Kladderadatsch / Bismarck-Album: humorist.-satir. Wochenbl. — 9.1849/​90(1890)

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stellungen Bismarck's, nnd man wird auS dem Album wal>rnehmen können, wie mit der rvachsenden Größe
Bismarck's anch des Zeichners Kräste sich erhöhten. Wer nach Scholz sich noch an diesem Gegenstand ver-
siichte, der war doch genöthigt, die von Scholz erschastenen und typisch gewordenen drei Haare mit zu
übernehmen.

Den historischen Leitfaden, welcher den aus dem Blatte selbst genommenen Jnhalt vermitteln soll,
möge man nachsichtig beurtheilen, da derselbe niir den Zweck hat, das ans einem so ausgedehnten Zeit-
raum genommene Material in angemessenen Zusammenhang zu bringen und dort, wo einzelne Beziehungen
heute vielen unverständlich seiu würden, sie mit einem kurzen Eommentar zu begleiten.

Bei der Auswahl der Zeichuungen, welche hier sämmtlich nach den Original-Holzstöcken wieder-
gegeben sind, war sowohl die Bedeutung der dariu behandelten Fragen bestimmend, wie auch die außer-
ordentliche Mannigsaltigkeit in den Darstellungen BiSmarck's, und wer diese hunderte von Zeichnungen
beisammen sieht, wird über die Unerschöpflichkeit in der (jrfindung erstaunen müsseu.

Aber uoch ein Anderes wird der uubefangene Leser beim Durchblättern dieses Albuins erkennen
müssen: wie wenig berechtigt der dem Kladderadatsch in neuerer Zeit vou gewisser Seite gemachte Borwurf
ist: einer besonderen, nach rechts gehenden Parteirichtung verfallen zu sein. Jm Gegentheil: Wenn das
Blatt ehedem vorübergehend eine einseitige Parteistellung einuahm, so hat es sich gerade in den letzten
Jahren von jeder Parteidienerei enianzipirt, indem e^ wieder mehr der Aufgabe eines satirischen Blattes zu
entsprechen suchte, jegliche Parteirichtung, wo sie Schwächen bot, mit der Wafse des Spottes anzugreifen,
daneben aber auch dao wahrhast Grofie und Berdienstliche zu ehren. Die Geschichte Bismarck's seit 1862,
namentlich iu den grofieu Weudepunkten von 1866 und 1870, die verschiedenen Phasen seines Wirkens und
seiner wachsenden Popularitüt, wie sie der 1>nhalt dieses Albums anschaulich macht, steht den Herausgebern
des Blattes als volle Oiechtfertigung zur Seite. Denn eS ist, im Gewande des Hnmors und der Satire,
eine Chronik jener grofien Gpoche mit ihren wechselnden Zeitstimmungen, ihren Irrungeu uud erhebenden
Mvmenten.

So dürfen wir hossen, dafi mit diesem Älbum allen Baterlandsfreunden — welcher politischeu
Richtung sie auch angehören mögen — eine Gabe dargeboten wird, an welcher sie sich erheitern und
erfreuen können.

Berlin, im März 1890.

L-ur zweiten bip ncunlcn Auflagc.

Die Herstellung deS BiSniarck-Albums war ursprünglich aus der Absicht hervorgegangen, dasselbe
zum sünsundsiebzigsten GeburtStag des Reichskanzleks dem deutschen Volke als eine Lestgabe darzubieteu.
Ansangs Januar begonnen, war der Druck deS Werkes gegen Mitte März vollendet, ehe das Ereiguifi ein-
trat, welches die Welt in Beweguug sehte. Die Bestellungen auf das Buch waren unterdessen so massen-
haft eingelausen, dafi schon am ersten Tage des Grscheinens die ganze bedeutende Auslage vergriffen war.
Bei der vorliegenden neueii Auslage des Buches ist im Jnhalte desselben nichts verändert worden, abge-
sehen von wenigen kleinen Berbesserungen und der Hinzufügung des Abschieds-Bildes und Gedichtes,
welches Kladderadatsch nach dem Rücktritt des grotzen Kanzlers brachte.

Verlin, Ende April 1890.
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