Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 45.1892

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Sit- 6. Gerlin, den 7. Februar 1892. XLV. Aa/uMIlg.

lüodlßnRafeadßc.

Montag, Den 8. Aebruar.

gut den erledigten Posten eine» grjuilcn-
Grnernl» hoben sich b-r-iiS über lausend Be-
werbet gesunde,u AlleRcligionc» »ndLonsessionen

Dienstag, den 9. Isevrnar.

Mittwoch, den IO. Februar.

,1n Düsseldorf ho, da» neue Einkoinmcn-
fteuer-Wcsev INS Millionäre an» Lichi gebrachi.
Dieselbe» Halit» c,nen Umzug durch die Sladl

lUotfipn ftftfßnrfer.

Donnerstag, den 11. AeSruar.

Sn Berlin lriil der llarncuol ziemlich iriib.
selig aus, da di- siollesten Lebemänner hinter
schloss und Riegel sitzen. Man schlägt oor, sie

Krettag, den 12. Februar.

Emin Pascha erscheint plötzlich in Wadelai.
Die Eingebornen begrüben lhn sestlich mit de»

Willkommen, du aller Patron!"

Sonnabend, den 13. Jsebrnar.

Blätter bringen die Nachricht, dos, Eros
Kleist von, Loh nach Berbügung seiner Sirase
nach Asrika »u gehen gedenke. Die Köst-nstäminc
ilsrikaö ziehen sich in« nnzugängllche Suncre zurück.

Kladderadatsch.

KlllimPjU- saimscüe.8

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Me cntörditc Verschwörung.

--

«ie tiefste Ruhe herrschte im guten preußenland,
Man ahnte nicht, in ivetcher Gefahr man sich befand:
Daßheimlichetwasvorging.warnurdenGlügstenkIar,
And die auch hätten nimmer gewußt zu sagen, was es mar.

Da ward ;n rechter Stunde dem Lande noch erweckt
Gin Netter, der das Unheil im Werden gleich entdeckt:
Mit lauter S'timnie rief er die Lürger aus dem Schlaf,
Des deutschen Reiches Ganger Caprivi war's, der
junge Graf.

Gr rief: „Dem Lande thu' ich das Unerhörte kund:
Ganz heimlich wird gestiftet ein neuer Niesenbnnd;

Cr eint die Liberalen in traulichem Verband,

Cs reicht, dem grimmen Gnörcke schon Lenuigfen die
Gruderhand.

Cs hat ein schlimmes Ziel stch erkoren der Verein:
Dem Gampfe mit der Girche will er sich gänzlich meihn.
Ganz fern im Hintergründe, kaum zu erkennen mehr,
Naht schon, ihm beizuftehen, der Atheisten wüstes Heer.

Doch ob die wilden Rotten auch dräuend stürmen an,
Zch weiche nicht vom Platze, ich stehe meinen Mann.
Cs hilft mein treuerGnappe Graf Zedlitz mir im Streit,
Dazu manch guter Ritter sowie die hohe Geistlichkeit!"

Oie Liberalen standen beschämt und arg erschreckt,
Was heimlich sie gesponnen, sie fahen's aufgedeckt.

So leise, Last es halb nur der Rebenmann verstand.
Sprach mancher ihrer Führer bestürzt: „O weh, wir
sind erkannt!"

Doch schnell gefaßt erklärten sie ernsten Angesichts
Vor allem Volk: „Wir wissen vom neuen Lunde nichts!
Äs will uns unbegreiflich erscheinen, wie 's geschieht,
Dafz man am Dönhoffsplatze zur Mittagszeit Gespenster
ft-isto-

So wurde die Verschwörung im Geime schon erstickt.
GH' sie in schweres Unheil das ganze Land verstrickt.
Die Seifenblase platzte, der holde Traum zerrann.

Der große Gnörcke blickte von Lennigfen voll
Wehmuth an.

Als nun dem Zeitungsleser das Unheil wurde klar,
Das uns gedroht, da sträubte vor Schreck sich ihm das Haar.
Doch jetzt herrscht wieder Ruhe, und mancher spricht erfreut:
„Tn Frieden darf ich schlafen, wie 's ja die Lürgerpflicht
gebent.

Verlangt wird sonst vom Staatsmann im allgemeinen nicht,
Daß tapfer er mit Feinden, die nicht vorhanden, ficht:
Doch nufere Regierung erkennt von ferne schon
Mit scharfem Seherblicke Gefahren, die noch gar nicht
dröhn."

r -■ Msdökrsösffch.
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