Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 64.1913-1914

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roh, ließ man von den Bilderzeilen das Auge
hinaufschweifen zu den Diezschen Malereien an
der Stirnwand des Saales. — Die Art der De-
korativen von heute, die für Ausstellungen ge-
schaffen wird, nahm sich nicht besonders glücklich

aus neben der «Dualität Diezens. Zn heiterer Ruhe
lächelten von oben diese gesunden und ungesuchten
Schöpfungen, die noch erfreuen werden, wenn
ein frischer Luftzug längst den ganzen modischen
Zauber von heute hinweggefegt haben wird.

Gewerbeförüerung und Zrauenbil-ung.

von «S. v. Pechmann *)

Unter allen Bestrebungen, die man unter dem diesen Tagen gekauft wurde und als „reizendes

Begriff Gewerbeförderung zusammenfaßt, stehen Weihnachtsgeschenk" in die Haushaltungen einzog,

gegenwärtig diejenigen im Vordergrund des allge- der kann nicht daran zweifeln, daß nur ein ver-

meinen Znteresses, welche die Förderung der «Dua-
lität in der gewerblichen Arbeit anstreben. Die
Bayerische Gewerbeschau des vergangenen Jahres
hat dargetan, wie alle Kreise der Produktion für
die lDualitätsforderung herangezogen werden kön-
nen. Dagegen ist es sehr fraglich, ob die Konsu-
mentenkreise von diesen Bestrebungen heute mehr
als zum kleinsten Teil erfaßt sind, wer etwa in
den vergangenen Weihnachtswochen mit achtsamem
Blick die Verkaufsstraßen Münchens, die Ausstel-
lungsräume der großen Warenhäuser durchwan-
derte und dabei überdachte, wieviel Schund in

H Auszug aus seinem im Bayer. Kunstgewerbeverein
gehaltenen Vortrag.

schwindend kleiner Teil der Saat bis heute auf-
gegangen ist, die seit Zähren ausgestreut wurde.
„Das Publikum will es", so lautet die Begrün-
dung noch immer, wenn irgendwo billige und
schlechte Ware fabriziert und verkauft wird. Die
Herrschaft dieses Schlagwortes beweist, wie treffend
der weitblickende Leiter des österreichischen Gewerbe-
förderungswesens, Hofrat Vr. Vetter, auf der
letzten Werkbundtagung in Wien die Macht des
Käufers mit den Worten kennzeichnete: „Die Volks-
wirtschaft hat erst in neuerer Zeit wieder erkannt,
mit welch souveräner Gewalt der Konsument über
die Schicksale der Produktion entscheidet. Tr ist der
mächtigste Gewerbepolitiker unserer Zeit, und so

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