Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 19.1866

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Jtr. 46.

Berlin, den 7. Oktober 1866.

XIX. Jahrgang.



Herbstmachenkalender.
Montag, den 8. £ciobcr.
Nack des Frühlings Angst und Plage,
Nach des Sommers beiyem Streit
Bringt der Herbst noch sonn'ge Tage.
Bringt der Herbst noch gute Zeit.
Dienstag, den 9. Lctober.
AiS die Nacktigallen schlugen.
Scklug das Herz uns febr bedrückt;
Als die Dornen Rosen trugen.
Hat sie kaum ein Kind gepflückt.
Mittwoch, den 10. Lctober.
Nun uns froh und ruhig wieder
Aufzuathmen ist erlaubt.
Ack! da fallt das Laub hernieder.
Und die Blume senkt ihr Haupt.


Herbstmochenkatender.
Donnerstag, den 11. Lctober.
Ach! und schon zum freudelosen
Winter neigt des Jahres Laus.
Blüht noch einmal, liebe Rosen?
Veilchen, wacht noch einmal aus!
Freitag, den 12. Lctober.
Unter HerbsteSsonnenküsjen
Lacht noch einmal, Flur und Feld,
Eh' mit Sturm und Regengüssen
Winter seinen Einzug hält!
Sonnabend, den 13. Lctober.
Ob die muntern Vöglein schweigen.
Licht und Leben draußen flieht:
Lustig unter welken Zweigen
Singen wir ein frische- Lied.
Kladderada tsch.

Humoristisch-sntyrisches Wochenblatt.


Mrlacherliche Mosten zu einem zeitgemäßen Tert.
(Line brochirte Lapiyinade.)

Daß Jeder nur sich selbst vergöttert,
Nur nach dem eignen Northeil späht
And rings vernichtet und zerschmettert,
Was nicht um seinen Rern sich dreht;
Daß Jeder nur am eignen wähle,
An seines Nächsten Leid sich freut —
Das ist des teid'gen Tags Parole,
Das ist die schwere Noth der Zeit!
was nützen heut Hesetz und Rechte?
Ein Thor, der sich gebunden hält!
„Den Säbel 'raus!" — so spricht der ächte
Staatssorlschrittsmann und Tagesheld,
wahnt dich mit salbungsvoller Rtage
Ein alter Freund an das Hebot
Des Ehristenthums, dann spöttelnd sage:
Das ist die Zeit der schweren Noth!

So hatte fest nur an der Stange,
So lang' dir Schlag auf Schlag gelingt,
Ris plötzlich einst mit gellem Nlange
Die Sehne dir vom Rogen springt;
Ris rings um dich in Hellen -flammen
Des zorn'gen Himmels Unmuth loh't.
And du erschrocken fährst zusammen:
Das ist die schwere Zeit der Noih!
Dann stürzt der Rau, den du begonnen,
In seinen Vesten wankend, ein;
was da mit kecker -laust gewonnen,
Hteich Rakel wird's vernichtet sein.
Lehrt doch uns Alle die Hefchichte,
Nor lausend Jahren wie nach heut:
was Wenfchenmerk, geht stets zu Nichte.
Das ist die Noth der schweren Zeit!
Kladderadatsch.
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