Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 45.1892

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Rr. 10. Serlin, den 8. Mär? 1892. XLV. McgailjJ.

IBotfienftafemfer.

Montag, den 7. März.

Wenn du, u Sohn. cin Nörgler bist.
So stör' mol aus mein Wort:
Glaub' mir, dab Allerbeste ist,

Tu machst dich eiligst sorl,

Dienstag, den 8. März.

Dem Laiciland ade,

lind Ilopsc die Paulofseln auö

MttlwoK, den!>. März.

Wad willst dri in der Hclmath ihnn.
Wo doch dir nichts gesälli?

In »lein Popo, in Kamei-un
Ist besser eb bestellt.

Molsienkalenller.

Donnerstag, den IO. März.

Hier liest man dir doch nur den Teil
Und stellt dich gar nicht gern.

Geh bin da, wo tnr Pfeffer wächst,

Jsreitag, den II. März.

Auch im Polarland druck, keiu Schub
Den, der Pantoffeln trägt.

Da kannst du nörgeln Immerzu

Sonnabend, den 12. März.

Pack deinen Koffer, glaube nicht,

Daß man dich hier bermisil.

Komm möglichst bald mir auger Eicht,
Wenn du ein Nörgler bist,

Kladderadatsch,

AummPsili- fattrifdks lllüifmififatf.

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faß ich Dlacljmittags öci meiner Zeitung.

Nicht alles, was ich in den Sjiaften fand,
'^r flefief mir, ans der Hand fegt' ich das Malt,
Lehnt' in das Sopha mich zurück und ließ
Mir durch den Sinn gehn, was die letzten Jahre
Erfreuliches und Eriiöes uns gebracht.

Dann fragt' ich mich: „Nie wird die Zukunft sich
Hestalten? wird dem Land der <fricbe komme»,
De» wir ersehnen? Verden ärger noch
Ja Haß und Neid die Nürger sich entzweien?"

Da kein Prophet ich bin, fo könnt' ich ilicht
Die rechte Antwort finden, uild im Sinnen
And Hrübelu nahte, wie nach Nlitlag das
Luch andern Sterblichen ja wohl geschieht,

Als freundlicher Erlöser mir der Schlummer,

And mit ihm kam ein wunderlicher Traum.

Mir träumte, daß das Nolk gestalten war
In Streit und Zank, wie das in Mirktichkeit
Ja bei uns ist: der Lrmuth wild Regehren
Rang mit der Neichen nimmer satte» Habgier,

And in Öen Kampfruf der Parteien schoss
Die Mahnung frommer Eisrer: „Nur die Nirche
Nermag zu helfen, wehe unser,» Nolk,
wenn» es zui» Hlauben ilicht zurück sich wendet!"

V a u m.

Da trat der Herrscher »or sein treues Volk
And sjirach: „wir asse wossen gute Menschen
Zu sein uns mühen, doch wir wossen nicht
Am Hlaubensfätze streitend uns erzürnen,
wer an geweihter Stätte näher sich
Dem Himmel fühlt, zur Kirche mag er gehn;
wer als Nermiltler nicht den Priester braucht,

Der bete stiss in feinem Kämmerlein:

And wer zu sprechen nicht »erwäg: „Ich glaube",
Doch schlicht und selbstlos feine Mcht erfüsst.

Er fass uns als ei» fchlechtrer Alan» nicht gelte».

So laßt im Lande uns als Kräder wohnen
Nerträgtich, jeder helfe gern dem andern
Des Lebens Noth und Leiden zu ertragen."

Als diese Kotschast durch das Nolk erging,

Da fühlten laufend Herzen sich befreit
Non schwerem Druck: die Hassen süssten sich
Mit froh bewegten Menschen, einer ries
Dem andern laut die gute Kunde zu.

Mich selber litt es nicht im engen Zimmer,

Ich fuhr empar — da wich uon meinen Lidern
Des Schlummers Kann: noch auf dem Sopha faß ich.
vor mir noch lag die Zeitung ans dem Tisch.

And klar ward mir, daß eben ich geträumt.

Kladderadatsch,
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