Jähns, Max ; Jähns, Max [Editor]
Geschichte der Kriegswissenschaften vornehmlich in Deutschland (Band 1): Altertum, Mittelalter, XV. und XVI. Jahrhundert — München , Leipzig, 1889

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Erstes Buch.

Altevtrrnr.

Linteilung.

§ 1-

Die kriegswissenschaftlichen Werke der Griechen und Römer haben
snr nns doppeltes Jnteresse. Erstens hangen sie innig mit der Ge-
samtheit jener altklassischen Kultur zusammen, auf welcher unsere
humane Bildung wesentlich bernht; zweitens aber haben die militä-
rischen Schriften der Alten von den Tagen der Renaissance bis zur
Mitte des 18. Jahrhunderts geradezu als unmittelbare Quelle kriegs-»
künstlerischen Wissens, als vornehmster Schatz strategischer und taktischer
Weisheit gegolten und sind in diesem Sinne als die gegebenen Ausgangs-
punkte fast jeder kriegswissenschaftlichen Untersuchung betrachtet und
immer wieder aufs neue kommentiert und durchsorscht worden. Daher
gestaltet sich eine Darstellung der antiken Kriegswissen-
schaft, welche auch deren literarische Folgewirkungen andeutet, ganz
naturgemüß zugleich zu einer Einleitung in die Geschichte der mo-
dernen Kriegswissenschast; denn sie weist nicht nur die Wurzeln
nach, aus welchen diese entsprang, sondern vergegenwärtigt uns auch
die Verästelungen, in deren tausendfach verzweigten Gefüßen der von
jenen Wurzeln aufgesogene Nahrungsstoff bis in die äußersten Spitzen
der jetzt lebendigen Krone emporgestiegen ist, und gewährt eben dadurch
die Möglichkeit, den Baum der Wissenschaft als einheitlichen Organismus
zn erkennen und aufzufassen. Freilich nährt sich dieser Baum, sowenig
wie die wirkliche Pflanze, nur von der Wurzel her: auch die jührlich
neuen Blätter sind ihm unentbehrlich zum Atmen, und das eigentliche

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