Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 49.1896

Page: 588
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Mom Weichtgeheimnih.

Wic unerschütterlich fest das Bcichtgchcimnist, zu dessen Schutze vor
Gericht das Centrum noch neue Bestimmungen in die eben verunglückte
Justiznovelle bringen wollte, von den katholischen Geistlichen gewahrt wird,
davon zeugt ein ebenso interessanter wic erhebender Vorgang, der sich im
letzten Sommer in einer bekannten Stadt der Rheinprovinz abgespielt hat.

Ein innger Mann, seines Zeichens Kupferstecher, bekannte am Beicht-
stuhl, datz er sich von der nicht mehr ganz junge», aber noch sehr stattlichen
Köchin des CaplanS habe versiihren lassen. Ter Caplan erlegte dem
Reuigen die nöthigc Büste aus und eilte dann in zorniger Erregung heim,
um die Ungetreue zur Rede zu stellen. Unterwegs aber stiegen ihm ernste
Bedenken über sein Vorhaben auf. Er halte doch von der Sache nur in
der Beichte gehört, sic siel unter das Beichtgeheimnis!, und er mußte also
jedem, auch seiner Köchin gegenüber das strengste Schweigen darüber
beobachte». So überwand er denn die eifersüchtige Aufwallung und blieb
im täglichen Umgang mit der schmucken Sünderin ebenso freundlich uni/
liebevoll, wie er es bi? dahin gewesen war.

Die Selbstüberwindung des Caplans, eines sehr jovialen und deshalb
allgemein beliebten Herrn, wäre natürlich nie zur Kenntnist der Welt
gekommen, wenn er nicht selbst die Sache jüngst beim Wein erzählt hätte.
Das war ja nicht recht von ihm, denn er verletzte nun wirklich das Beicht-
geheimnist, das er bis dahin so peinlich gewahrt halte. Da man aber schon
einige Stunden vorher zum Dreiundncunziger übvrgegangcn war, so wird
kein billig Denkender wegen der kleinen Jndiscrction einen Stein ans ihn
werfen wollen.

Aus Kala,,.

Von den, einstigen Eigenthum der Theatergefellschafl „Alt Berlin" ist
nichts nngepfändet zurückgeblieben als ein brauner Bär, der zur Zeit im
Zoologischen Garten verpflegt ivird. Der Grund, das, noch kein Gläubiger
sich an ihn gewagt hat, liegt wohl darin, das, von allen Bären der Gesell-
schaft dieser allein unangcbundcn blieb.

Gras v. Klinkowström hat im Herrenhaus von der Regierung ver-
langt, sie solle die Cvnscrvativen nur ordentlich in den Sattel setzen, damit
sie reiten können.

Was der Herr Gras vergessen hat auszusprcchcn, ist das Verlangen,
daß das Pferd auch nicht mehr an die Longe'genommen wird. Dies dürste
aber kaum in Erfüllung gehen, da die Herren bisher gezeigt haben, daß
sie von allen Reitgängen nur die Capriolc» mit Meisterschaft aus-
zusühren verstehen. _

Werßm ürdi g.

Die Berliner Polizei steckt ihre Nase sonst gern in alles, was giftig
und von unangenehmem Geruch ist.

Merkwürdig, daß sie sich um das Acethle» bisher so wenig bekümmert hat.

Wir begreifen nicht, warum die Kauslenle so böse darüber sind, daß
man de» Börsen Mitglieder de^'Landwirlhschastskammern als eine Art
Aussichtsbeamte zuweisen will. Gelegenheit lehrt naschen, sagte Herrv. Ploetz,
da liest er sich auch einmal auf ein Börscnspiel sein und mußte die Be-
lehrung, die er empfing, gut bezahlen. Wie kann der Vogelsteller klagen,
wenn, man ihm die Gimpel in'das Netz ikeibt?

In Berlin ist ein Bund der Mystiker in^dcr Bildung begriffen. Als
das ein biederes Mitglied des Bundes der Landwirthe las, sagte er:
„Mistiker?. Äha, damit wollen uns die Liberalen wieder ärgern. Aber
sie können uns sonst was!"

Nachdem vor kurzem Herr Professor Delbrück den National-Socialen
gerathen hatte, bei Parlamcntswahlen sich je nach den Umständen zu de»
Nationallibcralen oder zu den Socialdemokratc» zu halten, fordert ein
Herr Erwin Gros in einer der - letzten Nummern der „Zeit" sie aus,
bei den bevorstehenden Rcichstagswahlen die Christlich-Socialen und nament-
lich Herrn Stöcker zu unterstützen. Wird nicht bald ein weiser Politiker
den Jüngern des Pfarrers Naumann den Rath ertheileu, sich Confus-
Sociale zu nennen?

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