Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 44.1891

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Augsburg. N. N.: Die „ Augsburger
Abendzeitung" (Nr. 347) bringt einen Bericht über
dte am 14. December von dem Finanzausschuß
des bayerischen Landtages abgehaltene Sitzung.
Darin heißt es: „Bei den Ausgaben für Landes-
kultur und landwirthschastlichc Interessen wird zu-
nächst in die Debatte der einschlägigen Petitionen
eingcgangcn. Resercnt vr. Buhl gibt zunächst
die Petitionen von ca. 37 landwirlhschasttichcn
Bczirkscomiws um Bewilligung höherer Summen
als bieher zur Beförderung der Landwtrihschaft
und ihrer Nebenzweige bekannt." — „Zirka 37"

'ft ^Berlin. 33.: Etwas ungewöhnlich drück,
sich allerdings Ernst von Wildenbruch aus,
wenn er in der „Natlonalzcitung" (Nr. 704, von
einer alten Dame sagt: „Als das Jahr 1870 kam,
fand es zwar eine Greisin, aber das Herz unter
dem weißen Haar mar noch jung und stark."

Baden-Baden. M.: Im „Amtlichen Der-
kllndigungsblatt für den Kreis Baden" >Nr. 149)
lesen wir, daß die Bevölkerung der Erde auf über-
haupt 1400 Menschen geschätzt wird. Da ist
Berlin entschieden nicht milgerechnet. — Das
„Badener Wochenblatt" vom 14. December schreibt:
„Eine totale Mondsinsterniß, die auch in unserer
Gegend sichtbar ivird, findet in der Nacht vom
15. zu», 10. ds. Mts. statt Der Beginn der
Verfinsterung wird gegen 11% Uhr cintrcten und
um 12 llhr uO Minuten ein totaler sein. Von
2 Uhr 15 Minuten an wird die Mondscheibe fort-
schreitend in ihrem reicht zunehmen uiid um 3 Uhr
15 Minuten wieder in Vollmonds Phase stehen."
— Wir glaubten zuerst, daß die Mondsinsterniß
nur aus der Redaclion des „Badener Wochen-
blaltes" stattgcfunde» habe. Indessen bringen die
„Freiburger Zeitung" vom 16. Dec., die Karlsruher
„Badische Presse" vom 13. Dec. und der in Ken-
zingen erscheinende „Elzbotc" vom 10. Dec. dieselbe
Notiz, es scheint also das inicressanle Phänomen
in einem großen Theil des Großherzogthums
Baden beobachten worden zu sein.

Ballenstedt W. B.: Ein „entsesseltes Natur-
kind" ivird im „Äscherst. Tagebl." in einer Corrcs-
pondenz aus Sandersleben das Feuer genannt.
„Freie Tochter der Natur" klingt eigentlich besser.

Crcfcld. I. B.: Schön, aber nickt möglich.

Tarinslndt. A. 33.: Sehr hübsch ist in dem
Noma» „Der Bemsteinsucher" ll „Darmstädler
Täglicher 'Anzeiger" vom 18. Dec.) gesagt: „lieber
Frau Holnisons Gesicht floß keine Thräne, obwohl
Hunderte in ihren Äugen zitterten."

Dessau. A. K.: Aus Ziebigk schreibt man
der „Eöthcnsichen Zeitung" (Nr. 294): „Das erste
Abonnementsconzerl ivar trotz der ftiirn ischen
Witterung sehr stark besucht. Es ist dies ein Be-
weis, daß das Unternehmen des Herrn Bode hier
in de» betheiligren Kreise» der Umgegend großen
Anklang gesunden hat. Und in der Thal, die Ab-
haltung besserer Instrumental-Concerte, wie sie
Herr Rühl mit seiner Kapelle aus Zörbig bietet,
hat hier gänzlich gefehlt und wurde von dem musik-
liebende» Publicum schmerzlich empfunden."

Frankfurt a. M. M. S.: In der „Didas-
kalia" (Nr. 291) lesen wir: „1619 mußte im
Binnenhos der Burg zu 's Gravenbage Johann
von Oldenbarncvcll, der Kanzler von Holland,

auf An,tiflen des Prinzen Moritz von Dramen,
durch ungerechte Richter zum Tode verurlheilt,
unter dem Schassot sein Leben lassen." — Wie
fant Dldenbarnevelt unter das Schassot?
Er wollte sich wohl verstecken.

Göttingen. U.: Besten Dank! Indessen
käme cs jetzt doch allzu spät.

Gießen. 3k S.: Der „Gießencr Anzeiger"
vom 16 Dec. enthält solgende allerliebste Anzeige:
„Die Unterzeichneten verwahren sich dagegen, daß
die in Nr. 291 dieses Blattes als Geinüsehänd-
lcrin bezeichnete Diebin des Henkelkorbs keine
Gemüjchäudlerin ist, sondern ab und zu mit
Mcerrellig handelt. Sämmtliche Gemüse-

Kornthal. K. I : In dem Roman „Lisbeth"
von Z. vo» !Ik. (I. Glems- und Würm-Gauzeilung,
Nr. 89) heißt es von einem Gelehrten: ..Die
Wissenschast war ihm niemals die nährende Milch
gewesen." — Es scheint eine Verivcchslung der
Kuh mit der Milch vorzuliegen.

Leipzig. I'r O. S.: Das „Leipziger Tage-
blatt" (438) berichtet unter „Wien, 15. D-cemb.":
„Erzherzog Si-gismund ist heule gestorben. Erz-
herzog Siegismund war am 7. Juni 1826 geboren
und war unverheiraihet. Er ivar ein älterer
Bruder des an derselben Krankheit verstorbenen
Erzherzogs Heinrich." Demnach scheint man am
Unverheirathetsein zu sterben. Eine beherzigcns-
werlhe Warnung für Junggesellen. — D. L. C:
Fehlerhafte Verse hat auch Schiller gemacht, das
berechtigt aber keinen schlechten Dichter, sich aus
ihn zu berufen. - A. T.: Mit Dank abgclchnl

Lippstädt. W.: lieber eine grausame Thal
berichtet die „Lippstädter Zeitung" (Nr. 100) in
grausamem Stil solgcndcS: „Zivci Arbeiter, Fr.
und B, bekommen auf der Langenstraße Streit,
B. läuft ivulbschnaubend in seine aus der Kahlcn-
straße gelegene Wohnung und fordert ei» Beil,
kommt jedoch nur mit einem Slocheisen heraus,
womit er einen andern Knecht verwundet. Nach
ihm verläßt der Bruder des B. dessen Wohnung,
und als er den Bruder des Bersolgte» sicht, stichc
er diesen Dastehenden argloS ins Genick Merkt
aber nichts von der Bcriviindnnq. ivundert sich
über das ihm eiilstromeiide S3lut und geht zum
Bahnhos, um nach Horn zu jahren, da er in
Schmcrleke wohnt."

Meiningcu. N. N.: In eine», Bericht über
die fürstliche Hochzeit in Rudolstadt, ivelcher der
„Dorszeitung" (Nr. 291) zugegangeu ist, heißt es
». a.: „In vier weiteren Wagen folgten die Eltern
der Braut." — 38ie ivarcn dieselben aus die vier
Wagen vertheilt?

München. PH I.: Für „»scr Blatt nicht
geeignet.

Rnhrort. D. L: In der „Köln. Zeltg."
finden ivir folgendes Inserat:

„Für Rectoraljchule 'Hcnie iviid ein Lehrer
oder Candida! für neuere Sprachen gesucht zur
Vertretung bis Ostern 1892. Nemuncration >25
Mark monatlich

Für dieselbe Schule zu Ostern 1892 gesucht
ein kacholischer Mitlelschullehrer oder Eandidat
des höheren Schulamtes behuss Erthcilung des

Unterrichts in den neueren Sprachen. Ansangs-
gchalt 1400 M., steigend von 2 zu 2 Jahre» um
10 M. bis zu 2300 M. Miclhscnlschädigung sür
Ledige 150 M., sür Verheiralhete 300 M.

Bewerbungen zu richten an den Unterzeichneten.

Herne, den 8. December 1891.

Der Amtniann:
Scharfer."

Was sür glänzende Aussichten! In 180 Jahren
würde hiernach der Lehrer die höchste Gehaltssiuie
erreichen, salls er jo lange aushält.

Stuttgart. T.: Wenn in der „Feuerbacher
Zeitung" (Nr. 150) die Liebe „der rechte Quell
der Quase in der Wüste des Lebens" genannt
wird, so berührt zwar diese Allitteratio» sehr an-
gciichni, ganz richtig ist das aber doch nicht.
— 33.: Dem Stuttgarter „Neuen Tageblatt" ivird
aus Geislingen vom 9. December berichtet: „Bei
der heutigen Gemeinderathswahl ivarcn vier Mil
gliedcr zu wählen und wurde der gemeinsame
Wahlvorschlag der deulsihen Partei und des Gc-
flügelvereins angenoininen." Wie sich das zusammen-
reimt, ist und bleibt wohl cm Raihsel.

Teterow. F. S.: In der „Teterower Zeitung
vom 9. Dezember ist solgende Anzeige zu finden:
„Knecht Heinrich Säubert, geb. in Röbel,
jetzt in Todcndors beim Erbpächter Sulzmaiin giebt
sich dajür ai:s, Menschen und Thiere als Wunder-
Doktor unentgeltlich zu kuriren." Es ist nicht recht
klar, ob durch düste Anzeige Säubert empjohlen
oder ob vor ihm gewarnt werden soll. Letzteres
wäre wohl richtiger. — I» demselben Blatt zeigt
W. Kruse an, daß er „ein einstöckiges Wohnhaus,
worin zwei Wohnungen mit W>e>e und Garten
sind," zu verkausen habe.

Potsdam. 3k.: Von „Otto Ludwigs ge-
sammelten Schriften" sind bei Fr. Will,.
Grunow in Leipzig die Licserungcn 25 und 26
erschienen, mit denen aer sechste Band des Werkes
abschließt. — Aus eigenem Verlag in Würzburg
ging uns zu: „Der allein echte lustige
Herriedener Laubfrosch. Ei» humoristischer
Bolkskalcnder und Wetterprophet sür daS Schall-
iind Jubiläuins-Jahr 1892."

Putbus. G.: Das Zeitwort „kollern" wird
auch sonst zuweilen Iran>,Iiv gebraucht.

Waldenburg in Schl. F. F : 'Aus einem
Aussatz über „die Zeichen der Trauer bei de» ver-
schiedene» Völkerschasten", welchen „der Feierabend
des 'Arbeiters" bringt, erfahren wir: „die Hunnen
verschnitte» ihre Haare bei dem Tode inreS Königs
3ltiua, che sie diesen Heldensürsten in sein senchteS
Grab im Busento bargen".— So sind wir wieder
einmal in der Schule falsch gelehrt worden. Da-
mals hieß cs, daß es Alarich gewesen sei, den
seine Landsleute, die Gothen, im Busento be-
graben hätten.

Zerbst. P. L.: In der Zerbster Zeitung"
vom 5. December zeigen Julius Wolf u. S o li»
mit feiler Schrift an: „Die Zcitungsschrcicreien von
Damen-Mänlclii und Herrcn-Ueberziehern nehmen
kein Ende. Wir erklären hiermit, daß wir ohne
Zeilungsichrcieiei halb >o lheuer vcrkauicu ivie
andelc." — Schreie» Julius Wolf u. Sohn
nicht auch ei» bische» ?

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