Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 64.1913-1914

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FRUCHTSAFTPRESSEREI' ESSIG-&SENFFABRIK - WEINKELLEREI.

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Jo MICH. MAHR

3 NH AB ER. THE ODOR- MAHR

BÄM B ET Jt.G

Bernhard Wenig, München

Saperische Zachschulen: I. Zwiesel

Theorie und Praxis, Schule und Leben stehen sich
heute nicht inehr unversöhnlich gegenüber — im
Gegenteil, das „moderne praktische" Leben ist von
Wissenschaft und Technik völlig durchdrungen. Ls
wurde auch in keiner Zeit mehr Gewicht und
wert auf die künstlerische Erziehung gelegt, und
unentwegt wird in zahlreichen Fachschulen an der
Verbesserung der Erziehungsmethoden gearbeitet.
Bei aller Gegnerschaft gegen die Schulen im all-
gemeinen wird sich der in der Schule des Lebens
alt und hart gewordene Praktiker zugestehen
müssen, daß die Fachschulen mit ihren Lehr-
werkstätten eine Ergänzung zur Werkstattlehre
bilden; ganz besonders an Orten, wo eine bestimmte
Industrie die Kräfte spezialisiert und eine viel-
seitige Meisterlehre in Frage gestellt hat.

Gerade der Praktiker, der eine Schule wünscht,
in der man für das Leben lernt, kann über die
Fachschulen nicht hinwegsehen, in denen der Unter-
richt zum Teil theoretisch, zum Teil praktisch aus-
geübt wird. „Die Unterrichtsverwaltung der Fach-
schulen legt besonders Gewicht darauf, daß der
Betrieb der Lehrwerkstätten tunlichst dem Betrieb
der Meisterwerkstätten gleicht. Ls soll deshalb in
diesen Werkstätten nicht rein schulmäßig nach gleich-
bleibenden Mustern, sondern möglichst nach wech-
selnden, den gewerblichen Bedürfnissen entspre-
chenden Entwürfen gearbeitet werden. Zunächst
werden die Schüler allerdings planmäßig an
Übungsstücken in den Gebrauch der Werkzeuge
und in die einzelnen Handfertigkeiten eingeführt.
Sobald als möglich werden sie aber auch zur

Herstellung vollständiger Arbeiten nach gegebenen
Entwürfen angehalten." während der praktische
Teil immer mehr dem Werkstattbetrieb angenähert
wird, ist der theoretische Unterricht nach bestimmten
Lehrpläne:: geordnet. Denn schließlich kann auch
eine praktische Erziehung nicht anders verfahren
als nach pädagogischen Methoden. Der theoretische
Unterricht erscheint in den Lehrprogrammen der
Fachschulen noch unter den verschiedenartigsten Be-
zeichnungen, die zum Teil der an den höheren
Lehranstalten üblichen Lehrstoffeinteilung nachge-
bildet sind und unrichtige Vorstellungen von dem
Umfang dieses Unterrichts erwecken könnten. Der
Fachunterricht beschränkt sich aber in der Regel
auf die Lehre von Material und von den ein-
schlägigen Maschinen, Werkzeugen und Arbeits-
vorgängen. Soweit es zum Verständnis des Ar-
beitsprozesses erforderlich ist, werden auch die ein-
schlägigen Gebiete der Physik, Lhemie, Mineralogie
usw. behandelt. Zum Beispiel wird in der Fach-
schule für Glasindustrie in Zwiesel neben Lhemie
Technologie des Glases gelehrt.

Nach dem Jahresbericht von \9\2/\3 wird in der
allgemeinen anorganischen Lhemie über das Vor-
kommen, die Darstellung, Eigenschaften und Anwen-
dung der Nichtmetalle, der Metalle und deren Ver-
bindungen unterrichtet unter besonderer Berücksich-
tigung derjenigen Stoffe und chemischen Vorgänge,
welche in der Glasindustrie eine Rolle spielen.
Der Unterricht in der organischen Lhemie beschränkt
sich lediglich auf diejenigen Stoffe, welche für das
Glasfach Bedeutung haben. In der angewandten

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