Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 44.1891

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Meöer Aentral^-Asien.

Vom Schlesischen Bahnhof in Berlin bis Ceutral-Asieu ist cs ziemlich
weil. Man gelangt jedoch mit Geduld »nd Beharrlichkeit dahin, wenn man
immer die ostsüdöstliche Richtung einhält. Will man aber, ivas auch ctivas
jür sich hat, russisches Gebiet vermeiden, so schlägt man die westliche Route
ein, die über Potsdam sührt, durchquert Amerika und nimmt daraus den Weg
durch China. Diese Tour ist weiter, aber sicherer als die zuerst angegebene.

Wenn auf irgend ein Land das Wort paßt, „Ocde, sagt Bodinus,"
so ist cs Ccntral-Asien oder Asien 0. wie es auch genannt wird. Bon der
Oede, die dort herrscht, kann mau sich kaum einen Begriff machen. Weit und
breit kein lauschiges Plätzchen, kein Wirthshaus mit kühlen Bieren, ja nicht
einmal eine Destillation. Asien 0 wird daher auch sehr tvenig von Svmmer-
srischleru und BergnÜgungsreisenden besucht. Der eigentliche Tourist sindet
dort nicht seine Rechnung.

Besonders arm an Gegenständen ist das Hochland, welches Pamir oder
das „Dach derWclt" genniint wird.
Auf demselbeit wächst nicht einmal
Moos. Es liegt aus der Hand, das,
Photographen in dieser Gegend
nur sehr schwer ihr Brot finden.

Die Flora von Central-Asien
ist sehr dürstig. Wie überall, wo
der Russe hiugetreten ist, wächst
auch hier nur noch spärlich Gras.
Kein Baum, kein Strauch, so weit
man sehen kann. Kein Zeitnngs-
blatt, aus das man abunniren
könnte! Selbst gemeine Gemüse,
ivie Kohlrüben und Büchsenspargel,
gedeihen in dieser Wüste nicht.
Salz sindet sich hie »nd da, aber kein Pfeffer.

Ebenso eiusvruug ivie die Flora dieser Landjchast ist ihre Fauna. Man
wünscht die Heuschrecken herbei, um >,e auszueffen, aber fie kommen nicht,
weil sie selbst dort nichts zu fressen finden. Von grosten Carnivoreii fehlen
dort der Bär, der Löwe, der Wolf, der Meyer und der Pincus. Ein Versuch,
den salschen Hasen in Central-Asien anzusiedelu, ist mißglückt.

Reptilien sind nicht vorhanden, weil keine flüssigen Fonds da sind. Wo

fein Sauerkraut, da auch kein Krainmetsvogel. Das stimmt für Central-
Asien. Auch die Spickgans sieht man dort nicht. In der Lust schweben
einige Geier und Adler verschiedener Klassen und ziehet, ihre Kreise, weil sie
sonst nichts zu thun haben.

Von Fischen fehlt der ganze achte Band Are hm.

Die Russen haben in diese Einöde einige Thiere niederer Ordnung
gebracht, indem sie dieselben den weiten Weg bis Asien 0 aus ihren Köpsen
trugen. DaS ist aber auch alles.

Die wenige» Beiuohuer Wer Gegend nähren sich voin Räubergewerbe,
n„r kümmerlich, ivie man denken kann, da cs an Fremdenbesuch sehlt und
sie säst ganz au, c,»ander angewiesen sind.

£ Kein Theater, keine Bildungsanstalt »ah und fern. Keine Leihbibliothek,
keine Animirkneipe, lein
Commcrzieurath, der Ge-
sellschasten geben könnte.
Skat wird nur an den
ivestlicheu Abhängen sowie
im Hindukusch gespielt und
auch da nicht sehr häufig.

Im mittelsten Mittel-
punkt von Ccntralasieu
sitzt ei» Deutscher Namens
Müller. Er hat dort eine
Batik ausgestellt und den
Platz zur Erinnerung an
seine alte Flamme „FridasMuh", genannt. Da sitzt er »nd liest das
Eonversätionslexikon durch, um sich eine allgemeine Bildung anzneignen.
Milunter taucht aus dem Nebel eine Gestalt auf, welche sich den Umriffen
nach als ein Russe, ein Engländer oder ein Chinese zu erkennen gibt. Wer
aber Müller sieht, hält ihn für eine» Stcppcngeist und macht, daß er
davon kommt.

Müller nährt sich von Conserve» und ist im Besitz von Cogimc. Des
Sonntags macht er Gedichte.

So sieht Central-Asien aus! Die meiste», die es unS bisher geschildert
haben, kenne» es gar nicht oder nur vom Hörensagen. Die Maler, die uns
Landschaften ans diesem öden Gebiet geben, pflegen ihre Motive aus Rizdors
oder der Hasenheide herzunehmen.

Zur Hcschichts- und Äkterthumsliunde.

Unser Bolksthnn, muß gründlicher erforscht werden. In der „Danziger
Zeitung" erlaßt Herr Treichel einen Aufruf, in dein er um Einsendung
schristlicheii Materials über volkslhümliches Backiverk, die Geräthe dazu, seine
Verbreitung:c. ersucht.

Einfacher wäre es, dem Forscher von den verschiedensten Gebacken einer
jeden Stadt, eines jeden Dorfes, einer jeden Familie ein Stück zur Probe
zu übersende» und . so den Grund zu einem großen Bäckereimnseum zu legen.
Dabei würden auch Mißverständnisse, die bei de» Beschreibungen des Gebäcks
mit unterlaufen können, ausgefchloffe». Herr Nenmann, Schullehrer a. D.,
Vater von sieben Kinder», hat sich schon zur Uebernahine einer Custosstelle
an dem neuen Museum bereit erklärt und würde auch einer Bearbeitung
und Sichtung dcS Stoffes sich gern unterziehen.

Die Beantwortung folgender Fragen dürfte die gestellte Ausgabe wesent-
lich erleichtern.

a. Für das große Publicum:

Freuen sich Ihre Kinder über das Mangeln des Kuchens?

Welchen Eindruck habe» Sie von dem Gebrauch des Wasscleisens
empfangen?

b. Für Bäckermeister:

Wie viel Lebendgewicht haben Sie, wie viel Ihr Gebäck, ivie viel Ihre
Kunden im Durchschnitt?

Betrachten Sie Korn in flüssiger Form als Backivaare, und ist sie volks-
thüinlich?

Wie viel Kümmel, Anis und Ingwer cousumiren Sie jährlich beim Backe» ?
Sind Ihnen außer „Tempeln" und „lustiger Sieben" andere Gebräuche
bei Ihrer nächtlichen Thatigkeit bekannt?

c. Für Historiker:

Wo wurde dem Quinetiliiis Barns von den Germanen das letzte
Brot gebacken?

Waren Hörnchen das Lieblingsgebäck der Helena und gab sie dem
Menelaus davon ab?

Ist Mazeppa wegen Ersindung der Mazze aus ein wildes Pferd ge-
buuden worden?

Die ülulturffisiorisier öes Rlaöberaüalsch.

Die Prüfung der Untersekundaner.

gin Vorschlag zur Hüte.

1. Zur Prüfung haben der Schulrath und die prüfenden Lehrer eine
geeignete Kleiduiig anzulegeu. Alle tragen schwarzen Anzug mit Leibrock: der
Schulrath dazu einen Helm mit Fcderbusch, der Direktor einen solche» ohne
Federbusch, die Lehrer eine einfache Soldateiimütze. Die Schüler treten in
Kniehosen und Jacken an. Der Ordinarius führt sie in den Prüfungssaal
und ordnet sie »ach der Größe. Ans das Kommando des Schulraths: Still-
gestanden! beginnt die Prüsung.

2. Der aiitivorlende Schüler tritt drei Schrill vor, natürlich inimer Hand
au der Hosennaht, und beginnt die Antwort mit einem lauten: Zu Befehl,
Herr Doclor! Zum Beispiel: der Lehrer fragt: „Fritzchen, ivann hat Gott
die Welt erschaffen?" Antwort: „Zu Befehl, Herr Doctor! das weiß
ich nicht!"

ü. Die Prüfung in der Gefchichte hat besonders unser Jahrhundert zu
berücksichtigen. Der Schüler muß Bescheid wisseii in der Geschichte der
Demagogenriecherei, des Ultramontanismns und der Socialdemokratie. Ta
mai, sich dergleichen am besten an Biographien einprägt, iMiß der Schüler
ivenigstens die Lcbensgeschichic des DemagogenriccherS Schmaltz, der illlra-
moulanen von M alliukrodt und Dr. Windthorst und der Socialdcinokrateo
Las alle und Bebel genau kennen.

4. Wer die Prüsung besteht, ivird verpflichtet, bis er hoffähig wird, lange
Beinkleider zu tragen. Eine Abiturienten-Kneiperei ist gestattet; cs dars aber
nur Chokolade gereicht werde».

Die sieben Weisen beg Rlaöberaöalsch.

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