Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 36.1883

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3(1. 40. Berlin, Len 2. September 1883. XXXVI. Filhl'gUNg.

llTodjenfmfcii(>rr.

Montag, den September.

Die .N. A.Z." erklärt Frankreich den'Krieg
und eröffnet den Feldzug mit einem Ausfall, den
sie mit feurigem Elan gegen das feindliche Lager
unternimmt.

Dienstag, den 4. September.

Der überraschte Feind sammelt sich sofort
und gebt mit großem Lärm zur Offensive über.
Allein in Ausfällen ist die .N. A. Z." Meisterin
und der Feind kcmnit gegen sie nicht ans.

Mittwoch, den September.

Der Feind beschränkt sich nun ans die Defen-
sive und sendet von seinem Lager a»S die beflig-
sten Geschosse gegen die *9?. Sl- Z." Hinter seinen
Mauern versteckt, brüllt er: L Berlin. Höhepunkt
des Kampfes.

Usuchi'nknü'iwl'r.

Donnerstag, den September.

Plötzlich erschallen von Tonking'ans Wehe-
rufe. Der Feind wendet sich bestürzt dorthin, die
ü-Berlin-Rufe werden schwächer und die Situation
ctwak ruhiger.

Areitag, den 7. September.

Die Helden der feindlichen Parteien schimpfen
aufeinander, wie weiland diejenigen Homers vor
dem Kampfe- Dock das Aussprechen beruhigt und
die erregten Gemütbcr werden versöhnlicher.

Sonnabend, den 8. September.

Es stellt sich heraus. daß die ,N. A. Z." mit
ihrem Feldzuge gegen die R4publiquo francaise
nicht den französischen Staat, sondern die gleich-
uamige Zeitung gemeint bat. Mißverständniß.
Versöhnung. Friede!

Kladderadatsch.

erreihc nun dein Wittwenkleid.
Dn trefflichste der Dame»!

neue wirst du jetzt gefreit
eines Fürsten Namen.

Bon oben fällt ein Gnadenstrahl
3» wunderbarer Dichte,

Den spendet dir in's Iammcrthal
Die edle „Allgemeine".

Bor Allem mutzt du fügsam sein
Und niemals widersprechen.

Sonst schleicht der Groll ins Herz hinein
Und schnell wird Er sich rächen.

Und ob der edle Freier auch
Im Lieben ziemlich flüchtig:

Er ist nach Ritter Blaubarts Brauch
Gewaltig eifersüchtig.

Des milden Gatten bist du quitt.

Er war dir ein Berdcrber.

Nun kommt mit wncht'gem Sporenschritt
Ein alter, greiser Werber:

Und unter busch'gem Vranenpaar
Siehst du die Augen leuchten.

Die dich, als er dir böse war,

In einen Winkel schcnchten.

Hcnt' schaut Er dich so freundlich an.
Als hält' er dir vergeben:

Wie ist es schön, mit solchem Mann
In trauter Ehe leben!

Wird nicht ein letzter Liebesrest
Im Herzen dir lebendig?

Vielleicht, dich Er sich fesseln läßt,

Wenn sonst auch unbeständig.

Hab' Acht, und spende keinen Blick
Dem kecken Eugen Richter:

Bon Hänel trenne dein Geschick.

Sonst naht dir der Vernichter.

Als Hausfreund wähle alte Herrn,
Vielleicht Minnigerodc:

Das schadet nicht, man sieht ihn gern.
Er ist jetzt stark in Mode.

Sichst du die dargcbot'ne Hand!
Besinn' dich nicht und wähle
Das wonnigsüße Liebesband:

Gib Ihm die ganze Seele.

Gib Ihm des Stolzes kargen Rest.

Gib Ihm dich ganz zn eigen!

Ob er sich dadurch fesseln läßt
Wird sich ja später zeigen.

Kladderadatsch.
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