Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 17.1864

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(ürgekensic Dcnuncialion.

2.Z!)


Müller. Also das Complot sejen dem heiligen Vater sein Leben iS in'n
Sand verlassen?
Schnitze. Es scheint io. Die Polizei hat in die drei seslsenommenen
Schuster drei — Polizeispione entdeckt.
Müller. Also Schuster waren eS? Als ob die römische Rejierung
nich ohnedem schon Pech jenug hätte!
Schnitze. So iS es.

/1»8 der Hegcnmart.
Vor Kurzem war ein Kind von Frankreich zum ersten Mal mit seinem
Vater auf der Jagd. Mit vier ielbstcrleglen Kaninchen kehrte es nach Hauie
zurück. Als eS nun seine Beute frohlockend seiner Mutter zeigte, fragte diese
den Knaben, wie er eS nur habe übers Herz bringen können, die armen Tbiercken
lodt z» schießen.
.Za" — cntgegnete lebhaft der Kleine — „die Karnickel haben an-
gefangen."
„Ganz der Vater!" — rief die Mutter und schloß gerührt den Kleinen
in die Arme.

Der Bürgermeister von Chemnitz hat die zurückkehrenden Sachsen mit
einer zwar ungereimten, aber doch in antikem Vcrömaß gedichteten Ameke be-
grüßt. Kr sprach zu ihnen in Distichen, und die Wahl dieser Metren ist
keineswegs abgeschmackt oder lächerlick', im Gegenkhcil sebr fein, crnil »nd
passend; den» ,'cbon bei den Alte» wählte man die Form der Distichen. IheilS
zu beißenden Epigrammen, lhcils zur Elegie.

„ES rubt der Thron allein auf des Gesetzes Grund.
Wenn Macht stall dessen richtet, ich' ich taS Unheil kommen,
Doch Recht ist Landes Ehr' und Königs Frommen."
(Frikhjof Sage, zweiter Gesang. >
Wir halten eS für unsere Pflicht, die Hobe Aufmerksamkeit unirer wohl
löblichen Behörden auf die angesübrtc Stelle zu lenken und denselben die
Erwägung anheimzustellen, ob es nicht zweckmäßig criebeinen dürfte, die
Schrift, welcher daS gedachte Citat entlehnt ist, als gemeingefährlich zu ver-
biete». ES scheint dies um so ratbiamer, als bei der bekannten pfiffigen Ver-
schmitztheit der deutschen Demokratie die Vermutbung nabe liegt, daß wir u»
ter dem harmlosen Titel der „Frithjof Sage" nur einen neuen Versuch
zur heimlichen Verbreitung der — „Gartenlaube" zu suchen haben.
Die literarischen Denunciautcn dcS
Kladderadatsch.

Dessenttichc Danksagung.
Seit Zabren litt ich an meinem Kopfe. Alles sollte nach dem-
selben geben, so daß, wenn dies nicht geschah, oft Manches auS meinen
Hände» nack' den Köpfen Anderer ging, oder, nie man im bürgerlichen Leben
zu sagen pflegt: ich nach denselben warf.
Da lernte ich die
„nriic mcchaiiischc Kopfbiicsle"
(in Berlin bei Nagel und Barth, Ebarlotlcnstraße ü8) kennen, unv
der beginnenden Erweichung der Masse unter der Kopfbaut wurde durch
die überaus sinnreiche und gchcimnißvollc Mechanik der Verbürstung ein
Ziel gesetzt.
Dank, öffentlicher Dank darum dem Erfinder, der mich wieder in den
Stand gesetzt bat, über meine Lage nacbzudcnkcn, ja, mir darüber —
Gedanken zu machen.
Cassel, im Dccember 1864.
Dietrich,
Partikulier und am! cke la töte carröe.

Briefkasten, ll. in Zohanngeorgenstadt: Lassen Sie doch dem Herrn Niger das kindliche Vergnügen! — S. in K.: Herzlichen Gruß.
Nächstens. — E. F. in Berlin: Freundlichen Dank. Specielle Antwort nach dem Feste. — G. in Nordbausen: Auch wir sinken die „Vorführung"
nicht allzu taclvoll. — A. A. in F.: Gelegentlich. — A. B. in WiIlm und: Das arme Dienstmädchen! Es ist nur gut. daß der Frau P. der »Katzcnjam
mer" erspart worden ist. — E. H. in A. N. »nd St. in Z. F. O.: Bereits Ibatiächlich widerrufen. — Bauinipcctor Rasch in Rebme: Beßten Dank für die
to gelungenen Bierseidel. —



lullender- und luimonstisclie ^tterntur.

Berthold Aucrbach's Bolkökalciidcr
für 1865.
Jlluftrirt von Paul Thumann. — Preis I2j Sgr.
Inhalt: Natur und Gesnndbcits-Büchlein. — Der gefangene
Gevatter, von B. Auerbach. — Gegen die Todesstrafe,'von
F. v. H o ltz c» t o rff. Tie Rhcingrenzc, von M oritz Hart-
man». — Auf der Eisenbahn, von Fr. Gcrstäckcr. — Die
Verlobung auf dem Rigi. — Naturlebc» im Winter, von Bcr-
thold Sigismund. - Der Silbcrgraue, von Franz W.
Ziegler. _
Hu moristisch - satyrischer
BolkSkalcndcr dcs Kladdcradatslh
für 1865.
Illustrirt von M. Scholz. — Preis lü Sgr.
Inhalt: Europäischer Kalender. — Ter jüdische Kalender
lisiustr.l — lieber das Trinken (illustrirt!. — Eine Acticn
Gesellschaft.— Romanzen »nd Balladen des heutigen Nüttel
alters liliustrirt). — Eine neue Stattcordnung. — Die Ne»
»laiiiisiiisel (illustrirt). — Warum der Cäsar nicht fertig wird.
— Die nothwendigstcn Regeln des Anstandes, des
feinen Tons und guter Sitten (illustrirt).

Sammtlichr Louplrts ans drr Posfr:
NamciiloD
Von D. Kitlisch und E. Pohl.
Text und Melodie mit Pianoforte-Beglcitung.
2 Hefte. Preis ü Heft 7j Sgr.
Inhalt: I. Heft: I> Ich schrieb bis jetzt »och niemals quer.
2l 'Na legen Sie's nur dahin. 3> 'S >s wieder nischt. 4) Die
Botschaft hör' ich wobt, allein mir fehlt der Glaube.
Inhalt: ll. Heft: I! Sck'neidcrwalzer. 2! Soubrettonlicd. 3> Den
Künstler ziert Bescheidenheit. 4' So laßt ihm doch das tindlicbe
Vergnügen.
Zliinmtlichc Lonplrts aus drr Possr:
Brndcr Liederlich »»d Eine leichte Person.
Von G. Pohl. Musik von Sl. Conradi.
Text und Melodie mit Pianoforte Begleitung.
Preis 10 Sgr.
Inhalt: AuS Bruder Liederlich: ü Da geht er bin und
singt nicht mehr. 2) Rübe sanft. 3) Spricht kein Menjch mehr
darüber. -l> Zwecken Abwchrungs Couplet. Aus Eine leichte
Person: 5) Kokektir-'.'ick. 6> Man wird s nicht los. 7) Mach'
dir nichts draus. 8) Ich tanke, cs gebt!

Die IserslinshaiMmg.

»otmiiiii, L in Aeiliii, 39.
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