Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 19.1866

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Ai . 35.

Berlin, den 5. August 1866.

*33

XIX. Jahrgang.


Wachen-Anzeigen.
Montag, den 6. August.
Auf dem Wege von Berlin nach Mün-
ckcn sind einige Kronen verloren gegangen.
Den, Wiederbringer eine anständige Beloh-
nung.
Dienstag, den 7. August.
Für eine Irren-Anstalt werden Beamte
gesucl't. Brotlose Gesandte. Consuln u. dgl.
können sich melden.
Mittwoch, den 8. August.
Einige emeritirtc Tempel-Ritter wün-
schen sicb bei einem gemüthlichen K ümmel-
blattchen zu betheiligen.


Wachen-Anzeigen.
Donnerstag, den 9. August.
Portefeuilles, in Chagrin gebun-
den. sind in Mafien vorräthig. Wo? sagen
die ComptoirS der Intelligenz zu Karls-
ruh. München und Stuttgart.
Freitag, den 10. August.
Retour Gelegenheit nach Dresden wird
dringend gewünscht. Näheres in Wien,
hintenrum links.
Sonnabend, den II. August.
Ein guter Linienzieher, der zugleich
Notenschreiber sein muh und keine Ar-
beit scheut, kann sich melden. Wo? sagt der —
Kladderadatsch.

H um o, ist isch - saly, i sch es w o ch ei, b lall.


Hochfürstliche und dennoch wahre Historie.

r.




_ 's hat auch Li La Liechtenstein,
('^So klein es ist, sein Grimmchen;
Es hatte auch in Frankfurt sein
Drei Scrupcl schweres Stimmchcu.
Das warf cs in die Wage frisch
Und schlug gewaltig auf den Tisch:
„Nun soll der Preuße kommen!"
„Ich mach' mein Ki Ka Kontingent
Mobil zum heil'gcn Streite,
So wahr als ich — Potz Sapperment! -
Genannt Johann der Zweite!
Ich habe ganzer neunzig Mann;
Die setz' ich dran und siihr' sic an,
Hurrah, zu Preußens Sturze!"
„Ermanne dich, BiVa Vaduz" —
Rief Hans von Schlosses Söller —
„Ich mach' mobil zu Dcnlschlands Schutz
Die Büchsen und die Böller
Zum Kriege gegen Preußens Neich,
Und sollt' cs meinem Lande gleich
Eintausend Thaler kosten!
Das klang der Bi Ba Bürgerschasl
Gar schrecklich in dem Ohre.
Sic kaufte zwar drei Ellen Taft
Zur Deutschen Tricolore;
Doch flehte sie: „O gnäd'ger HanS,
Verschon' uns mit dem Kriege ganz!
Wir sind ja deine Kinder."

Als HanS den Schmi Schma Schmerzensschrei
DeS treuen Volks vernommen,
Ließ er der Generale drei
Und drei Minister kommen,
Und sprach: „Ich möchte rüsten gern
Wie denket ihr darob, ihr Herrn?
Ich Hab' mein Wort verpfändet."
Trans sprach ein Gi Ga General:
„Hoheit, ja, Krieg aufs Messer
Ist schön; doch dächt' ich, dieses Mal
Nur mau so thuu — ist besser!
Nur man so thuu, und dann und dann"-
„„Versteh' sehr wohl"" — versetzt Johann -
Ihr seid ein Schwercnölhcr!

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ttn

Als nun die KriegS-Tri Tra Trompcl'
Erscholl, da kamen Alle,
Die Einen früh, die Andern spät,
Mit lautem Trommclschalle;
Doch HönSchen dacht': „Ich zieh nicht aus;
Ich bleibe lieber hübsch zu HanS.
ES wird's ja Keiner merken!,,
Vermißt hat Ki Ka Keiner ihn,
Nach ihm gefragt auch Keiner;
Er ließ zum Krieg die Vettern ziehn,
Der tapfre Liechtensteiner,
Und las im Amtsblatt nur — o weh! —
Wie eS crgung der Rcichsarmec,
Und lhäl' sich gar nicht schäme».

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