Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 49.1896

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Briefkasten. MiZS:

Altcnburg. I. HFürst Bismarck hat
den bekannten Ansspruch in der Neichstagssitzung
vom 6. Februar 1888 gethan. Der Wortlaut
ist: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst
nichts in der Welt."

Berti». K.: In der „Deutschen Gastwirthe-
Zeitung" (Nr. 42) singt Louis schwach:
„sind» «locke» dem, allein, die hin zue Andachl locken?
Cb noch io hoch der Schall. M-lall erklingt nur ,rocken.
Doch Pfingsten Ist ein Fei, de» Wachelhum« nnd lNedeihn,

Gleichwie die Binme aller Ar, beisammen stehen
Nnd lroo Verschiedenheit nicht von einander gehen.

So sei dte ganze Menfchheil, wie fie steht nnd geht,
Klillsricdtich nnd verträglich - da» ist Piingstgebetl"

Es ist tröstlich, daß die wahre Pocste noch
längst nicht ansgestorben ist.

Betsdorf. F. A : Ihre aus der Kneippschen
Kuranstalt „Germania-Bad" datirtcn Verse
sind recht bös. Wollen Sic nicht auch für Ihren
Kopf einmal einen Versuch mit der Kaltwasser-
behandlung machen?

Charlottcnburg. V E.: Die „Vossische
Zeitung" vom 23. Mai enthält folgendes Inserat:
„Ein Kindermädchen zu einem Päppelkinde mit
guten Zeugnissen gesucht." Wie es scheint, ver-
langen die Knidermädchen schon, daß die Kinder
ihnen gire Zeugnisse vorlegen.

Danzig. H. 2.: In ben
Westpreußischen Zeitung" (Nr. 1 .
zu Pr. Siargard veröffentlichten Gcbühren-
lautet ein Zusatz zu Nr. 4 der die Schlacht-
gebiihren betreffenden Verordnungen: „Als Kälber
werden alle Thiere, die weniger als 125 kg
Lebendgewicht haben, angesehen." Also unter
Umständen auch Schweine.

Toinna» i. Ostpr. H. S.: Sie schreiben
uns: „Ich habe einige sehr schöne Witze auf
Lager, denen man einen politischen Charakter
beilegen kann und ich dieselben für Ihr Blatt
alsdann für paffend finde." Wir bitten Sie
dringend, die Sachen »och eine ganze Reihe von
Jahren ablagcrn zu lassen, sic können dadurch
nur gewinnen. .

Dresden. P. L.: In Nr. 252 des „Berliner
Tageblatts" wird über den Raubmörder Köglcr
gesagt: „Ein blonder Schnurrbart bedeckt seine
Unterlippe." Vielleicht trägt Köglcr auf der
Oberlippe eine Fliege.

Düsseldorf. E. V.: Der „Barmer Zeitung"
<Nr. 1l8) wird aus Düsseldorf geschrieben: „Ein
schweres Gewitter, begleitet von wolkenbruch-
artigem Regen, entlud sich heute Abend über
unsere Stadl. Mehrere sehr schwere Schläge er-
schreckten die Einwohnerschaft, glücklicherweise ohne
irgendwie zu zünden." Die Ansicht, daß beim
Gewitter der Donner das Gefährliche sei, ist noch
immer in weiten Kreisen verbreitet. Die Wiffcn-
schast bat aber längst festgcstellt, daß nur der
Blitz in manchen Fällen zündet, der Donner
niemals, und wenn er auch noch so lärmend
austritt.

Eminendiiige». E. H.: Bebel hat jüngst
in Freibnrg i. B. einen Vortrag über die Social-
demokralic und die bürgerliche Gesellschaft gehalten.
Darin bat er nach der „Freiburger Zeitung" (Nr.
110) gesagt, „Krupp, Stumm, Rothschild u. s. w.
seien die Haie im Karpfenteiche." Bisher ist
über das Vorkonimcn des Hais in Karpfenteichen
nichts bekannt geworden. Sollte er jetzt dort
auftrelcn, so wäre das ini Interesse der Fisch-
zucht sehr zu bedauern.

Giesse». N. N.: Dem „Gießen» Anzeiger"
vom 17. Mai wird aus Blofeld berichtet: „Die
Maikäferplage ist gleich Null gewesen, dagegen
zeigen sich die jungen halbwüchsigen Hasen sehr
zahlreich." Das ist doch ein kleiner Ersatz für
die mangelnden Maikäfer.

Göttingen. M.: Im „Göttinger Anzeiger"
(Nr. 4174) macht Wilhelm Henkel in Gellie-
hausen bekannt: „Burgruine Gleichen. Am
1., 2. und 3. Pfingstfeiertage, Nachmittags von

chachtcbeckschen Cap>
mardcn." In Göttingen und um Güttingen
herum scheint sich manches verändert zu baden.
Auch wir sind vor dreißig und einigen Jahren
manchmal auf den Gleichen gewesen, aber damals
beschäftigte sich die Capelle nur mit Musicircn
und Trinken, das Tanzen wurde von den
Studenten und den Töchtern des Landes besorgt.

Greifswald. Tr.: Tie „Greifswald»

Zeitung" (Nr. 118) enthält folgendes Inserat:
„Im Ausstellnugs-Paik am Roßmarkl. Täglich:
Großes Danien- und Herren-Reitfcst. Aufsicht.
Gemülhs-Stallmeistcr John Bosco." Das ist
wohl etwas für reitende G-müihsmenschen.

Kross-Lichterseldc. P. H.: Ihr „Local-
Anzeiger" vom 20. Mai berichtet über die ordent-
lich-Monats-VersanmiInng des „Süd-Vereins":
„Ehe sich die zahlreich besucht- Versammlung dem
Hauptpunkte des Abends, der „Eisend ahn-
srage", zuwandtc, vernahm sie zunächst beim
„Geschäftlichen The»", daß Herr Ilr. Wallies,
Hierselbst praktischer Zahnarzt, den Vereins-Mit-
gliedern jeden 10. Zahn umsonst zieht." Das
ist allerdings sehr verlock-nd. Nur schade, daß
auch diejenigen Vcrcinsmitglicdcr, die noch alle
ihre Zähne bei einander haben, sich daS Ver-
gnügen nicht öfter als dreimal leisten können.

Hamburg. N.: Der in Lobnrg erscheinenden
„Kreis-Zeitung" (Nr. 106) wird ans Möckern
geschrieben: .Tic Masern treten hier unter den
Kinder» auf. Hoffentlich werden dieselben
epidemisch." Pfui! Das Blatt sollte sich in
Möck-m einen andern Correspondenten anschagen.

Haunovcr. C.: Im „Hannoverschen Courier"
(Nr. 20123) macht Herr Ernst Mencr, Besitzer
der „Münchener Bicrhallc", bekannt: „Während
der Pfingstfeiertage beginnen die Mittagstafeln
präcije 12',',, 1'/,, 2 und 2'/, Uhr. Nach dieser
angegebenen Zeit wird bis 4 Uhr ununterbrochen
servirt, nnd bitte ich ein hochverchrliches mich be-
ehrendes Publicum, mich hierin zu unterstützen,
indem ich noch besonders erwähne, daß ich dann
in der Lage bin, selbst bei größter Frequenz
Jedermann ans das Höchste zu befriedigen."
Wenn das Publicum beim Servicen hilft, so gebt
die Sache allerdings bedeutend glatter. Wir
nehmen an, daß jeder Besucher der „Münchener
Bierhallc", der sich in dieser Weise nützlich macht,
zur Belohnung alle Speisen und Getränke umsonst
erhält. — N.: Im „Berliner Tageblatt" vom
22 Mai schreibt Fr. M.: „Im Schlller-Thcatcr
wurde gestern Sbakcspeares immer noch unsterb-
liches Lustspiel „Viel Lärm um Nichts" mit
selbstverständlichem Erfolge aufgesübrt." Hoffenl-
stch'bllchi^t ^ "och einige Zeit weiter »n-

Hcidelbcrg. E. G: Deni „General-Anzeiger
für Hockenheim nnd Umgegend" (Nr. 115) wird
aus Mannheim gcmeldcl: „Mit einer Revolver-
Affäre, die ein Menschenleben zur Folge hatte,
beschäftigte sich heute die hiesige Straskammcr."
Meist laufen solche Affären nicht jo erfreulich ab.

Kiel. P. S.: „lw voi ext wost, vivo Io voll"
Mit diesen Worten leitet der „Deutsche Marine-
Bund" (Nr 176) einen Artikel über den neuen
Schah von Persien ein. Das Persische erinnert,
wie man sieht, etwas ans Französische.

Köln. A. W.: Nicht verwendbar.

Lengefeld. N.: Die „Dresdner Nachrichten"
(Nr. 140) sagen in einem Leitartikel, der die
Stellung Rußlands zu den anderen Mächten
behände»: „Die unter den Stürmen des Westens
aus den Fugen gegangene Zeit muß wieder ein-
gerenkt werden nach dem ewigen Willen des
Weltenbaumeisters, innen und außen." Sehr

Licgnltz. Aujust II.: Mit Dank abgelehnt.

Lörrach. H. G.: Hübsch, aber nicht druckbar.

Mülheim Ruhr). N.: Prosit!

München. Ein Bayer: lieber die in Ihrer
Stadt abgehaltene Friedcnsfeier schreiben die
„Münchener Neuesten Nachrichten" (Nr. 220):
„Bürgermeister v. Bor sch t hielt folgende
patriotische Ansprache: „Das Volk steht aus, der
Sturm bricht los!" so ries der edle deutsche
Patriot Ernst Moritz Arndt begeistert aus, als
Deutschland im Jahre 1813 zum letzten Ver-
zweislungskampfc sich erhob, um das unerträgliche
Joch des Thranncn Europas abzuschütteln."
Vielleicht kann Herr v. Barscht genauer angeben,
bei welcher Gelegenheit Arndt das Körnersche
Gedicht vorgetragen hat.

Osnabrück. K. R.: Der „Osnabrück»
Sonntagsbote" (Nr. 21) meldet unter den Local-
nachrichlcn: „Am Tag- vorher wurde ein lOjähriger
Knabe in der Bürgerschule überfahren, sodaß
derselbe schwer verletzt ins Kinderhospital gebracht
werden mußte." Die Bürgerschule sollte für
Reiter nnd Fuhrwerk gesperrt sein. — Red actio»
der „Osnabrücker Zeitung": Jrrthümlich ist im
Briefkasten unserer vorigen Nummer unter
Bassum die „Osnabrücker Zeitung" als Quelle
einer Notiz angegeben worden, die uns jedenfalls
in der Form, in der wir sie gebracht haben,
Vorgelegen hat. Daß in dem uns zugesendelen
Blatt vor „Verhältnissen" das Wort „guten"
ausgefallen war, lag wohl für jeden zu Tage,
wir bemerken aber ausdrücklich, daß der ver-
storbene Registrator Koch nach dem, was man
uns miltheilt, sich bei seinen Mitbürgern des
besten Leumundes erfreut hat und daß man
allgemein vermuthet, er habe in einem Anfall
von Wahnsinn (er mußte früher schon einmal
in eine Irrenanstalt gebracht werden) sich erhängt.

Potsdam. R.: Folgende Neuheiten sind
uns zugegangen: „Von Schreibtisch und
Werkstatt. Ausstellungsgedcnkbuch." Verlag
von Karl Siegismnnd in Berlin.— „Z wanziq
Jahre „Bayreuth". 1876-1896 Von Julius
Erich Kloß." Berlin, Schuster L Loesflcr.
- „Taschenliedcrbnch für Naturforscher,
zusammengestellt von Or. Max Blanckenhorn."
Erlangen, Th. Bläsings Univecsiläts - Buch-
handlung (H. Metzer & A. Eissländer). -
„Die Walrsährc. Ein neues Mittel zur Ver-
besserung der Reiseverbindungcn nach den deutschen
Nordscebädern, insbesondere nach Norderney.
Eine Studie von PH. Schrimpsf, Regicrnngs-
baumeister." Elberfeld, Druck und Verlag der
Baedekerschen Buch- und Kunsthandlung.

Spandau. A. F.: In Ihrem „Anzeiger für
das Havelland" (Nr. 119) wird bekannt gemacht:
„Nachdem die Polizei-Verwaltung die von der Be-
hörde ausgestellten Sätze für Dienstleistungen
der Hebammen veröffentlicht, ist es klar, daß
der Tarif der Hebammen-Vercinigung keine gesetz-
liche Gültigkeit hat. Infolgedessen hat sich die
unter den Männern Spandaus entstandene Er-
regung gelegt nnd von dem geplanten Streik
soll daher Abstand genommen werden. Das
tkomlts." Das ist gut, denn der Streik wäre
doch wohl schwer durchzuführen gewesen. — M. K.:
Daran glauben wir nicht.

Stuttgart. A. W.: Der „Schwäbische

Merkur" (Nr. 115) schreibt: „Die Neuguinea-
compagnic ist bekanntlich die einzige deutsche
Colonialgesrllschaft, welche bis jetzt noch neben
ihren wirthschastlichcn Aufgaben mft der Aus-
übung von Hochzeilsrechten betraut war." Leider
werden diese Rechte in den übrigen Colonien
nicht selten von Unbeftlgten ausgeübt, wie die
Fälle Leist und Peters beweisen.

Bei der groben Menge d--—,---....

ill di- »rantroortmia einer j-d-n uns ebenso unmöglich wie
dieAnsbewahrung d-r un» unverlangt zugehendenManuferiplc.
Riickfendung der legieren erfolgt nur, wenn der Sendung da»
erforderliche Paria in Briefmarken b-ig-filgt ifl.

Di- R-va-tton v-s Madd-ral>atfch.


HRS

Um Jedermann auf billige und bequeinc
Weise Gelegenheit zu geben, sich von den ivohl-
thäligcn Wirkungen des Odols auf die Zähne
und aus die Mundschleimhäute selbst zu überzeugen,
hat sich das Unterzeichnete Laboratoriuni cnt-
- schlossen, an Jeden, der eine Mark oder 70 Kreuzer
in Briefmarken einschickt, eine halbe Flasche
(Originalspritzflacon) Odol direkt franko zur
Probe zuzusenden.

Dresdener Chemisches Laboratorium Tingner,
Dresden.

n. - Stramm, für den Jnf.-Theil: L Waligorrn - Bl
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