Jähns, Max ; Jähns, Max [Editor]
Geschichte der Kriegswissenschaften vornehmlich in Deutschland (Band 1): Altertum, Mittelalter, XV. und XVI. Jahrhundert — München , Leipzig, 1889

Page: 141
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I. Byzanliner. 1. Die Mililärschriflsteller vom 6. bis 9. Jahrhunderl. 141

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I. Kapikel.

Die Utjzantiner.

ls. Gruppe.

Dic Militärschriststcllcr vom 6. bis 9. Iahrhundert.

ß2.

Das 6. Jhdt. ist die glänzendste Zeit des oströmischen Reiches,
die Zeit seiner besten Waffentaten und dementsprechend die Zeit seiner
tüchtigften Leistungen auf dem Gebiete der Kriegswisfenschaft. Jene
Waffentaten find um so bemerkenswerter, als das Heer der Romäer
auch damals schoil keineswegs vorzüglich war. Zumal das Fußvolk
war in schlechter Mannszucht, mangelhaft gerüstet und dem Nah-
gesechte abgeneigt. Nur mühsam vermochte es den Persern, Bulgaren
und Hunnen zu widerstehen, die mit starken Reiterheeren über die
Grenzen brachen, ungestüm angriffen und wenig von den Pfeilen der
ausschließlich dem Bognerkampfe ergebenen Griechen litten, weil
Mann und Roß gewöhnlich gut gepanzert waren. Daher richtete
alles Sinnen der byzantinischen Kriegsverständigen fich darauf: ihr
Fußvolk jenem fnrchtbaren Schock zu entziehen und ihm Frist zu
verschasfen, von seinen Fernwaffen möglichst ansgibigen Gebrauch zu
niachen. Auch masfenhafte Vermehrung der Geschütze reichte dazu
jedoch nicht aus, weil die Bedienung der Maschinen zu zeitraubend
und ihre Wirkung doch unzulänglich war, und daher suchte man den
verderblichen Einbruch der gewappneten Feindesgeschwader durch trag-
bare Hindernismittel zu hemmen, welche so geartet sein mußten,
daß sie das Fußvolk einige Zeit lang sichern konnten, ohne es doch
auf die Dauer unbeweglich zu machen.

Anfangs des 6. Jhdts. schlug ein gewisfer Orbikios oder Ur-
bicius, von dessen Lebensumständen nichts bekannt ist, dem Kaiser
Anaftasios I (491—518) in einer kurzen, gewöhnlich als
bezeichneten Denkschrist ein System der Verteidigung des Fuß-
volks gegen die Reiterei der Barbaren vor*). Er formiert

i) Ausgabe in Rigaults Läit. Onosaiiäri (Paris 1599, p. 69 — 74) und in Scheffers
Läit. Naurieü (Upfala 1664, p. 364—370). Französ. in den klsmoirss miütair68 von GuifchardL
(La Haye 1758, II. p. 104—106). Eine Erläuterung hat Carrion Nisas gegeben.
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