Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 45.1892

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Hr. 4o {Berlin, dc» (>. Uoucmbci' 1888 XLV. $ftfirß(inß.

IHoiftenftateinfec.

Montag, den 7. '2ToDcm6cr.

In drohendem Ton EiigcninS {pi’idjt:

„Ob Stryck wohl ailniiumt? Ich glaub' /

Piengag, den k>. November.

Mil einer einzigen Stimme schlug
Ten Gegner er, das ist nicht genug!"

Mittwoch, den !>. November.

Doch sich, der nnbcrzeigic Mann
Ninimt ohne Besinnen dankend an.

HMcn6afpinfec.

Jonncrsiag, den 10. November.

\ Laut schallt cs ans jedem Bezirksvcrein
x „Wir protcstiren! Das darf nicht sein!'

Areitag, den l>. November.

Doch »r. Strtzck sitzt lächelnd fest
Ans seinem Platze: „,1V suis, j'y reste!-

Sonnabend, den 12. November.

Wohl dem, der ruhig steht dabei
Und spricht: „Mir ist cs einerlei."

Kladderadatsch.

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^)er ^rieöensengel.


I I I ie matt Hoch anöcrs im flemüttj Oes Dichters lief)
^ ( > 2luf) fcör uief fcfjöaci; maiicfjcs, als c-s mirfificf) ist.

Dafür ein Wrifjiicf Deut Der -fricöciTsenflcf dar,
Der üci Wielen Qäufig ist und fcfjr öeficöt.
litte Iteltt ihn reizend fiel) und uns öcr Dichter vor!
Ein tteDttch Lntliß gifit er ihm. heißt »m den Wund
Ein Lächeln fjuefen ihm i»ie frühlingssonneillcheiii,
Indeß ihm ans heu Lagen glänzt des Himmels -Wau.
Ml goldnen ttoefien kränzt er ihm die heitre Stirn,
And in die Hände giöt er eine Mlme ihm.

Die holdeil Hlieder hiitlt er in ein schneeig Weiß,

Ml faltigem Hemande ganz liekleidend ihn.

Zwei tueifje Flügel heftet an die Schulter» er
Dem .friedensengel, diese rauft hemegend faßt
El- ihn hegliichend »iederschmehe» auf die Welt.

Honz anders wirklich sieht der Friedeilsengel aus:
Statt eines weiten, faltige» Hewandes trägt
Er eine Hof und Wesie von carrirtem Stoff
ülnd ein Jackett darüker. wies die DUohe miss.

Luch Stiefel trägt er, die ihm nie der Dichter gißt —
Wie auch der .Waler, wenn er einen Engel matt.

Die zarten <fitßc immer »»hefchuht ihm läßt.

Schön ist er nicht von Lntliß imö symjiathisch nicht,
Uon goldnen Locken sieht man nichts au seinem Haujit,
Dafür jedoch schmückt eine Rufennadel ihn,

And goldne Rnöiifchen trägt an den Wanschetlen er.
Nicht ail de» Schulterknochen wuchsen Flügel ihm.
Denn niefjt zu sticgeil kraucht er, soildern fährt zumeist
.1» eigner Eguiiiage, welche ivohl kefiiannt
Wit edleil Roffeil, schöne», gutgejiffegte», ist.

Hcivöhnlich aker ruhig sißt er im Eontor
Luf einem Drehstuhf vor ihm liegt ei» Eontolmch
In das er schmunzelnil ungeheure Zahlen schreikt.
Dazwischen langt er in die Tasche all »nd z»,

Zieht eine Dose aus herfeCOcu, öffnet sie

And nimmt ein Frischen, il, wer hätte das gedacht,

Daß Engel schill>i>feil! Lker dieser Eilgel thut's.

So faß den wahren Friedensengel ich ivl Heist,

Lls eken zorilig uon ihm fort der Riiffe ging.

„D dieser Rothschild!"- Drummf er-„Held hat er genug,
And nur fünfhundert fumjuge Wiffioncn raiff
Ich von ihm haken! Doch der Nnicker j»u»iit mir nichts.
So muß ich Friedeil halten aus Nothwendigkeit."

Kladderadatsch.
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