Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 1.1820

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Nr. 14.

K u n st - Blatt.

Donnerstag, den 17. Februar 1822.

Brief auS Kopenhagen
über ein Basrelief vom Ritter Albert Thvrwald-
sc», bestimmt über dem Taufstein der Metropo-
litan-Kirche von Seeland eingelassen zu werden.
Höhe etwa 3*- Fuß, Breite 6|-.

Mittlere und Haup tgruppe, der Täufer;
Er steht auf dem Uferrande des Flusses, halt den Agnus-
Dei-Stab mit dem Kreuze im linken Arm, die Schaale,
noch nicht ausgegossen, in der Rechten, feierlich über
dein Haupte des Heilandes, als spräche er hohe geheim-
nisivolle Worte. Die hohe, schlanke, und doch kraftvoll-
würdige Gestalt; das rauhe, nicht weite, mrd meisterhaft
umgegoßne Gewand; alles spricht den strengen Einsiedler
der Wüste aus; das Haar tft nicht kraus, mit nachlässiger
Anmuth ausgearbeitet; Haupt lind Antlitz pon der gran-
dioseste» Schönheit; heiliger Ernst, Größe und tiefe De-
uiuth vor dem größeren Täufling, sprechen sich mit
tiefem Gefühl der Würde des eigenen Amtes vereint dar-
in aus! Dieser Johann Baptist ist einzig; der unsterb-
liche Künstler hat denselben geschaffen, wiePhidias seinen
Jupiter, die Norm ist festgestellt, cs kann nimmermehr
von derselben abgewichen werden, ohne Abirrung.

DecEclöser, vom andern User des Flusses hergokonnuen,
siebt schon mit dein linken Fuße in demselben', mit dem
rechten noch ans dem nur etwas erhhhteu Ufer; dieser
Fuß ist bis auf die Zehen erhoben, weil der Heiland sich,
das Tauflvasser zu empfänden, sanft vornüberbeugt mit
zusammengelegtcu Händen. Sanftes, weich abgescheitel-
tes, unten in Lotten fallendes Haar; süße holde Züge;
beiliger wehmuthsvoller Ausdruck: „Siehe das Lamm
welches der Welt Sünde tragt!" Die Theile des
Körpers, ivekche das durchaus auspruchlosc auf halbem Leib
gegürtete Gewand sichtbar laßt, sind sanft und mit fließen-
den Umrissen, das Haar so sichtlich blond, wie das des Jo-
hannes schwarz; bevde Gestalten die ans das erhabenste
kontrafrirende, und dann in einen hohen Einliang zusam-
menschmelzende Gruppe, welche je hervorgebracht wurde.

Iwevle Gruppe zur Linken des Beschau-
ers hinter dem Täufer: Zwcv schwebende Engel-

jüugliugc; die großen ausgebreiteteu Flügel des näheren
ganz sichtbar; der eine Arm hinten um den Nacken herum
auf die Schulter des andern gelegt; der andere An» queer
über die eigne Brust auf die innere Schulter des Gefährte»,
die Stellung so leicht, so traulich, so sicher! Dieser streckt
den linken Arni gegen die in der heiligen Handlung be-
griffnen — und als wollt'er sanft ausrufcn: „D ieß ist
der Eingeborne Sohn!" u. s. w. Sie sind eilenden
Fluges hervorgeschwebt; die bewegten sanft zurück gebläh-
ten Gewänder bezeugen es, auch das sanft von den ewige
Seligkeit strahlenden Stirnen zurückgewehte Haar be-
zeugt cs. Wie hold sind diese nachlnssig voll Anmuth wal-
lenden Locken. Der eine, der innere , hat in Blick, Aus-
druck, Umrissen etwas so weiblich Naives, daß ich Thor-
waldsen sagte, er habe da einen weiblichen Engel gedackt.
Der andere ist kräftiger dunkler (denn unter des großen
Künstlers Händen erhält der Thon Färbung) gehalten; die
Engel sind tief an die Erde herab geschwebt: ' Vor ihnen
stehen zwe» holdseelige Engelknabeu, dienende Geister,
eben aus der ersten Kindheit heraus, noch mit der Fülle
der weichen Umrisse derselben. Via» sieht die Taubcnflüg-
1 lein des näheren, Be»de halten mit süßer Innigkeit das
! Obergcwand, das der Erlöser abgelegt, ehe denn er in die
! Finthen trat; (Johannes nahm cs ihm wohl estrfnrchcs-
j voll ab; die holden Genien ihm.) Mil welchem Ausdrucke
zärtlicher, kindlicher Ehrfurcht halten sie das weite reich-
gesaitele Gewand an die kleine Brust mit de» runden Aerm
chen gedrückt! Der äußere ist ähnlich jenem feuervollcu Che-
rub in Raphaels Madonna v. Skt. Sirt.

Große Gruppe zur Rechten des Beschauers
hinter dem Erlöser. Zu äußerst als Schlußpsei-
ler des Ganzen, ein majestätischer Greis, in ein grau
dieses Gewand gehüllt; er schaut enrst, still ans die heilige
Handlung; Friede der Gewißheit strahlt von seiner hohen
Scheitel: nahe vor ihm halt ein schönes imiges Weib ein
süßes kleines Kind aus dem reckten Arme; der Vater will
ihr das Kindtein vom Arme nehmen, um es gleich des
Segens der Taufe theilhaftig zu machen — während die
Mutter mit dem linken ausgestreckten Arme einen herrli-
chen von göttlicher Begcisicnmz ergriffenen Knaben (ihren
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