Kladderadatsch / Bismarck-Album: humorist.-satir. Wochenbl. — 9.1849/​90(1890)

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1875

1875.



Lr dsrk nicht grhn!

darf »icht gehn! !Nag auch i» Zeitungs-
' blättern

r " chein Abgang tausendfach verzeichnet stehn;
Nlag chigl und „Germania" Zubel schmettern,
Alldeutschland ruft es laut: Gr darf nicht gehn!
Gs ruft aus Dorf und Feldern,

Ls rauscht aus Lsaid' und Wäldern,

Westfal' und chchwabe, Fries' und chachs' verstebn
chich in dem einen Nuf: Lr darf nicht gchn!

Lr darf nicht gehn, der mit uns im Lonfliete
Grzürnt, erbittert einst im Ramxfe lag;

Der gegen virchows bsaupt den Degen zückte,
Nnd über den das volk den Stab einst brach;

Der dann durch Blut u»d Eisen
Uns Deutschen thät' beweisen,

Daß Turnen, Sang und Schützenfest recht schön,
Doch Handeln beffer —nein, <Lr darfnicht gehn!

Lr darf nicht gehn, der jüngst dcn wälschen Drachen
Lrlegt, als Deutschlands starker chchirm und kfort,
Der, trotzend Roma's gierig offnem Rachen,

Den deutschen Aaiser salbt' an jenem Mrt,

Mo einst der Feinde grimmster,

Der Näuber allerschlimmster,

Der falschen Runst falschherziger Rkäcen'

Auf eitlem Throne saß. <Lr darf nicht gehn!

Lr darf nicht gehn! Und mögen zehnfach brüten
lvahnwitz und Frevel über feigem Rkord,

Thürmt ein lebend'ger lvall, Zhn treu zu hüten,
von deutschen Rlännern sich aus chüd und Nord.
Lie stehn, zu Noma's Trutze
vereint zu Leineni chchutze,

Daß reckenkühn dem Feind Lr möge stehn,

Lin Liegfried sonder Fehl. Lr darf nicht gehn!

Lr darf nicht gehn, Lr, der als Neiches Rlehrcr
Zm Norden und im Süden wohlbekannt;

Lin 2ltlas, trägt milliardencentnerschwer Lr
Die Last für uns, fürs deutsche vaterland.

Und will sie Zhn erdrücken,

Lo helfen und erguicken

Die Rlänner all' Zhn gern, die um Zhn stehn;
Die Last wird leichter, doch Lr darf nicht gehn!

Stimme vmr Iensrits — drs Ocrans.

Fürst Bismarck, den bsecker sehr richtig den
„pfaffenhammer" nennt, wird als solcher bleiben.

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Lismsrck blkivt.

(Zrei nach französischeii Blättern.)

Alle Hoffnungcn sind wicdcr umsonst gewcsen.
Bismarck blcibt!

Schon sah man Jhn schwanken nnd fallen,
schon sah man als seincn Nachfolgcr dcn würdigcn
Windthorst, zum Herzog von Pcrlcbcrg-Meppcn
crnannt, dic Ncichskanzcl bcsteigcn. Schon flog der
Rns: „Bismarck wird fortgejagt!" bcscligcnd
durch das ultramontanc Europa.

Da anf einmal kommt uns die Donnerkundc:
Bismarck blcibt! Durch flchentliches Bitten, durch
heißc Thräncn hat Er cs errcicht, vorlänfig noch auf
Seincm Posten belassen zu werdcn. Man nahm dabei,
wie wir hörcn, Rücksicht auf Seinc Familie, auf Sein
Alter und aus dcn Nmstand, daß cs Jhm augcnblicklich
schwcr fallen würdc, eine anderwcitige Berwendung
zn findcn. Es trifft fich so nnglücklich, daß momentan
allc Dcichhauptmannsstcllcn bcsctzt sind. Auch
dcr Gcdanke daran, daß Scin Gcburtstag vor dcr
Thür ist, mag bei dcn Entschließnngcn an höhercr
Stcüc mitgcwirkt habcn.
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