Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 64.1913-1914

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Neujahrskarte von Prof. )akob Bradl

Jakob öraöl

Man braucht in München nur seinen Nainen zu
nennen, um zu hören, wie ihn jeder kennt und liebt.
Ein jeder Münchner weiß etwas von ihm: der eine
kennt ihn als vortragsmeister, der andere als
Mime und wieder einer als Künstler volkstümlicher
Bildwerke, was ihn am meisten bekannt machte,
seine vielseitigen künstlerisch-geselligen Talente,
stellte er in den Dienst jeder guten Sache, und so
kam es, daß in München bald kein Fest, bald keine
Aufführung mehr ohne Mitwirkung Bradls statt-
fand. überall begegnete man seinem Namen, wie
dem von Papa Geis, Konrad Dreher, Peter
Auzinger u. a. Seine durch und durch künstlerisch
gestimmte Natur, seine vielseitigen Anlagen führten
ihn auf alle der bildenden Kunst nahestehenden
und verwandten Gebiete: Poesie, Musik und
Schauspielkunst, von Haus aus zu allem begabt,
wuchs er in alles hinein, spezelte mit allen
Künsten herum und wurde so der in seiner Art
einzige Bradl. was Wunder, wenn bei solcher
Vielheit der Erscheinungen und der Freude des
Münchners am Humor Bradls der bildende Künstler

Bradl als etwas Selbstverständliches hingenommen
wurde.

wer Ohren hatte zu hören, konnte aber auch schon
in seinem Humor, in der Gestaltung von mit
feinstem künstlerischem Empfinden durchwehten
geselligen Festen, deutlich den Flügelschlag und das
wehen seines schöpferischen künstlerischen Geistes
vernehmen. Denn Bradl ist nicht nur der fein-
sinnige Arrangeur und der kundige Regisseur solcher
Feste, nicht bloß Dekorateur und Kompositeur,
Akteur und Impresario, Deklamator und Rezitator,
Musikus und Gelegenheitsdichter, sondern vor
allem doch Zeichner, Bildhauer und Maler. In
allen Handwerken und Künsten geübt und erfahren,
schuf er, während sich noch die Leute über seine
Bonmots und Spässe unterhielten, in der Stille
seiner Werkstätte schon wieder köstliche volkstüm-
liche Bildwerke, die, wie seine Brunnen, sich
jedem alten Stadtbild anpassen, so daß man
meinen könnte, sie wären darin entstanden; Denk-
mäler, aus denen er, so gut es immer ging,
bodenständige Standbilder gemacht hat, und zahl-

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Aunst und Handwerk. 6$. Jahrg. Heft 7.

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