Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 2.1892

Page: 172
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Johann Amos Comenius.

Festrede, gehalten bei der Comenius-Feier in Heidelberg

von

Heinrich Bassermann.

Hoch ansehnliche Festversammlung!

Uns vereinigt hier das Andenken an einen Mann, der keiner der
Unsrigen war — denn er war ein Tscheche — und doch einer der
Unsrigen ist, denn er war ein Vertreter, Pfleger und Förderer von Wis-
senschaft und Bildung, von Erziehung und Geistesveredlung, ein Mann,
der, indem er für sein Vaterland und seine Kirche alle seine Kräfte ein-
setzte, zugleich einen herrlichen Beitrag geliefert hat zur universalen
Hebung des ganzen Bildungswesens aller Nationen — ein sprechender
Beweis dafür, dass wer im kleinen Kreise treu ist und wirkt, am meisten
auch für die grossen und grössten zu wirken vermag.

Dieser Mann, Johann Arnos Comenius, ist am 19. Juni 1613 an
unsrer hiesigen Hochschule als Student immatrikuliert worden. Das ist
die besondere Veranlassung, welche für unsere Stadt zu dieser Feier vor-
liegt. Aber freilich kann die letztere nicht in diesem rein äusserlichen
Umstande allein begründet sein, so wenig als sich die festliche Begehung
der 300jährigen Wiederkehr seines Geburtstages, des 28. März 1592, auf
diejenigen — allerdings zahlreichen — Orte beschränkt, mit welchen ihn
sein bewegtes Lebensgeschick irgend einmal in äussere Berührung ge-
bracht hat. Vielmehr muss sich selbstverständlich eine solche universale
Feier dieses Tages auf die universale Bedeutung dessen gründen, dem sie
gilt. Die Bedeutung des Job. Am. Comenius ist lange Zeit verkannt oder
doch nur in sehr beschränktem Masse anerkannt worden; erst seit Be-
ginn unseres Jahrhunderts mehren und verstärken sich die Stimmen,
av eiche ihm eine hervorragende, ja epochemachende Stellung auf dem-
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