Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 44.1891

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Briefkasten.

Berlin M. K.: Wir empscl>len Ihnen die
prächtig ausgestattete „Preisliste über Gegenstände
znm Ziinmerschmuik von I. C. Schmidt in Erfurt
(Telegramm-Adresse: B l innen sch mibt). — W.
A.: Unter dem Titel „Das Holiciizvlleni-Museum
zu Berlin" ist soeben im Kunstverlag von Dr. E.
Mertens L Cie. hier ein sehr geschmackvoll ansge-
statteteS kleines Werk erschienen, das dreizehn
schöne Lichtdruckbilder enthält. Der Text rührt
von Paul Lindcnbcrg her. — A. D.: So ver-
hält sich also die Sache: Wenn die Schuhmacher
von Hildesheim aus der Braunschweiger Messe
ihr Leder eintaufen, so senden sie ihren Kunden
Honigkuchen und „Schachteln." Besagte Schachteln

_ Schächtelchen sind gestillt mit Honigkuchen-
krümeln. Dieser gute alte Brauch soll zum Leid-
ivesen vieler Kinder abgeschassl werden. — Wir
danken für gütige Belehrung.

Bromberg. H.: In ebenso origineller wie
anschaulicher Weise berichtet das „Bromberger
Tageblatt" (Nr. 268) über die letzte Mondsinsterniß:
„Um etwa 1 Uhr bemerkte man im Südwest, tvo
die Mondsichel stand (bcr Erdschatten hatte schon
den übrigen Mondtheil verfinstert), eine Kugel,
deren unterste Spitze grün, deren Milteikörper
gelb, und deren oberer Theil roth bis gelbroll,
war. Nachdem liese irissarbige Kugel in die
Mondsichel eintrat, trugen sich die genannten Farben
ans die Sichel Über, Nach etwa einer Viertel-
stunde verschivandcn die Farbe» und es trat voll
ständige Finsternis; ein, die jedoch nur wenige
Minuten dauerte."

Bopfingen. P. B.: In der „Wlirttcmber
gischk» Kriegerzeitnng" lesen wir: „Schillers
Geburtstag (gcb. 10. November 1858, ist, wie all-
jährlich, zu Marbach in würdiger Weise gefeiert
worden." — Was ist das für ein junger Schiller,
der so gefeiert wird? Ist er vielleicht verwandt
mit dem verstorbenen Schrislsleller F. v Schiller?

Bremerhaven. E. H.: Der „Nordsee-Zei-
tung" (Nr. 278) wird a»S Lehe geschrieben: „Eine
sehr abnorme Bildung wurde, >vie »ns auS unser,,,
Leserkreise mitgethei» wird, Üci einem von einem
hiesige» Einwohner gezüchteten Hennenküken beob-
achtet. Ta dasselbe sich nur jchivcrsällig bewegen
konnte, wurde eS geschlachtet. Bei der Oessnung
fand sich, das; das Thier zwei Herzen halte, ferner
war die Leber so stark entwickelt, das; sie die
Größe einer Kalbsleber halle Wie schade, das;
das Huhn geschlachtet worden ist. Vielleicht hätte
sich diese für die Küche io vorlheilhaste Spielart
mit zwei Herzen und einer Kalbsleber weiter
züchten lassen.

Dortmund. A. K.: In der „Dortmunder
Zeitung" vom 18. November lesen wir salgenden
Aufruf: „Der Fabrikarbeiter Josef Molitor von
Hörde, Klarenberg 6, zuletzt in Bochum wohnhaft
gewesen, soll als Zeuge vernommen werden.

Da dessen Aufenthalt unbekannt ist, so wild er
selbst, sowie Jeder, ivelcher über den jetzigen Auf-
enthalt etwas angeben kann, ersucht, hierher
oder der nächsten Polizeibehörde Mittheilung zu
mache». (U. 591 - 91.)

Dortmund, den 14. November 1891.

Der erste Staatsanwalt
Die schönste Hausmusik für die
kommende Zeit!"

Das wolle» wir doch nicht hassen.

Emmendingen (Baden). E. H: Der
„Hochberger Bote" (Nr. 138) meldet: „Aus

Seckenheim wird der seltene Fall belichtet, das;
eine Kuh die Kälber geworfen hat." — Ist das
wirklich so selten? Wer wirst denn sonst Kälber?

Dresden. E. M.: Der „Dresdener An-
zeiger" (Nr. 326) schreibt: „In einem neueren
Telegramm aus Belgrad wird der „Neuen
Freien Presse" die völlige Entkönignng des
leichtsinnigen Milan bestätigt." — „Entköni-
gung" ist gut."

Erfurt. Tr.: In, „Allgemeinen Anzeiger
für Stadt und Kreis Erfurt" (Nr. 272) empfiehlt
Alb. Schmidt sei» Hotel „Rheinischer Hof"
seinen geehrte» Gästen „zum Todicnscsl" und be-

Auswahl _, , ........

ans eine rieht muntere Todlcnfeier zu rechnen.

Frankst,rt a. M. M. ©.: Wie es scheint,
werden die Verfinsterungen der HimmelSpörper
von der Polizei oder sonst einer Behörde
angeordnet. Wir schließen das aus folge,der

Notitz des „Franksurler Journals" vom 18.
November: „Die Sichtbarkeit der totalen Mond-
sinsteiniß in der Nacht znm Sonntag war in
Berlin bei fast wolkenlosem Himmel vom Welle,
erheblich mehr begünstigt, als sich »ach den letzten
regnerischen Tagen hassen ließ. Vorschriftsmäßig
begann die Verfinsterung um 1t Uhr 28 Minuten. I

— O.: Jägern, die sich für die Veredlung unserer
Hunderagen interessiren, ist das solgende Inserat
im „General-Anzeiger der Stadt Franksurt" (Nr.
272, zu empsehlen: „Hund, von königl. Ober-
sörster stammend, echte »Joffe, 4. Feld, steht bom-
benfest vor, hasenrcin, sebr schöne Figur, eintra-
gungSberechtigt. Kaufpreis M. 180. Offerten
unter D. F. 632 an Haasenstei» & Vogler, A.-G ,
Franksurt a M."

Görlitz. T.: O weh!

Grimma. C. E. N.: Für unser Blatt nicht
geeignet.

.Hirschberg. H. S.: Vom 42. November
ist die Nr. 277 des „Boten aus dem Nieien-
Gebirge" dalirt. Gott sei Dank, daß dieser trau-
rige Monat in Wirklichkeit nicht jo lang ist.

Hamburg. 9J. H.: Aus einem laleinijcbe»
Gedicht aus der Zeit Simons von Monlfort, des
Veriheidigers der llagna Charta rühren die Verse her:
..Oieitur vulgärster: nt rex vnlt, Isx vadit
Verstau vnlt aliter, nam lex stat, rex cadit.“

Göttingen. G. H.: Die „GölliiigerZeitung"
vom 20. November berichtet: „Der Washingtoner
Gelehrte, Professor Gar»er, wird sich in kurzem
nach Wcstasrika begeben, um die Sprache der Go-
rillas zu studiren. Herr Garner benutzt bekannt-
lich den Paragraphen zur Feststellung der Asjen-
sprache." — „Welchen Paragraphen?" fragen Sie.
Natürlich de» ß II.

Halle a. Z. Dr. B.: In Schubins Er-
zählung „Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre"
(l. „Western,an ns Monatshefte") finden
wir folgenden schönen Satz: „Dieselbe ist unbe-
dingt eine schöne Erscheinung, wundervoll gewachsen
und mit einem regelmäßig geschnittenen, von sorg-
fältig gepflegte;» blondem Haar umrahmten Gesicht,
da« unter ihrem große;, Florentiner Hut rückwärts
glatt und fest hinaufgedreht ist " — Wir können
uns das niclit schön denken.

Hildeshpii». B : Doch nicht schlagend genug
dnrchgesÜhrt.

Hamm. 91.: Im „Leo" (Nr. 47) bedankt
sich jemand bei den armen Seelen im Fegefeuer
dafür, das; sie ihn von einem hartnäckigen Kops-
leiden befreit habe». Ihr Honorar dafür bestand,
wie wir zum allgemeinen Besten miltheilen wollen,
in einer „Meßnovene." Ganz in Ordnung wjrd
es aber doch wohl mit seinem Kops noch nicht sein.

Ilmenau. N.: In der „Norddeutschen Allge-
meinen Zeitung" vom 23. November finden wir
folgende Anzeige:

"" 'binfiungen.

Das ist jedenfalls neu-'

Königsberg. O.: In der „Königsberger
Harlung'tche» Zeitung" vom 20. November wjid
bekannt gemacht: „Der Chklns von Vorträgen
Über Architektur und Stil des Herrn
Negierungs-BaumeistersWolss beginnt nicht
am heutigen Tage, sonder» Freitag, den 27. No-
vember, Nachmittags 4 Uhr." Es jsf ersxeulich,
einmal einen Archilefte» zu finden, der einen eigenen
Stil hat.

Leipzig. L A.: In seinem im „Leipziger
Tagebla i" peröjfentlichtenAufruf sagt das..Bcjcliec-
rungscomits für die Kinder würdiger Almen" ».
a.: „Wahrhaft ergreifend ist um dlste Zeit lliäm-
lich »m Weihnachten) das Feuermeer der Liebe,
voni Throne bis zur Hütte, das Licht und Freude
anznndc» will." Von eineni Feueimeer wird
sonst eher eine verheerende Wirkung erwartet.

Liegnitz. F. H.: Mit Dank abgelehnt.

Mainz. G.: Das „Mainzer Tageblalt"
(Nr. 318) schreibt: „Im Verlag von Ernst Lieg-
sried Mittler »nd Sohn i;; Berlin > Hochstraße)
ist erschienen: „Geschichte des herzoglich
Nassanische» 2. Regiments, Stamm des log!. prenß
2. Nassanische» Infanterie-Regiments Nr. 88, 1803
—1866. Im Aufträge des Regiments zusamiiieii-
gestellt von Jseubart, Major und BalaillanZ
kominandenr im 2 Nass. Jnf.-Regiment Nr. 88.
Mit 17 Skizzen »nd einer ilebersichlskarte.

Das Magazin für die Lilleratur des Jn-
und Auslandes sagt i» einem Artikel über dieses
Buch: Die vorliegende Schrift des berühmten eng-
lischen Forschers ist innerhalb weniger Monate in
drei Auflagen erschienen, und das liebenswürdige
Büchlein verdient diesen Erfolg vollkommen. Es
ist so frisch und anregend »nd dabei so „Kamel)",
so gemüthlich geschrieben, so durchduflet von der
Atmosphäre eines gute» intb weisen Menschen, daß,
wenn wir cs wieder in die Hand nehmen, etivas
von de» Freuden des Lebens in unsere Brust zu
ziehen scheint."

Diese anerkennenden Worte sind ursprünglich
wohl für ein anderes Buch bestimmt gewesen.' |

Mühlheim lRuhtt. K.: Leider »Ich, möglich
iDsfeiibach. H.: In der Stadt Offenvach
brach am 13. d. Mts ein Feuer aus, das alsbald
gelöscht wurde. Darüber berichtet die „Offenbacher
Zeitung" (Nr. 267) und schließt ihren Bericht mit
den Worten: „Der Brand ivar in einem Hvlzstall
entstanden und hat keinen Schaden genommen."
Wie sollte er auch?

Potsdam. R.: In der dritten Auflage ist
erschienen: „Allerhand Sprachdiiiniiiheitci,
Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des

.v des Häßlichen. Ein Hilssbuch für

öffentlich der deutschen Sprache be.
De. Gustav Wustmann.

» sin.«.») j'Äf'

tungsschreibcr als fieitic.ben sehr z„ cmviebie»
i». - Ans Rlchaeb

Aus Richard Mühliiic.....

Handlung (Max Große) in Halle
zi,gegangen: „Der alle »nd der neueHonbe'
Bon einem Jnristei, " Die kleine Schrift, die uns
;n htttzscher Ansstalkung vorliegt. ist bereits zum
achte» Mal au,gelegt. Sie ist gerichtet gegen den
Versager der „Ernsten Gedanken." — Bon der
schoi, durch uns empfohlenen vierten Auslage des
'""stritten „Don Quixote" (Riegor-sche Verlags-
handlung ,n Stuttgart) lieg, uns jetzl der Res,
und der ganze zweite B.»,d vor »ebs,
hiibsthen E nbgnddecken zu beiden Bänden. Das
Buch ,st also noch rechtzeitig zu Weihnachten fertig
geworden. — Alls dem Verlage von Lipsins
& Tischer in Kiel und Leipzig erhielten wir:
„Deutsche Schriften für Lilleratur und
Kunst," herausgegebe» von Engen Walsi, ,
Reihe, Heft 4 - 6, enthaltend: „Ter Nguiralis-
mu s und seine Stellung jn der Künste,itivlckelima
vo» Bel, Walentin., Fritz Renler. Heinrich
-eidel „nd der Humor in der neueren deutschen
Dichtung von Dr. Alfred Biese: Zolq „ich di?
Grenzen vo» Poesie und Wissenschaft" Ferne, '
aus demselben Verlag nich p.m demselben heraus-
llkgeben: „Deutsche Schriften für nationales
Leben," I. Reihe, Heft 3 und 6, enthaltend:
„Die Ideale der Sozialdemokratie und
die Ausgabe des Zeitalters vo» G nstav Gl og au:




Lina Morgenstern, Luise Otto Pet
GräfinBllfyw v. Dennewitz n. s. w." — N. N:
„Denn, ivo das Strenge mit dem Zarten, wo
Starkes sich und Müdes paarten, da gib, es einen
guten Klang." So denkt auch B. Gunttnski ln
Potsdam und empfiehlt znm Donnerstag Abend
„Dicke Erbsen, Sauerkohl und Pökelfleisch, ver-
bunden mit Orcheslrion-Concerl."

, Posen. Hlaiiimtisch I,„ rpthe» Bullen.
In der „Neuen dem schon Zeitung» (Nr. 21, wird
zur Belehrung der Leser von einem Vogel erzähl,,
Ivelcher Spei« l)cif;t und in Indien zu Hause ist.
„Aus Grashalmen webt er sich ein Nest i» Ge-
statt einer Flasche, das wie ans Tuch gemacht
aussieht. Dieses Nest in welchem sich zwei bis tzref
gesonderte Kämmerchen befinden, wirk, vo» den,
kleinen Vggel Ngcssts inst einen, Glnhwnrnie be-
ieudjtet, de» er zu diesem Zwecke lebendig säng,
und innen an der Neitwand nstl etwas seuihlcm
Lehm besestigl." — Das war früher, seitdem ist
langst schon in allen Loxianeslern elektrische Be-
lenchlung eingejl'stltt-

Schwcrin i, M. L. S : Nach den „Meck-
lenburger Nachrichte»" (Nr. 247) besteht in Berlin
ein „Männcrbinid zur Bekämpfung der Sittlichkeit"
Das mag sein, daß derselbe aber — wie das
Blatt weiter berichtet — an hoher Stelle um
Protection nachgesnchl hat, ist entschiede» uo-
glanblich

Stendal. B. L : Nicht zu verwende».

Stuttgart. L. G: Es ist wahr, daß be!
den Sladlverordnelcnwahlen UI. Abteilung in
Berlin j,n 3«. Wahlbezirk Schulze „nd Mülle,
in die Stichwahl gekommen sind. Wir könne»
Ihnen zu Ihrer Beruhigung mitlheilen, daß das
gute Einvernehmen zwischen de» beid.n verständige»
Männern dadurch in keiner Weise gestört worden ist.

Würzburg. H.: Nein, es genügt uns nickst.
Wenn Sie die Worte:

„Vidos vut alta stet eiro candidum Soracte“ —
metrisch in dieser Form wiedergeben:

„Der Höhberg ist ganz weiß, und 'S schneit
immerzu —"

so baden Sie doch die Feinbette» Horazischer
Dichtkunst noch nicht ganz ersaßt.

Ziesar. P.: Der „Anzeiger für Ziesar"
(Nr. 82) schreibt: „Dem Reichslag ist ein Gesetz-
enttvmf belr. die Aenderung des Artikels 3t der
Reichsversassnng zugegangen Ein Zusatz zu diesem
Artikel bezweckt: die Humanität der ReichstagS-
abgeordneten fürs die Zeit der außergewöhnlichen,
längeren Vertagungen zu siispeiidiren.' — Nanu!

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