigenen Bibliothek zu Düsseldorf aufgestellt in demselben Gebäude,
welches seine Gemäldegallerie und sein Münzlabinet enthielt. Uffenbach
hat die Beschreibung seines Besuches der Düsseldorfer Sammlungen
vom Jahr 1711 hinterlassen, welche grosses Interesse besitzt.2) Er
sagt: ‘Die Bibliotheck von Grävio macht das beste aus, welche ganz all-
liier geblieben, bis auf die Litteratores, so der Churfürst der Universität
Heidelberg gegeben. Unter den wenigen Manuscripten, so mir gezeiget

1) F. P. Wundt, Geschichte der Stadt Heidelberg I (1805) 390. Ich verdanke
diesen und verschiedene andere Nachweise Prof. Zangemeister.

2) Uffenbach, Merkwürdige Reisen III (1751) 740.
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