Kladderadatsch / Bismarck-Album: humorist.-satir. Wochenbl. — 9.1849/​90(1890)

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184S—1852

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erste bildliche Darstellung Bisrnarcks inr
Kladderadatsch findet sich in einem großen
Tableau der Nr. 45 vom 4. Novbr. 1849,
überschrieben: „Der neue Peter von Amiens
nnd die Kreuzfahrer."

Herr v. Bismarck, als Abgeordneter in der
II. Kammer (in Brandenburg ftir Westhavelland
gewählt) bildet auf dem Bilde nur eine Nebenfigur
in der Hauptgruppe der Krenzzeitnngs-Partei, deren
AHttelpunkt die Herren v. Gerlach und Stahl bilden,
während ini Hintergrnnde Wagner (Nedakteur der
Kreuzzeitiing) nnd Gödsche, sein Adlatus, als Don
Quixote nnd Sancho Pansa fignriren. Znr Linken
Gerlach's, der als Peter von Amiens auf dem
Esel reitet, geht Stahl als Zesniten-Pater, den
Esel am Zanme führend; auf der andern Seite
Gerlach's schreitet der Abgeordnete v. Bismarck,
dessen Panzer die Formen eines Krebses hat, in der
tlinken seinen Stammbaum, in der Rechten eine
Geifiel. (Herr v. Bismarck hatte zuletzt in der

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(DM m Mai 1851 wurde Bismarck dnrch den König
Friedrich Wilhelm IV. als Vertreter PreutzenS
an den Bundestag nach Frankfnrt a. M. ge-

schickt.

Jn der Nummer vom 18. Mai enthält der
Kladderadatsch einige daranf bezügliche Zeilen, welche
der nach deni Mnstcr eines bekaniiten Berliner

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ZlMFr. 5 (vom 1. Febrnar) enthält einen Dialog,
welcher sich auf die in Frankfnrt passirte be-
^ kannte Anekdote mit der Cigarre bezieht:
Als Herr v. Bismarck dem Grafen Thun, als öster-
reichischem Präsidialgesandten, einen Besuch machte,
habe ihndieser sehr fornilos empfangen, indem errnhig
eine Cigarre weiter ranchte und ohne Herrn v. B.
einen Stuhl anzubieten. Dieser habe daranf ans seiner
Tasche eine Cigarre genommen nnd die Excellenz um
Feuer ersncht. Der Tialog im Kl. verlegt die Scene
nach der damals verbreiteten Aiiffassung in die
Bundestagssihiing nach der Eschenheimer Gasse.
Gras Thun ist darin nur als der „Bruder Wiener"
und Bismarck als der „Bruder Berliner" bezeichnet.
Der Schlnfi des langen Dialogs lautet:

4 9.

Sitzung vom 24. Oktober in einer scharfen Rede
den prenßischen Adel gegen die mannigfachen An-
griffe vertheidigt.) Jn den nnter dem Bilde stehen-
den Nersen wird er bereits als „der Crzschelm in
Panzer und Schuppen" bezeichnet.

Jn gleicher Weise, aber noch nebensächlicher
behandelt, erscheint Bismarck in Nr. 51 des BlatteS.
"Rach der grofien Blamage, welche die Kreiizzeitungs-
Partei durch den Ausgang des Waldeck'schen Pro-
zesses (3. Dezbr.) erlitten, erschienen mehrere darauf
bezügliche Bilder. Auf dem letzten, „Die tranernden
Kreuzritter auf den Trünimern des Waldeck'schen
Prozesses," ist Bismarck — in ganz gleicher Cr-
scheiniing wie anf dem vorigen Bild — dargestellt,
ist aber hier mehr Zuschauer als Mitleidender.

Bezüglich eines Confliktes des Abgeordneten
v.Bismarck mit dem Redakteur Ernst Dohm verweisen
wir auf die Schlufiseite des Albums (184) nnd auf die
zwei ersten facsimilirten Briefe im Anhang I n. II.

51.

Börsenmannes von dem Blatte geschaffenen Figur
des Zwickaner (in der bekannten Sprache desselben)
zugetheilt sind:

Also Hörr von Vüsmarck würd ßum Vundestag
nach Frankfurt am Mäun geschückt. Jch glaube, so-
gleuch er würklich geschückt isk, würd dort Herr von
Vüsmarck schön hausen.

5 2.

Bruder Verliner: Wenn Oesterreich roocht, kann
Preißen ooch roochen. Man 'n bisken Feier her!

Bruder Wiener: Halten zu Gnaden — die Lackcr-
lotscigarre ist mir ausgegangen!

Bruder Verliner ebenfalls. Der Vorhang füllt
vor Lachen über Deutschlands Einheit.

— Jn Nr. 13 (vom 28. März): Q'LnIaut
tsrrillls. Jn der II. Kammer (Sitznng vom
20. März) hatte bei der Diskussion über den Alilitär-
Ctat der Abg. Harkort wieder die Bevorzngung des
Adels in der Armee kritisirt. Abg. v. Bismarck, wel-
cher darauf die militärischen Talente der Opposition
j scharf ironisirte, bemerkte am Schlufi seiner sensa-
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