Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 49.1896

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Briefkasten.

Nachrichten" (Nr. 78, melden: „Aus d.

Station kamen in den letzten 2* stunden
14 leichte Fälle vor." - Ein Glück, daß die Un-
fälle sich gerade auf der Slalion ereignet haben,-
wo doch immer gleich Hilfe zur Hand ist. —
W. B.: Ten „Münchener Neuesten Nachrichten"
wird aus Innsbruck geschrieben: „Unsere inter-
nationale Ausstellung für Sport und Erzichungs-
wejen leidet stark an Besuchern.» Will man die
Besucher nicht haben, so must man die Ausstellung
schlicstcn. - I. Sch.: Berlin ist zwar ein Sünden-
babel, aber gleichwohl wird sich Schmer vcr-
, der in Nr. 337 de« „Berliner

der Nr. 14 der

Anzeigers" eine „Amme,

— N.: Tank für -Zusendung
„Deutschen Pbstzeitung." Die Widersprüche
zwischen den Behauptungen des Blattes und den
Ausführungen deS StnatSsecretärS v. Stephan
in, Reichstag sind unbegreiflich. Hat das Bla»
Recht, so hat Herr v. Stephan in alle»
wesentlichen Punkten Unrichtigkeiten vorgebracht:
entsprechen die Erklärungen des Herrn v. Stephan
den Thatsachen. so beleidigt die „Deutsche Post-
zeitung" den Ches der Reichspost in der frivolsten
Weise. Am besten wäre e« wohl, wenn Herr
v. Stephan sich entschlösse, den verantwortlichen
Redactcur wegen Beleidigung zu verklage».
Vielleicht bittet dieser daraus um Entschuldigung
und zahlt 100 M. an den Unterstützungsfonds,
dann kann ja der Strafantrag zurückgezogen
werden.

Bon». K anonier: Ihr „General-Anzeiger"
(Nr. 2335, berichtet aus Elsborn: „Zur Zeit
findet das Brigadc-Excrciren der 31. Jusantertc-
Brigade auf dem etwa 7 Quadratcübikmeler
grosten Platze statt." Das must ja ein Gedränge
sein, dast die Leute sich kaum rühren können.

Brandciibiirg a. H. G. K.: Tic besseren
deutschen Schaumweine — und cs gibt jetzt sehr
gute darunter — werden genau in derselben
Weise hergestelll wie die französischen. Wollen
Sie Näheres darüber erfahren, so wenden Sic
sich an die rühmlichst bekannte Firma Ehr.
Ad. Kupscrbcrg & Co. in Mainz. —
Batrachos: „Erstaunt blickte er auf die zer-
zauste Lieblichkeit Adelens nieder," heistl cs von
einem Maler in einer Novcllctlc des „Berliner
Lokal-Anzeigers" vom 17. VS. MlS.

Bremen. R.: Der „Weser-Zeitung" (Nr.
17837, wird aus München geschrieben- „Ein
hübsches Bild idealster Selbstbefriedigung hat
der unlängst in Nürnberg abgehalteue Parteitag
der bayerischen Socialdemokraten gegeben." Sonst
gehl cs aus den socialdcmokratischcn Parteitagen
nicht so gemüthlich zu.

Cannstatt. N. N.: Das Stuttgarter „Nene
Tageblatt"-(Nr. 16» lässt sich über das Attentat
ans Färrrc aus -und sagt dabei u. a.: „Nun
verdichte man diese Summe von Ausreguugcn
und Gemeinheiten zu einem Klost »nd lege
diesen^ in den mit Reizzuständen ütWwIiglcn
Schädel citics solchen Schwachkopfes, wie ihn
besagter Frangois und ivie ihn die Dutzend-
menschen nun einmal besitzen. Ist da nicht eine
Tynainilwirkung uuitiillelbnr zu erwarten r
Ganz.geivist. Und zwar wird die Entzündung
stark oder. schwach sein, je nachdem dieser
Dutzepdschädcl mit verbrecherischen Grund-
stoffen durchsetzt ist oder nicht." Wenn man je-
mandem .einen Klotz in den Schädel legt, so wird
jedenfalls eine Gehirnentzündung die Folge sein.

Cassel. H. K.: In der als Beilage zum
„Cajseler Tageblatt" erscheinenden„Plaudcrstube"
(Nr. 28, singt Gustav Adolf Müller:

Warum.will Müller das nicht wirklich zu
seiner Angebeteten sage»? Es kann ihm doch
niemand verbieten.

Charlottcuburgs G. S.: Nicht verwendbar.

— Nnppiucr: Dank für die Bclchrnng, dast
es keinen Kreis Neu-Nuppin, sondern nur einen
Kreis Rnppin gibt, -und dast Nctzcband (nicht
Nctzband) Nicht in diesem Kreise, sondern in einer
mecklenburgischen Enklave liegt. Tic gräflich
Königsmarljche abortlose Schule passt ja auch
am besten für Mecklenburg.

Chemnitz. F.: -Prosst!

Dilliugcu. M. B-: „ES wird ein tüchtiger,
solider Knrrcnführcr gejucht in der Mühle zu
Donanalthcim." (Bergl. den „Dillingcr Donau-
bolen" vom 13. ds. Nits.) Hoffentlich hat man
ihn inzwischen dort gesunden.

Dresden. W. K-: Nach der „Dresdner
Zeitung" Wr. 161, „steht der Sirius - jetzt im
Zenith." Das mag für Dresden stimmen, bei
uns kommt er nicht jo hoch.

Emmeiidingc». E. H.: Die eingcschickle
Zeitung — der Titel war nicht zu erkennen —
sagt vön dem ungarischen Journalisten Paul
Kiralhsi: „Am 20. Juni kreuzte er den
Atlantischen Occan aus dem Dampfer „Saardam",
um dann über Hamburg naäi Berlin zu
marschircn." Das ist wohl die schnellste Reise,
die. jemals ein transatlantischer Dampfer
gemacht hat.

Friedenau, v. L.' Sic wundern sich, datz viele
groste Zeitungen, die sonst bei jeder Gelegenheit
mit lautem Geschrei für „die Ehre des deutsche»
Namens" cintrcten, den Fall Bashford als
abgethan betrachten und den Artikel der „Deutschen
Postzcitung" einfach iguorirc». Man kann sich
nicht scharf genug einprägen, dast es ritterliche
Unparteilichkeit und gentlcmanlike Wahrheitsliebe
in unserer Tagespreise überhaupt nicht gibt: alle
Zeitungen behandeln jedes Ereignis, nach ihrem
Parteistandpilnlt. Ferner wundern Sie sich
darüber, dast derHcrrTelegraphendircctorElilers
nicht einmal den cnglischenLümmcl genöthigtn
hat, seine „Entschuldigung" , stehend herznsage
und den beleidigten Beamten dabei anzublicken.
Darin stimmen wir Ihnen durchaus bei.

Hamburg. G. R.: Der „vom Senator zum
Assessor" ernannte Referendar 1),-. Schlick
Ivcrgl. 5c. 1G6 deS „Hamburger Fremdcnblatts",
scheint eine cigcnlhümliche Carriöre zu mache».
Wahrscheinlich handelt cs sich um die Ernennung
zum Regierungs-Assessor.

Herford. N.: Wie die „Hannoversche Wirlhe-
Zeilung" (Nr. 45, mittheilt, hat ein Kellner L.
in Hamburg innerhalb einer Stunde „eine mit
siebzehn Butterbroten belegte Platte anfgegessen."
Ter Mann must nicht nur einen gesunden
Appetit, sondern-auch tadellose Zähne haben.

Jena. I.: In der Form zu mangelhaft.

Leipzig. E. H : Die „Leipziger Volkszeitung"-
(Nr. 153, schreibt: „Ein Scha»kstüttenverbot„
das diejenigen Einwohner betrifft, die wegen rück-
ständiger Steuer» und Schulgelder erfolglos aus-
gcpsändct wurden, wird nun auch Rotz.wcin
erhalte». Auf diesen Beschlust dcrSlndlvcrwaltung
patzt das Bibelwort: „Ihr lasst die Armen schuldig
werden!" Bibelkunde und deutsche Literatur
schwach! — B.: In Nr. 43 der Zeischrifl „Das
Neue Blatt" heistl cs in einem „Sprachliche Un-
arten" überjchriebencn Artikel von Hans Frey-
dank: „Komme heule Abend 6 Uhr" kann be-
kanntlich zweierlei bedeuten." Bekanntlich? Wer
über sprachliche Unarten schreibt, sollte doch wissen,
dast „komme" nur einerlei Bedeutung haben kann.
— B.: Der vom 17. Juli

schreibt: „Tic Eriunerungsfeier an die anl
14. Juli 1879 erfolgte Erstürmung der
Bastille zu Paris vereinigte eine Anzahl der
sich in Berlin aushallendcu Franzosen zu einer
kleinen Festveranstaltung." Geschmjle schwach.

Lübeck. H. P.: .9 onrad Telma»n schreibt
in seinem Roman „Gottbegnadet" <s. Lübecker
„General-Sluzciger" Nr. 142,: „Ihre Augen
fielen wie Schläge aus ihn nieder, und er zuckle
getroffen unter jedem einzelnen zusammen."

Marburg. H. D.: Mil Tank abgelehnt.

Metz. v. N.: In der „Metzer Zeitung"
(Nr. 164, liest man: „Eine gntmöblirte Garlcn-
wohnnng, aus 3 Räumen mit Balkon bestehend,
Slrastcnstanb frei, ist sofort zu vcrmiclhen.
Sahlon Nr. 235." Wenn der Bcrmiether sich de»
Slrastcnstanb noch besonders wollte bezahlen
lassen, so wäre das einfach unverschämt zu

München. Dr. S-: Im „Bayerischen Land-
bolen" (Nr. 29, liest man: „Der Ruf des Rettichs,
dessen Wiege eigentlich im Lande der Chinejen
steht, wo er wild wächst, reicht bis ins vorchrist-
liche Altertum zurück. Damals bereits erstreckten
sich seine heilkräftigen, auilöfcnd wirkenden
Wurzeln weithin bis zu den alten Egnpleru,
denen diese Labung nicht unbekannt gewesen sei»
soll." Der.Rettich mutz damals unheimlich lange
Wurzeln gehabt haben. .

Glänzt in Pankow der Miltags>v»id immer
golden oder nur bei besonderen Gelegenheiten?

Pctcrsbcrg a. Rh. Sechs Studenten:
Prosit!

Posen. T. S-: Die „Posencr Zeitung"
(Nr. 492, erzählt: „Eine hübsche Eutcngcschichle
passirle in dem Dörfchen D. unweit Salzivcdel.
Ei» dortiger Bauer fand am Wasser ein Nest
mit Wildcntcii'Eiern. Er nahm sie mit, legte
sie einer Glucke unter und brütete die Eier amch
aus." Wenn er sie selbst ausbrüten wollte,
weshalb legte er sic erst der Glucke unter? —
£.: Tic „Posencr Zeitung" (Nr. 498, thcilt mit:
„Tie Genossenschaft deutscher Tanz-
lehrer, die nur für Mitglieder zugänglich ist,
welche das Prüsungszeugnitz der Hochschule für
Tanzkunst besitzen, hat Anfang ds. Mts. in
Hamburg ihren 5. Cvngrctz abgchaltcn. Dabei
wurden chronographifche Aufführungen veran-
staltet." Ein guter Tanzmeister muß alles dar-
stellcn können. — K.: In der „Posencr Zeitung"
(Nr. 49-', liest man: „Wie bereits milgelhcilt,
sind in Düsseldorf ein früherer Rittmeister und
ein Premier-Lieutenant n. D. ehrengerichtlich
entkleidet worden." Es ist ja nichts Neues, dast
die Ehrengerichte oft recht wunderliche Ent-
scheidungen treffen.

Potsdam. R.: Folgende Neuheiten sind uns
zugegangen: „Bismarck-Jahrbuch. Heraus-
gcgeben von Horst Kohl." Dritter Band, dritte
Lieferung. Berlin, Verlag von L. Häring. —
„Gedichte von Hugo Hecht." Oranienburg,
Ed. Freyhoffs Verlag. —„Canossa. Historische
Untersuchung von Walther Sachse." Leipzig,
Verlag von Thcvd. Thomas. — „Lyrik-
Schwärmerei, Afterlyrik und Blau-

Bon Albr. Gocrth, Schuldirektor a. T."
Wiesbaden, H. Lützenkirchens Verlag. —

und Skizzen von Ta ras Kunowski." „Ta-
bubu. 51 ȊgyptischerOriginalrvman in deutscher
Bearbeitung. Von Leon Ritter.." Beides in

von Baumert >L Rouge, Grostenhain und -
Leipzig.'-„Eugen Jjolaui: Wann wird eine
Frau alt?" Preis: M. 1,50. Leipzig, Verlag

Reincrz. F. K-: Die „Glatzer Zeitung"
(Nr. 55) beginnt den Bericht über ei» schweres
Verbrechen: „Korbmacher Hanuig, dessen Ehefrau
gegenwärtig eine dreijährige Zuchthausstrafe ver-
büßt, zu der sic im Jahre 1893 von der hiesigen
Strafkammer vcrurlhcilt worden war, gebar
kurze Zeit nach dem Antritt der Strafe im

r-.m-g| n|§ bie

iulerejsiren. •
.Wochenblatt"

.-. freisinnigen in

Löwenberg siegen, jo würden die Conservativen
diesen. Wahlkreis verlieren." ES ist erfreulich,
wenn mau unser den viele» consujcn Zeitungs-
schreibern einmal einem klaren Kops begegnet.

Stuttgart. 5<.: . Der „Hohcnzollcrnschcn
Volks-Zeitung" (Nr. 158) wird ans Paris
telcgraphirt: „?luf den Präsidenten Faure wurde
bei der heutigen Truppenschau in Longchamps
zu Ehren des chinesischen Vice-Königs Li-Hung-
Tj-hang ein !,kcvolverschust abgegeben." Nun
weist man,-doch, was der harmlose „AllenlKlcr"
beabsichtigte: er wollte dem hohen Gast eine kleine
5lufmerksamkcit erweisen.

Zwickau. M.: Ti- „Langcselder Nachrichten"
(Nr. 81, schreiben: „Heister und Heister wird's,
die Sonne fängt an, einem glühenden Plättbvlzen
zu gleichen, der wie ei» feuriges Damoklesschwert
.. ' chzcnden Erde herabhängt

»«ELM»»'«

BttantW. Rcbadcut I. V.: SB. Potstorff—V-iantw. für den Ins.-Th-U: 2.».Wallgc

Vertag van il. Hostnan» & Uomp., Leipjlgerstr. 136, L—Druck von Hempei L Co. — Sämuilltch in Berlin.
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