Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 64.1913-1914

Page: 258
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1913_1914/0276
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ist das phrasenhafte Betonen des Individualismus,
der persönlichen Willür. Der Lernende muß vor
alleni vor fundainentale Alarheit gestellt werden,
sonst beginnt und endet er als Dilettant. Die Tafeln
mit ihren Instruktionen sind nun allerdings weniger
oberflächlich, als der Text erwarten läßt. Doch sind
formen der Übung ^ zu reich und dem Anfänger
nicht zu empfehlen. Auch zur fünften Übung gesellt
sich dieser Vorwurf, wenn auch schwächer. Gerade

solche knapp gehaltene ^ilfsmiltel stellen an den
Herausgeber die strengsten Anforderungen eines klaren,
überlegten Aufbaues, dem Lernenden ist nichts ge-
dient mit Phrasen wie individuell und Betonen per-
sönlicher Note. Das persönliche ist Endergebnis und
nicht Ausgangspunkt. Die Schriftproben zeugen vom
Geschmack ihres Urhebers, wenn auch nicht durchaus.

Stephan St ein lein, München.

Chronik des öaperifchen Runstgewerbevereins

Aus den Sitzungen des Gesamtausschusses.

Bei der in der Ausschußsitzung vom Mai stattgehabten Lr-
gänzungswahl der Vorstandschaft wurde der turnusgemäß
ausscheidende 2. Vorstand, Se. Magnifizenz Unterstaatssekretär
v. Mayer, wiedergewählt. Da aber auch Herr Prof. <E. Pfeifer
von seiner Stelle als !- Vorsitzender des Vereins zurücktrat,
mußte auch ein Vorsitzender gewählt werden. Aus dieser
Wahl ging Herr Prof. Lugen Hönig als z. Vorsitzender hervor.
Der s. Vorstand, Herr Hofgoldschmied Karl Rothmüller,
widmete dem scheidenden Vorstande Prof. Pfeifer warme
Worte des Dankes und der Anerkennung; er rühmt die außer-
ordentlichen Verdienste, welche sich Prof. Pfeifer in seiner
neunjährigen Tätigkeit um die Förderung idealer wie wirt-
schaftlicher Interessen des Vereins erworben habe. Ihm wäre
es mit zu danken, daß der Verein wieder auf einer gesicherten
wirtschaftlichen Basis stehe, daß sich das Vereinsvermögen wieder
auf seiner früheren Höhe befände und der Verein gerade durch
die aufopferungsvolle Mitarbeit Prof. Pfeifers an den großen
Münchener Ausstellungen Z908 und (9Z2 wiederum rühm-
liche Erfolge errungen hat. Seine Verdienste um den Verein
sichern ihm in dessen Geschichte einen dauemden Platz.

In der Ausschußsitzung vom ZH. Mai stellte Herr Rothmüller
Herrn Prof. Lugen Hönig den Mitgliedern des Gesamtaus-
schusses vor. Herr Rothmüller dankte Herrn Prof, Hönig für
die Annahme der Wahl und gab der Hoffnung Ausdruck, daß
es ihm gelingen möge, die im Kunstgewerbeverein vorhan-
denen Gegensätze zu schlichten, die Vereinstätigkeit wieder in
ruhigere Bahnen zu lenken und die Mitglieder zu gemein-
samer, ersprießlicher Arbeit zusammenzuführen.

Herr Prof, Hönig, von den Mitgliedern des Ausschusses freund-
lich begrüßt, dankt für das ihm durch seine Wahl zum Vor-
sitzenden des Kunstgewerbevereins entgegengebrachte Ver-
trauen. Lr versichert, daß er sich nicht leichten Herzens habe
entschließen können, das Amt zu übernehmen. Man möge
ihm zunächst Zeit geben, sich in die mannigfaltigen Geschäfte
des Vereins einzuleben. Seine volle Arbeitskraft könne er
dem Verein zusichern, er wolle vollständig objektiv die Zu-
stände prüfen. Lr sei kein Programmensch. Ihm sei die Tra-
dition des Vereins wertvoll, dessen oberstes Prinzip sei, das
Münchener Kunstgewerbe zu fördern.

Mit der kehrlingspreisverteilung schlossen auch in
diesem Jahre die Veranstaltungen des Wintersemesters. Und
auch Heuer gestaltete sich dieser Akt zu einer intimen festlichen
Feier, der als Vertreter der kgl. Staatsregierung Ministerial-
direktor v. Memel anwohnte und Direktor Luder der Industrie-
bank, die auch Heuer wieder Zuschüsse zu den Prämien leistete.

Herr Professor L. Hönig begrüßte die Anwesenden und betonte,
daß >jhm das vertrauen des Vereins das Amt des Vor-
sitzenden, übertragen habe, und daß er nach Kräften bemüht
sein werde, das in ihn gesetzte große vertrauen zu rechtfertigen.
Der Verein habe bereits eine Geschichte und eine Tradition,
die man unter allen Umständen Hochhalten müsse. Lr sehe
die nächsten Aufgaben in der Erfüllung der ideellen wie mate-
riellen Interessen des Vereins, die nicht einseitig nur nach der
merkantilen Seite verschoben werden könnten, obwohl gerade
er auch eine gedeihliche Entwicklung und Förderung der wirt-
schaftlichen Interessen herbeiwünschen müsse, vor allem aber
müsse man an die Förderung und Hochhaltung des Münchener
Kunstgewerbes denken. Der heutige Abend gelte dem jungen
Nachwuchs auf dem die Hoffnung und Zukunft des Vereins
beruhe.

Nach den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen des
!. Vorsitzenden stellte Herr Hofgoldschmied Th. Heiden die
Lehrlinge vor und sprach im Namen der Meister dem Verein
den Dank aus, für die feit Jahren geübte Förderung des
Lehrlingswesens und die Unterstützung, die er durch Stipendien
jungen tüchtigen Gehilfen angedeihen lasse, wodurch das ganze
Kunsthandwerk gefördert würde.

Der 2. Vorsitzende des Vereins, Se. Magnifizenz Unterstaats-
sekretär v. Mayr, begrüßte die Lehrlinge und führte in einer
längeren Ansprache aus, welche Bedeutung dieser Feier im
Leben des Lehrlings und angehenden Gehilfen zukomme. Ls
wurden dann, die hier schon erwähnten (4 Lehrlinge mit
Preisen ausgezeichnet. Nach der Preisverteilung nahm Se.
Magnifizenz v. Mayr wieder das Wort und ließ seine Aus-
führungen ausklingen in ein Hoch auf den allerhöchsten Protektor
des Vereins, Se. Majestät König Ludwig III.

Im Namen der Lehrlinge dankte Max Schedl den Meistern
und dem verein. Herr Hofgoldschmied Heiden gedachte der
Lehrmeister und der Eltern der Lehrlinge, die sich mit den
Mitgliedern des Vereins zu dem schönen Abend eingefunden
hatten (26. Mai).

öerichtigung

Heft 9 „Lhronik des Bayer. Kunstgewerbevereins" heißt es:
Ordentliche Generalversammlung Dienstag, den 5. April,
statt Dienstag, den 5. Mai; und am Schlüsse des Berichtes,
wo die neugewählten Ausschußmitglieder namentlich auf-
gezählt werden, müßte auch der Name des Herrn Hof-
Dekorationsmalers Hans Urbanisch erscheinen, der gleich-
zeitig mit den anderen Herren in den Ausschuß gewählt
wurde, was bei der Abfassung des Berichtes übersehen wurde.

iiiiimiiiiiiiMiiiiiiMiimiiiuiiiiiiiiiiMiiimiiMiiHimiiimiiiiimiiimiiiiiimmiiiiimiiiimiiiiiiiHiiiii.im n i um nn in n n 111 n im 111 mihi im im n in mm 11111 hihi mini n ui im n i n im

verantw. Redakteur (ausgenommen Anzeigeteil): Alexander Heilmeyer. — Herausgegeben vom Bayer. Aunstgewerbeverein. — Druck und Verlag

von R. DIdenbourg, München.
loading ...