Jähns, Max; Jähns, Max [Editor]
Geschichte der Kriegswissenschaften vornehmlich in Deutschland (Band 1): Altertum, Mittelalter, XV. und XVI. Jahrhundert — München , Leipzig, 1889

Page: 121
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2. Das Zeitaller der Militär-Despotie.

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züge seines Werkes in den Handschriftenbeständen italienischer Bibliotheken ^),
dann die Grazer Paraphrase der organisatorischen und taktischen Vegezkapitel
sU. 8 24j, solvie das I^ivre äes Iait8 d'arm68 6t ä6 6ii6vnl6ri6 der gelehrten
Christienne de Pisan ^XV. ß39^, welches sehr viele Vorschriften »86lon
V6A666« enthält, wenngleich es keineswegs (wie zuweilen behauptet wörden) eine
Bearbeitung der Epitoma ist, vielmehr im wesentlichen das Kriegswesen der Wende
des 14. nnd 15. Jhdts. schildert, wie es der Verfasserin vor Augen stand. Jndessen
gibt es auch wirkliche französische Ubersetzungen des I.ivr6 ä6 V6A666 ä6 1a
e1iaual6ri6 von der Wende des 14 und 15. Jhdts. Die burgundische Bibliothek
besitzt zwei sehr schöne Handschriften solcher Übertragungen (Brüssel, ui8. 11048
und 11195). Bemerkenswert erscheint es, wie im 15. Jhdt. dasjenige Volk,
welches zuerst eine rationelle Kriegführung im großen Stil durchzuführen verstand
und in dieser Hinsicht tonangebend in Europa wurde, die Engländer, sich der
militärischen Weisheit des Vegetius zu bemächtigen suchte. Man kennt vier eng-
lische Übersetzungen der Epitoma aus dieser Zeit, eine von John Lydgate
(Lidi. Loäl^iaiia), eine dem Baron Thomas von Berkeley gewidmete (Oxon Coll.
St. Maria Magdalena), eine von Clifton (Bibl. Landsowniae) und eine nicht
ganz vollständige (Harleianus). — Und nun bemächtigte sich auch die neuerfundene
Buchdruckerkunst des beliebten Werkes.

Die drei ersten Drucke des Vegetius erschienen ohne Ort und Datum;
die Bibliographen ordnen sie verschieden; die meisten entscheiden sich für folgende
Reihe: Utrecht 1473, Köln 1476, Paris 1478 ^). Nun erst kam die Ausgabe in
den V6t6r68 ä6 r6 militari 86riptor68 (Rom 1487), als deren erster Autor Ve-
getius prangt^). Dann folgt eine selbständige Ausgabe von 1488 (Ui86ia6) mit
einem Schlußpassus, welcher deutlich zeigt, welch hohen Wert man dem Studium
des Vegenus für die Erneuerung des Kriegswesens beimaß. Denn es heißt da:

8nnt x>a88i ckintiu8 8itu 6t 8Nua1or6 (I6lit6866r6 i11u8tr6iu V6^6tium (16
16 militari cki86ix>1iiia 1o(iii6iit6iri, virum omui 1auck6 ckiAiii88imiim, mA6mii
aäol6866iit68 86Ua8tiami8 6t Uaxlia^l U6 Orlauäi^; nii6m od 6am maxim6
eausam imprimi 6iirav6ruiit; ut 6t auti(iua6 virtuti8 6X6mx>1o Italioi juv6U68
1ou§a ä68iäia iAuavia<^u6 torx>6ut68 tauck^m 6xp6rAi866r6utur.«

Deutschland wetteiferte mit Jtalien. Kaum war der erste Druck des lateini-
schen Originals erschienen, als auch schon LudwigHohenwang von Thal El-
chingen im Jahre 1475 zu Ulm „des durchleichtigen, wolgeborenen Grauen Flavii
Vegecii Renati kurcze vnd von der Ritterschaft zu dem großmächtigsten Kaiser
Theodosio seiner biecher vierer" in deutscher Übersetzung erscheinen ließ^). Es ist
eine kostbare Ausgabe, die Verdeutschung vortrefflich, und die letzten 32 Seiten
des Buches werden von großen, guten Holzschnitten eingenommen.

d U. a.: ^.v8tra6t1on68 lldri INaall V6§et11 Leuatl vlrl 111u8trl8 coraltl^ 6p1tUoii1a (8io!)
i'öl nü11tarl8 (Markusbibl. 179). — (?86uäo-) Oato 6.6 r6 mllltarl (Riccardiana 710, Florenz).

^) Der Titel der vermutlich zu Utrecht 1473 erschienenen Ausg. lautet: I'laul^ V6§6t1 r6aat1
virl 111u8tri8 Lxltonia 66 r6 mllltarl cinatuor. Das 4. und 5. Buch dieser wie fast aller älteren
Editionen sind nämlich (ihrer Kürze wegen) in eines zusammengezogen.

^) An dieser Stelle bleibt Vegez bis zur Ausgabe von 1670 stz 4).

^) Näheres über diese Ausgabe XV, § 2.
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